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Mehr als nur ein Ding

Nicht nur über den Wert von Dingen lässt sich in unserer Wegwerfgesellschaft nachdenken, sondern auch über deren Sein: was sind Dinge eigentlich? Natürlich Materie. Aber ist da noch mehr? Abgesehen von der sentimentalen Verstrickung hat der Hobel, welcher mir mein 91-jähriger Grossvater letzte Woche mitgegeben hat, ein paar Gedanken losgetreten. Er hat das Werkzeug zum Abschluss seiner Lehre als Schreiner erhalten, damit gearbeitet und so Sorge getragen, dass es weiterhin verwendet werden kann.

70-jähriger HobelDinge können uns also problemlos überdauern. Sie können über Generationen weitergegeben werden. Wie das früher auch oft geschehen ist. Aber heute? Die Qualität und Lebensdauer von Vielem ist so gering, dass wir es als normal anschauen, dass wir Sachen nach ein paar Jahren einfach ersetzen. Auf die Nachhaltigkeit der Industrie dahinter brauche ich an dieser Stelle nicht weiter einzugehen, aber mit Wegwerfen ist nicht nur Verlust von Materie verbunden.

Sondern auch eine Geschichte. Und eine Beziehung. So blöd es klingt: aber wer hat nicht schon mit Bedauern etwas weggeworfen?

Und noch was: ich glaube, wir können es uns schlicht nicht leisten, schlechte Qualität zu kaufen. Auch wenn wir uns dadurch vieles nicht leisten können.

Kommentare (7)  Permalink

Kommentare

Stephan @ 05.05.2009 16:30 CET
In diesem Sinne kann man auch das Wegwerfen von Landschaften oder Naturräumen verstehen. Dazu poste ich auch noch etwas.
M.Wehning @ 07.05.2009 20:34 CET
Man könnte nun anfangen, das in diesem Sinne "optimale Produkt" zu charakterisieren, also z.B.:
1. hohe Qualität und Haltbarkeit des "Dings"
2. Design, das sich an Funktionalität orientiert, nicht an Modewellen
3. Ersatzteile lange erhältlich
4. Grundbestandteile möglichst leicht austauschbar usw.

Aber das ist wohl auch nur ein Teil der Wahrheit. Denn es gibt auch Beispiele von Dingen, die ich gekauft habe und sehr selten gebraucht habe, wo es Quatsch wäre, ein super qualitatives Gerät zu kaufen.
Oder es gibt Zielkonflikte (etwa zwischen Preis und Leistung, zwischen dem, was es nun mal im Baumarkt gerade gibt und dem, was ich über ewig lange Recherchen auftreiben könnte usw.)
Letztlich bleibt also, dass Kaufentscheidungen immer auch Willensäusserungen sind, gut ist, dass wir uns klar machen, ob wir diese auch mit allen Konsequenzen mittragen (Beispiel "billiges Fleisch", viel zu leicht mögliche Flug- Fernreisen).
Gerry @ 24.05.2009 16:44 CET
Wie M. Wehning bereits sagt, gibt es viele Dinge die gekauft und dann eigentlich wenig oder gar nicht genutzt werden. Man braucht sich ja nur mal die Prospekte ansehen, welcher sinnlose Müll teilweise verkauft wird. Ich traue mich wetten, 70 % davon wartet dann im Keller auf die nächste Spermüll-Abfuhr.

Natürlich beeinflussen Modewellen sehr stark unser Kaufverhalten. Sonst könnte die Wirtschaft auch nicht jedes Jahr neue Rekordergebnisse einfahren. In dem Zusammenhang sehe ich in der Wirtschaftskrise auch kein großes Drama, sie war zu erwarten und sollte ein Zeichen zum Umdenken sein. Leid tun mir allerdings die "unschuldigen" Menschen, die das Ausbaden müssen.

Aber zurück zum Thema: Gottseidank gibt es aber auch noch Bereiche, wo die Qualität beim Kauf vorgeht und auch noch lange geschätzt wird. Hier fällt mir spontan der Bereich Trachten-Kleidung ein. Eine Lederhose überdauert gern Generationen und wurde früher auch in der Familie weiter gegeben. Eine handgenähte Lederhose hat man sein ganzes Leben, da sie auch den "Jahresringen" des Menschen angepasst werden kann bzw. sich auch bis zu einem gewissen Grad auch selbst dehnt ;-)
Michael Maag @ 25.05.2009 12:35 CET
Zumindest aus den USA gibt es da ja Statistiken: so wird bei Story of Stuff gesagt, dass dort 80% der gekauften Dinge nach nur ein paar Monaten bereits wieder im Müll liegen.
Gerry @ 25.05.2009 14:32 CET
Na bitte, da bin ich ja mit meiner "vorsichtigen" Schätzung sogar noch darunter gelegen - zumindest was die USA betrifft. Ich denke, wir sind nicht weit davon entfernt - Erschreckend!
Eike @ 18.06.2009 08:59 CET
Ein wunderbarer Satz:

"Und noch was: ich glaube, wir können es uns schlicht nicht leisten, schlechte Qualität zu kaufen. Auch wenn wir uns dadurch vieles nicht leisten können."

Unser Wirtschaftssystem lebt von 2-3% jährlichem Wachstum. Durch einfaches Rechnen erkennt man schnell, dass das nicht tragfähig sein kann. Also muss ein Überangebot nutz- und wertloser Waren eine Umatzsteigerung bewirken, gibt es doch nur wenige echte Bedürfnisse.

Oder: wer springt denn mal in einen nahegelegene See oder Fluss, geht im Wald spazieren oder legt sich einfach ins Gras - nein das geht doch nicht, dafür allerdings gibt es Wellness-Angebote "en masse".

Konsum kommt vom lat. "consumere"
ver-brauchen, ver-zehren bzw. ver-schwenden.

Das ist kein Ge-brauch, also kein benutzen unter gleichzeitigem Erhalt. Hier liegt das Problem. Gutes, sinnvolles Ding überdauert.
A.Poensgen @ 16.08.2009 15:49 CET
Ein Thema,dass mich mehr und mehr beschäftigt, denn nicht nur, wenn man so oft umzieht, wie wir es getan haben: Besitz ist auch Belastung und Hemmschuh.
Aus meiner Familie stammte der Spruch "Leb immer so, dass Du mit einem Koffer in der Hand fortgehen kannst, hänge Dein Herz nicht an Dinge". Viele der Verwandten in Deutschland haben es kriegsbedingt tun müssen, sie konnten fast nichts mitnehmen bei ihrer Flucht aus dem Osten. Ich habe immer bewundert, dass nie klagend gesprochen wurde über den Wohlstand den man verloren hatte. Was für alle schwer war, war der Verlust von Heimat oder von Menschen, die Härte des Wiederanfangs nach dem Krieg mit noch kleinen Kindern und ohne Väter. Aber die verlorenen Dinge waren nicht wichtig.
Ob wir das heute noch könnten?
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