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Kollektive Handlungsfähigkeit und andere Erkenntnisse

Ist Open Space einer geeigneter Veranstaltungsrahmen, um als Gruppe Resultate zu erreichen? Trotz scheinbarer Ziellosigkeit und inhaltlicher Offenheit (zumindest zu Beginn) denke ich, ja. Ich kenne kein anderes Format, welches administrativ so schlank Menschen mit ihren Interessen und der jeweiligen Bereitschaft, sich einzubringen, abholt. Ein Rahmen, welcher Partizipation unterstützt, aber nicht erzwingt.

Open SpaceIch gebe aber trotzdem zu, dass ich nach dem Neustart Schweiz-Treffen vom vorletzten Sonntag langsam etwas ungeduldig werde: wann passiert endlich etwas Konkretes? Dabei muss ich mir allerdings wieder zwei Dinge vor Augen halten:

  1. Es geschieht bereits was: Treffen werden organisiert (das nächste am 13. Juni), Übersetzungen gemacht (z.B. hier eine französische Zusammenfassung), Buch-Rezensionen und Kommentare geschrieben. Und die Zahl der Interessierten und Unterstützer wächst: über 100 Personen erhalten den Newsletter, gut 60 sind auf der Plattform registrierte Mitglieder und an den bisherigen drei Treffen haben ca. 80 Menschen teilgenommen. Trotz wolkiger Konsistenz (ein Rahmen für Kollaboration?) wird Neustart Schweiz Potential zugetraut.
  2. Damit ein aus einem Netzwerk bestehenden Kollektiv handlungsfähig wird, braucht es eine gemeinsame Basis: Vertrauen und freiwillige Einigung auf Ziele. Dies entsteht nicht über Nacht, sondern ist ein Prozess, welcher Zeit braucht. Und obwohl wir alle persönliche Autonomie hochalten (natürlich, wir sind ja Kinder des Individualismus-Zeitalters), scheint langsam auch wieder eine grössere Bereitschaft zu entstehen, eigene Interessen für das Gemeinwohl zurückzustellen.

Eine gemeinsame Erklärung einer der Gruppen, welche sich formiert hatte, kam der Handlungsfähigkeit trotz der Umstände - die meisten haben sich noch nie gesehen und die zur Verfügung stehende Zeit war knapp - doch schon recht nahe.

Nebst der wieder gemachten Erfahrung, dass die Welt zwar gross, aber gleichzeit auch sehr klein ist, nehme ich ein paar Erkenntnisse aus den Diskussionen mit:

  • Geld wird zwar für viele der Probleme, welche wir heute haben, verantwortlich gemacht, kann aber auch eine eine wichtige Funktion erfüllen: es schafft Bewusstsein. So attraktiv die Ideen von geldfreien Lebens- und Wirtschaftsräumen sind, so wenig würden sie heute funktionieren - aus meiner Sicht. Wenn wir nämlich in einem gut sind, dann ist es das Vergessen. Jede Leistung, jedes Schaffen und Erschaffen "kostet": Zeit, Energie, Material. Wenn wir davon profitieren (ohne entsprechendes Bewusstsein), dann wird diese Tatsache sehr bald unserer Aufmerksamkeit entgleiten. Übernutzung (wenn im Überfluss vorhanden) oder Missbrauch ist dann nicht weit. Der Preis von Produkten oder Leistungen ist ein anderes Paar Schuh ...
  • Handlungsangebote sind besser als Versuche, auf Bewusstseins-Änderungen hinzuwirken. Letzteres müssen Menschen immer selber vollziehen. Natürlich braucht es dazu Information, Erkenntnisse und Erfahrungen, welche vernmittelt werden sollen. Aber das äusserliche Einwirken auf andere endet oft in nutzlosen Diskussionen, Manipulation oder Machausübung. Viel gesünder ist es, die Menschen dort abzuholen, wo sie stehen und ihnen neue Erfahrungen zu ermöglichen.
  • Die entscheidende Frage, ob ein System dauerhaft existieren kann oder nicht (also nachhaltig ist), ist: wird mehr produziert, als hineingegeben wird? Falls nein, wird das System über länger nicht überleben. Das gilt sowohl für menschliche Gemeinschaften als auch für andere Systeme.
  • Wir kämen besser mit der Realität zu Rande, wenn wir komplexe Zusammenhänge (diese Definition ist auch hübsch) nicht als System, sondern als Organismus verstehen würden. Systeme sind statisch, Organismen leben und verändern sich. Nichts von dem, was sich beobachten lässt, ist statisch (wie wir z.B. beim Klima feststellen können) und wir kämen viel besser zurecht, wenn uns dies bewusst wäre. Alles verändert sich. Immer.
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Kommentare (3)  Permalink

Kommentare

blog.flöschen @ 13.04.2010 08:17 CEST (Trackback)
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