Der Artikel von Beat Rölli zu seinem Besuch bei Ben Law ist sehr inspirierend ("Ben Law lebt im und vom Wald", PDF). Niederwaldwirtschaft scheint genau die richtige Bewirtschaftungsmethode für unseren Kleinwald zu sein, auch weil mit wenigen bis keinen Maschinen auskommen kann.
Eine für Niederwald sehr gut geeignete Baumart ist die Edelkastanie, welche auch nördlich der Alpen wieder vermehrt geschätzt wird. Sowohl als Lebensmittel- wie auch als Nutz- und Energieholz-Lieferant.
Die Produktion von Holzkohle halte ich für eine Möglichkeit mit grossem Potential, weil mit einfacher Technologie in kleinem Masstab Lebensgrundlage zu geschaffen werden kann (auch im Zusammenhang mit Biokohle). Ben Law verwendet dazu einen mobilen Köhlerofen, z.B. hier findet man eine simple Anleitung dazu, wie man einen solchen aus zwei Fässern herstellen kann.
Silke Helfrich ("Wem gehört die Welt? Zur Wiederentdeckung der Gemeingüter") hat auf dem CommonsBlog eine Liste von Prinzipien zusammengestellt, welche nachhaltige Projekte auszeichnen:
- Hilft die Initiative/das Projekt den Menschen, ihre Zeit so gut wie möglich zu nutzen? (Zeiteffizienz besser vielleicht noch: Entschleunigung)
- Stärkt sie die Beziehungen zwischen den Menschen? (Beziehungsorientierung)
Gibt es einen klar identifizierbaren sozialen Nutzen (oder, falls dieser nicht klar identifizierbar sein sollte, zeichnet sich diese Richtung ab)? (Gemeinwohlorientierung)
- Produziert das Projekt/die Initiative mehr für die community/Gesellschaft/Umwelt, als es ihnen nimmt, einschließlich einer ausgeglichenen Gewinnverteilung und sozialer Reinvestition? (Vermeidung von Über- und Unternutzung)
- Ist die Initiative und ihr Ergebnis auf lange Sicht nachhaltig? Fügt es der Resourcenbasis mehr hinzu als sie ihr nimmt oder belässt sie sie in ungeminderter Qualität? (Nachhaltigkeit)
- Sind die Handlungen und Verfahren transparent, inklusive der daraus entstehenden Produkte sowie der damit verbundenen Prozesse und Folgen? (Transparenz)
- Gibt es konkrete Maßnahmen, die die soziale Intention und das gewünschte Ergebnis schützen und pflegen? (Monitoring)
- Ist das Projekt/Vorhaben zumindest neutral für Menschen, die es nicht benutzen? (z.B. es mindert nicht die Ressourcen für andere Nutzer) (Unschädlichkeit)
- Reduziert es Zugangshürden? Macht es Dinge einfacher? Ist es „zugänglich“ im weitesten Sinne des Wortes? Bietet es den Ausgegrenzten und an den Rand Gedrängten Zugang zu zusätzlichen Ressourcen, gibt es Ihnen eine Stimme? (Zugangsgerechtigkeit, Einschluss statt Ausschluss)
- Gibt es keine ungerechtfertigten und/oder künstlichen Grenzen des Zu- oder Weggangs vom Projekt? (Freiwilligkeit)
- Respektiert es die Menschenrechte und den kulturellen Kontext? (Wenn dies in Opposition zueinander steht, glauben wir, dass die Menschenrechte Vorrang haben.) (Respekt der Menschenrechte)
- Respektiert es die Vielfalt? (Vielfalt)
- Trägt es dazu bei, verdientes Vertrauen und Zusammenarbeit aufzubauen? (Kooperation)
- Stärkt es eine sozial nützliche und nachhaltige Nutzung der Daten und Informationen, die es erzeugt? (Offene Standards, freie Technologien)
- Bietet es Möglichkeiten des Tauschs von Werten, die dem Kontext angemessen sind und nutzt es diese? (Kulturelle Relativität)
- Sind die Entscheidungverfahren transparent, demokratisch und partizipativ bzw. sind sie von den Betroffenen akzeptiert?(Selbstorganisation, Demokratie)
- Bietet es einen Hebel/ erleichtert es lokale ownership (kulturelle Aneignung) und wirtschaftliche Entwicklung? (Rückgebundenheit)
- Ist es auf andere Dimensionen übertragbar? (Skalierbarkeit)
- Folgt es den best-practices von Nutzer-generiertem Design? (Exzellenz)
Die Diskussion ist offen.
Dank informeller, nichthierarchischer Mikroinformations-Kommunikationstechnologie (aka Twitter) bin ich gestern auf die Permakultur-Tage aufmerksam geworden, welche vom Schweizer PK-Verein an diesem Wochenende am Bodensee veranstaltet werden. Ich werde hinfahren und zwar wegen Jascha Rohr (hier im Interview), welcher Permakultur aus dem engen Kontext "Landwirtschaftlicher Anbau" hinaushebt.
"Gestaltung als kollektive Herausforderung für eine lebendige Zukunft" heisst der Hauptvortrag am Samstagabend, "Projekt in partizipativen Prozessen gestalten" der Workshop am Sonntag. Bin gespannt.
Mehr Infos gibt es im Flyer (PDF) auf der Website des Permakultur-Vereins.
Web 2.0 ist gerade Schwerpunktthema auf Nachhaltigkeit.at, dem österreichischen Nachhaltigkeitsportal: die Kraft der Vielen. These: die heutigen technischen Möglichkeiten zur sozialen Interaktion und zum Wissensaustausch bringen die nachhaltige Entwicklung voran. Aber es liegt noch viel Potential brach.
Hannes Offenbacher (Besser geht immer) hat dazu auch Blogger befragt. Natürlich habe ich mir nicht verkneifen können, ebenfalls meinen Senf dazu zu geben. Und auf meinen schon etwas angegrauten Artikel "Öko 2.0 - Auf dem Weg zur kritischen Masse" hinzuweisen.
In den Foren der Plattform der strategischen Konsumenten rumort es. In Utopia-kritischen Diskussions-Strängen wird heftig ausgeteilt. Zum Teil langjährige und sehr aktive Mitglieder (hier, hier, hier) werden schwach begründet gesperrt oder melden sich selber ab. Trotz über 40'000 registrierten Benutzern gab es in den letzten vier Wochen gerade mal 150 neue Diskussionen.
Wie ich auch schon festgestellt habe, sollte man das Kleingedruckte auf Nahrungsmittel-Verpackungen besser nicht lesen. Man weiss sonst plötzlich Dinge, die man lieber nicht gewusst hätte. Der Puffweizen von Kellogs, welcher ab und an bei uns auf dem Frühstückstisch steht, hat es geschafft, dass ich den Sinn der freiwilligen Deklaration, auch bekannt als Foodprofil, anzuzweifeln beginne.
Was könnte und sollte an die Stelle der bisherigen materialistischen Grundorientierung treten? Andreas Giger, Allzweck-Intellektueller und Werte-Forscher (hier im Interview) hat seine Überlegungen und Studien zu neuem Leitwert Lebensqualität in 36 Kapiteln dargelegt.
Dass Geld, Konsum (ja, auch strategischer) und Lebensstandard weder für uns persönlich noch für uns als Gesellschaft auf einer begrenzten Erde zum Glück führen, ist nicht erst seit der Finanz- und Wirtschaftskrise klar. Und dass der Aufruf zum Verzicht eher abschreckt als zu einer Verhaltensänderung motiviert, ist Trivialpsychologie.
Was aber an die Stelle des "Tanzes um das goldene Kalb" treten kann und was wir uns orientieren können, das zeigt "Moses 2.0: Wie wir gemeinsam den Wandel vom Lebensstandard zur Lebensqualität schaffen" hervorragend auf.
KarmaKonsum lobt zusammen mit namhaften Partnern einen Gründerpreis für junge Unternehmen im nachhaltigen Bereich aus. Voraussetzungen für eine Bewerbung ist eine ökokologisch-nachhaltige und/oder soziale Ausrichtung und die Aussicht auf Schaffung neuer Arbeitsplätze.
Der Gewinner wird werbemässig unterstützt und von den Jurymitgliedern beraten.
Weiteren Details kann man hier nachlesen.
Egal, ob man am Schluss der Gewinner ist, aber die Plattform ist eine Chance für Neugründer, um sich darzustellen und Netze zu knüpfen. So spontan wäre eine Beteiligung der Verbraucher vielleicht wünschenswert gewesen, aber strategische Konsumenten stimmen ja mit den Füssen ab und entscheiden schlussendlich, wer ein überzeugendes Unternehmen aufbaut und bedürfnis-orientiert geschäftet.
Etwas, das mir jetzt doch so stark ins Gesicht gesprungen ist, dass ich den prioritäten-bedingten Tiefschlaf hier unterbreche: Klimafarming und im speziellen Biokohle. Bei ersterem geht es darum, mit landwirtschaftlichen Methoden klimaschädliche Gase zu reduzieren (im besten Fall sogar eine positive Bilanz zu erreichen). Bei zweiterem um die Herstellung von Kohle aus Biomasse, die vor auch zur Bodenverbesserung eingesetzt werden kann. Dies analog zu Terra preta, der Schwarzerde aus Amazonien.
In einem Blogbeitrag beim einem Bioweinhändler wird darauf eingegangen, wie mit Biokohle die Bodenqualität verbessert werden kann. Der Händler hat zudem ein Forschungsnetzwerk zum Thema initiiert.
Bernd Ohm bringt es in "Die Energiewende ist auch eine Kulturwende" auf den Punkt: Bioenergiedörfer und erst recht auch Energiestädte sind auch nur ein bisschen Flicken an einer überlebten Zivilisationsform, welche nicht aufrecht zu erhalten ist. Egal, ob die Rechnung im Detail stimmt, aber die übergeordnete Aussage ist klar: mit dem heutigen Energiekonsum steuern wir Richtung Zerfall.
Wir müssten reduzieren und zwar massiv, aber die heutige Führungsriege in Politik und Wirtschaft wird sich nicht aus der fossilen Abhängigkeit befreien (wollen/können). Leider wird sich keine breite Lobby für Konzepte wie die Transition Towns oder Neustart Schweiz finden, deswegen sollten wir uns alle auf ungemütliche Jahre vorbereiten. Das industrielle sowieso wie auch das digitale Zeitalter gehen zu Ende.
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