Nützlich, nicht effizient
Via Nuevalandia-Blog, welches von Michael Klotsche - ein im Braungartschen Sinne intelligenter Ingenieur (hier im Interview) - gepflegt wird, bin ich wieder auf eine Person aufmerksam geworden, welche hier auch schon Thema war (und dessen Konzept kritisch kommentiert worden ist): Michael Braungart.
An der Utopia-Konferenz 08 hat er ein Vortrag (Teil 1, 2, 3, 4 / Hörbuch davon kann ich auf Anfrage zur Verfügung stellen) zu seinem Konzept gehalten, aber vor allem seine Botschaft bewegend rübergebracht (auch wenn dies anderthalb Jahre später im deutschsprachigen Raum zu keinen zähl- und fühlbaren Ergebnissen geführt hat, was mich aber trotzdem nicht zur Verwendung von abgenutzten Metaphern verleitet).
Inspirierend finde ich seine rundweg positive Agenda, weil daraus ein ganz anderes Momentum entsteht als mit dem Schuldmanagement, wie es heute in der Nachhaltigkeits-, Umwelt- und Klimaschutzbewegung gepflegt wird. Seine Beobachtung: Pflanzen und Tiere versuchen nicht, weniger oder gar nicht schädlich zu sein, sondern sie sind nützlich. Ganz egal, ob etwas sparsam oder verschwenderisch ist - z.B. ein Baum, der im Herbst seine Blätter abwirft, könnte aus aus unserer Sicht so erscheinen -, wenn der "Abfall" teil eines Kreislaufes ist (Lebensgrundlage schafft), dann spielt dies keine Rolle.
Alles, was konsumiert wird, sollte biologisch nützlich sein. Alles was wir nur nutzen - und das ist die Mehrheit der Dinge - sollte technisch nützlich sein.
Wir sollten daraus auch keine Frage der Moral oder Ethik machen, sondern schlicht und einfach der Qualität. Ein Chemiker, dessen Produkte sich irgendwo anreichern und toxisch wirken, ist schlicht und einfach ein dummer Chemiker. Nicht Chemie an und für sich ist dumm, aber wie sie eingesetzt wird, kann idiotisch sein. Natürlich lässt sich Chemiker mit jeder anderen Berufsgattung ersetzen.
Effizient und Sparen, wie es heute versucht wird, führt zu nichts, wenn die Dinge falsch aufgegleist sind. Etwas Falsches effizienter machen, heisst bloss, dies noch effizienter falsch zu tun. Und wir werden niemals soviel sparen können, dass wir damit in den grünen Bereich kommen (Stichwort ökologischer Fussabdruck).
Zur technischen Nützlichkeit: diesen Kreislauf können wir nur soweit aufrecht erhalten, wie Energie dafür zur Verfügung steht. Einiges davon können wir mit menschlicher Arbeitskraft abdecken, aber was darüber hinausgeht, wird über kurz oder lang nur mit erneuerbaren Quellen zu decken sein.
Um nützlich zu sein, müssen wir allerdings vieles, ja fast alles, neu erfinden: Wohnen, Mobilität, Arbeit, Lebensmittelproduktion, usw. Natürlich können wir dies aus der Sicht der Probleme betrachten, vor denen wir heute stehen (und angesichts der Grösse verzweifeln mögen) und angstgesteuert Lösungen entwickeln, aber nehmen wir uns stattdessen das Ziel "Nützlichkeit" (nicht Nachhaltigkeit!) vor, wird dies eine Menge Kreativität zur Folge haben.

