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Optionen für den Übergang in eine post-fossile Zivilisation

Das Ende des Zeitalters billiger Energie (von welchem nur eine Minderheit auf diesem Planeten profitiert hat) ist in Sicht, dazu kommen - sehr wahrscheinlich - klimatische Veränderungen, welche weltweit unsere heutigen Lebensgrundlagen in Frage stellen. Heute sind wir in immer stärkerem Mass damit beschäftigt, "grünen" Ersatz zu finden: biologischer Landbau statt konventioneller, biologische Lebensmittel statt Industrienahrung, erneurbare Energiequellen statt Kohle- und Atomkraftwerke, biologische Textilien usw.

Steve Ford Elliott, "Bursting the banks", Some rights reserved.
Quelle: www.piqs.de

Wir leben immer noch in der Illusion, dass wir unseren Lebensstandard werden halten können. Dabei hat gerade begonnen, was als der "lange Ernstfall" (The Long Emergency. Auch ein Buch von James Howard Kunstler.) bezeichnet wird: keine Alternative wird das Erdöl komplett ersetzen können. Landwirtschaftlicher Anbau, Transport und Energie-/Stromproduktion werden immer teurer, was letzlich zu Nahrungsmittel-Knappheit führt. Was wiederum massive Verwerfungen in den westlichen Gesellschaften zur Folge haben wird, weil sie grösstenenteils strukturell unfähig sind, in angemessener Weise auf diese Veränderungen zu reagieren.

Aber wir können uns bereits heute auf diese Veränderungen einstellen. Nicht nur in den einzelnen Haushalten, sondern vor allem auch auf Ebene lokale Gemeinschaften - Dörfern, Kommunen, Gemeinden, Städten - und überregionalen Verbänden von diesen. Dafür brauchen wir ganzheitliche Ansätze, wie sie zum Beispiel Permakultur beinhaltet (wobei Permakultur ein Imageproblem hat). Ein anderer Ansatz, welcher gerade massiv Momentum gewinnt, ist die Transition-"Bewegung", welche Gemeinde und Städte auf die  postfossile, relokalisierte Wirtschaft vorbereiten möchte. Neustart Schweiz dagegen ist eine Diskussionsbasis für notwendige neue Formen des Wohnens und der Art, wie wir uns als menschliche Gemeinschaften organisieren.

Die Frage ist, ob wir genug Zeit haben, um uns soweit vorzubereiten, dass wir nicht im Choas versinken. Aber diesbezüglich halte ich es mit Sharon Astyk:

All that matters is that the work gets done, as well as possible, that the floods are as small as we can make them, and that the suffering is as little as possible.

Ob Permakultur und Transition die momentan einzigen Optionen sind, wird gerade intensiv bei ihr (Permaculture Future? Part I und Part II) sowie Rob Hopkins, dem Gründer der Transition Towns-Bewegung, diskutiert. Diskussionen und Auseinandersetzungen übrigens, welche ich - überhaupt und auf diesem Niveau - in der deutschen Blogszene komplett vermisse ... und noch eine Leseempfehlung (aus dem englischsprachigen Raum) nebst den beiden erwähnten Blogs von Shanon (Casaubon’s Book) und Rob (Transition Culture): The Archdruid Report sowie Cluborlov mit der fantastischen Präsentation "Definancialisation, Deglobalisation, Relocalisation".

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Kommentare (10)  Permalink

Kommentare

Bettina @ 29.07.2009 13:41 CET
Hi Reto,

Du hast ja so recht. Auch ich vermisse eine offene Diskussion über diese Punkte im deutschsprachigen Bereich (offensichtlich lesen wir die gleichen englischsprachigen blogs).

Ich persönlich bin von so etwas wie der Bildung einer Gemeinschaft (vor Ort!) mit gleichen Zielen noch weit weit entfernt.

Die Menschen in meinem Umfeld sind weitgehend ignorant. Ich versuche nicht, wie ein Prediger zu wirken, sondern nur leichte Anstösse zu geben, laufe aber immer gegen die gleiche Wand.

Der "Staat" soll es richten, denn man will möglichst noch weiter shoppen gehen und das nächste tolle Automodell kaufen, mitten in der Stadt wohnen, denn Gartenarbeit ist ja ürgh.

Das geht so weit, dass Freunde mitten in meinem Möhrenbeet stehen und sagen: ja sag mal, wo ist denn nun Dein Gemüsegarten? (völlig ernst). Einmal pro Woche muss ich jemandem erklären, warum ich die lange Zugfahrt zur Arbeit in Kauf nehme und nicht "bequem" zur Arbeit fahre und warum ich das Licht auf der Bürotoilette ausmache, wenn ich dieselbe verlasse. Oder warum ich Kartoffeln pflanze, wenn die doch so billig aus Ägypten kommen.

Im Selbstversorgerforum hab ich ein paar Gleichgesinnte gefunden, das ist schön.

Ich arbeite daran, dass meine kleine Familie einigermassen unbeschadet durch die Stürme der nächsten Zeit kommt - für den Grossteil der Menschen hier tuts mir nur noch leid. Ja, bin da etwas verbittert.
Ansonsten aber Optimist!

Klimawandel, peak oil und Krise - wo sind die anderen deutschsprachigen blogger!

Viele Grüsse, Bettina
Reto Stauss @ 29.07.2009 14:06 CET
@Bettina: möglich wären verschiedene Gründe, warum im deutschsprachigen Webraum diese Themen sowenig Beachtung finden resp. diskutiert werden:
1. Wir zwei (und noch ein paar andere) liegen völlig falsch, d.h. diese Themen sind für vernünftige Menschen einfach keine. Wer "Schmerzen predigt", muss sich nicht verwundern, wenn er - bestenfalls - ignoriert wird.
2. Alle sind extrem beschäftigt mit Taten und haben deswegen einfach keine Zeit, dies online auszubreiten.
3. Die Amis sind uns wie üblich eine paar Monate resp. Jahre voraus und haben den Braten einfach wieder früher gerochen (wobei er IMHO dort drüber auch ein bisschen stärker "stinkt").
4. Die deutsche Blogosphäre ist vornehmlich mit sich selber beschäftigt und mit den Anstrengungen, wie man diese kommerzialisieren kann.
Bettina @ 30.07.2009 11:18 CET
Hi Reto,

:-)
ja, so wirds wohl sein. Punkt 1 schliesse ich natürlich aus :-), obwohl ich mir manchmal so vorkomme. Überall wird ja schliesslich verkündigt, "die Talsohle" sei bald erreicht.

5.Unsere Staatsdiener haben Angst vor einer Massenpanik und Hamsterkäufen und reden daher gegen die offensichtlichen Probleme an, solange es irgendwie geht.

Zu Punkt 2: so wird es wohl sein - auf dem letzten Gipfel in Italien wurde ja schon beschlossen, dass sich die Klimaerwärmung auf 2 Grad Celsius bis 2050 beschränken muss. Sogar Obama hat zugestimmt. Da muss die Klimaerwärmung sich dran halten, sonst sind wir ganz doll sauer.
Daniel @ 03.08.2009 20:43 CET
Hi Reto

Gut, dass du die grundsätzliche Frage des dringenden gesellschaftlichen Wandels mal wieder ansprichst! Bin auch der Ansicht, dass da grundlegende Veränderungen nötig sind, und dass die meisten Leute sich darüber kaum im Klaren sind. Aber - ohne das despektierlich zu meinen - gibt es immer nur eine Minderheit, die vorangeht, und hofft, eine signifikante Anzahl mitziehen zu können.

Doch wie kommst du auf die Idee, dass Permakultur ein Imageproblem haben soll? In der Schweiz - anders als etwa in Oesterreich - ist die Permakultur noch kaum bekannt. Folglich hat sie noch gar kein Image, und wir haben noch die Chance, sie bekannt zu machen. Als einen ganzheitlichen und nachhaltigen Ansatz zur Planung menschlicher Aktivitäten, aber auch zur nachhaltigen Verbesserung bestehender menschgemachter Anlagen.

Falls du die von dir verlinkte Kritik von Sharon Astyk zur Begründung hinzuziehst, so meine ich, dass ihre Sicht sich stark auf die USA bezieht. Zum Teil auch noch Kritik an Verhaltensweisen der 68-er. Allfällige gruppendynamische Verhaltensweisen sollen wir besser vermeiden, die sind aber nicht an die Permakultur gebunden.
Matti @ 04.08.2009 14:33 CET
Ich wundere mich immer wieder, warum man eine rationale Idee überhaupt vermarkten muss. Wir sind als Gesellschaft wirklich an einem Nullpunkt angelangt. Exit-Strategien sind gefragt und weniger ein Exponieren in einem verständnislosen Umfeld.
Reto Stauss @ 06.08.2009 07:32 CET
@Daniel: schon richtig, Sharon Astyks Kritik bezieht sich vor allem auf die Szene in den USA. Permakultur existiert tatsächlich kaum in der öffentlichen Wahrnehmung hierzulande, meine Bemerkung bezog sich eher auf Deutschland, wo einzig (für mich wahrnehmbar) Jascha Rohr mit seinem Institut für Partizipatives Gestalten Antworten jenseits von Gartengestaltung sucht.

Und falls Du an den Permakultur-Tagen am Bodensee warst, wirst Du mir vielleicht zustimmen, dass der "ganzheitlichen und nachhaltigen Ansatz zur Planung menschlicher Aktivitäten" (wie Du sehr treffend schreibst!) im Vorgestellten eher kurz kam und man die Teilnehmer fast durchs Band in den Topf "Alternative" werfen konnte (in welchem ich mich durchaus wohlfühle übrigens).

Wenn ich mir vorstelle, dass ein Pressevertreter da gewesen wäre, dann kann ich mir lebhaft vorstellen, welche Art von Bericht daraus entstanden wäre und dann hätte Permakultur - auch bei uns - ein "Imageproblem".

@Matti: warum man eine rationale Idee vermarkten muss? Weil wir keine rationalen Wesen sind. Und ja, Exit-Strategien brauchen wir tatsächlich, aber diese sollten das gesamte Umfeld mit einbeziehen, auch wenn es - im Moment - verständnislos ist.
Daniel @ 07.08.2009 09:00 CET
Hi Reto

Permakultur hört sich wohl für viele Deutschsprachige seltsam und fremd an, da es ja ein angelsächsischer Begriff ist. Aber es ist ja schön, dass Kultur bei uns wenig auf Acker und Garten bezogen, sondern grösser gedacht wird. Genau das ist wesentlich, dass wir Permakultur zwar im eigenen Garten beginnen, aber dennoch grösser denken, wie es offenbar Jascha Rohr tut.

An den PK-Tagen am Bodensee war ich zwar nicht, aber ich habe die bunte Mischung der Leute an PK-Kursen bei Beat Rölli und Kurt Forster/ Lorenz Kunz kennengelernt. Alle drei sind fähig, grösser zu denken und vermitteln es auch. Insofern ist also durchaus Entwicklungspotential vorhanden, übrigens auch bei Teilnehmern. Doch war es vielleicht gut, dass noch kein Medienvertreter dort war.

@Matti: Vermarkten ist mir etwas zu grob, ich denke eher, gute Ideen soll man auch ausstreuen, damit sie vielleicht ab und zu auf fruchtbaren Boden fallen. Ein Blog wie dieser ist ja auch ein Ausstreuen. Wer allerdings als Permakultur-Designer tätig sein will, muss sein Angebot schon auch aktiv vermarkten.
Matti @ 10.08.2009 23:54 CET
@Reto
Ich dachte dabei eher an gesunden Menschenverstand, der muss ja nicht unbedingt rein rational sein... :)
Matze @ 27.08.2009 13:28 CET
Also meiner Meinung nach hat nicht nur das Thema:"Permakultur" bei uns ein Image-Problem, sondern immer noch die ganze Öko-/Bio-Community...ob sich das in naher Zukunft ändern wird wage ich zu bezweifeln!
Alex @ 03.09.2009 00:56 CET
Ich glaube leider nicht daran, dass es einen wie auch immer geartetes positives Umschalten zu einem besseren Umgang mit der Energie geben wird.

Für schleichende Probleme hat das System Mensch ja bis jetzt eigentlich immer die gleiche Lösung gefunden: das Problem ignorieren. Ein grauer Star, der sich im Laufe von vielen Jahren herausbildet, wird geleugnet bis zur Blindheit.

Und dann noch die Politik. Man stelle sich im gleichen Bild vor, ein schleichend Augenkranker geht zu zwei politischen Ärzten. Der eine sagt: wird schon nicht so schlimm werden. Der andere schlägt Alarm und fordert anstrengende Konsequenzen. Welchen Arzt wird die Mehrheit auswählen? Ich vermute doch, den Beschwichtiger.

Anders wird's dann erst bei der Blindheit. Aber dass es so schlimme Symptome gibt, ist ja durch den fossilen Energieverbrauch gar nicht zu erwarten; schlimme Symptome für uns, wohlgemerkt. Einfach gesagt gibt es doch heute schon so viele Flüchtlinge auf der Welt, dass ein paar mehr von untergehenden Inseln gar nicht mehr ins Gewicht fallen werden...
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