Süsser Lohn nach langem Päppeln: aus dem Zentner Äpfel, welche unsere Niderstämmer abgeworfen haben, sind am vorletzten Wochenende 40 Liter
Süssmost entstanden. Erst jetzt in der dritten Saison konnte ich das erste Obst ernten, nachdem ich in den vergangenen Wintern die verwahrlosten Bäume geschnitten und - ja - gespritzt hatte. Letzteres hätte ich gerne vermieden, aber nachdem mir der
Frostspanner im letzten Frühling die Bäume fein säuberlich von jungem Laub und Blüten befreit hatte, bin ich dessen Raupe in diesem Frühjahr mit einem Bio-Mittel zu Leibe gerückt.
Bäume, Sträucher, ja, eigentlich alle mehrjährigen Pflanzen können buchstäblich unsterblich sein. Dabei habe ich nicht extrem langlebige Einzelexemplare wie zum Beispiel die über 700 jährige Linner Linde im Sinn, welche bei uns ganz in der Nähe steht, sondern vegetative Vermehrung.
Schon etwas bekloppt, wenn man heute etwas tut, was erst in zehn Jahren ein Ergebnis zeigt - eventuell. Der Altai-Apfel, d.h. eigentlich
asiatischer Wildapfel aus dem
Altai-Gebirge stammend, hat mich allerdings auf den ersten Blick fasziniert, als mir von
Konstantin Kirsch Kernen zur Aussaat angeboten wurden.
Ich werde langsam zum Obstbauern: neben der Pflege der übernommenen alten, ca. 20 Kern- und Steinobstbäumen habe ich jetzt meinen ersten Baum selber gepflanzt - oder besser, eingeschlagen. Die Hochstammbirne mit dem malerischen Namen "
Gute Luise von Avranches" hat unser Töchterchen von Gotte und Götti geschenkt bekommen. Scheinbar kriegen Mädchen traditioneller Weise Birnen und Jungs Äpfel.e.
In der Schweizer Landschaft und wahrscheinlich auch in anderen Gegenden liegen Schätze verborgen - oder besser - stehen einfach so rum. Durch die eigenen Obstbäume und das Selber-Schneiden sensibilisiert mache ich auf Spaziergängen, oder wenn ich sonst unterwegs bin, immer wieder die gleiche Entdeckung: verwahrloste Hochstämmer, zum Teil ganze Anlagen, jahrelang ungepflegt und wahrscheinlich auch nicht mehr abgeerntet.
Schneiden oder nicht?
Obstbäume schneiden widerspricht eigentlich den Grundsätzen der
Permakultur, wo auf möglichst wenig Arbeitsaufwand und natürliches, d.h. selbstständiges Pflanzenwachstum Wert gelegt wird - mindestens in der Ausprägung nach
Sepp Holzer.