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Die 3. Stufe

Nach dem Wochende beschleicht mich das Gefühl, dass Jascha Rohr an was dran sein könnte. Zusammenarbeits- und Organisationsformen, wie wir sie heute in Unternehmen kennen, machen Menschen schlussendlich kaputt, funktionieren aber in Bezug auf Zielerreichung relativ gut. Diese Stufe 1, wie sie Jascha Rohr nach einem Modell des Therapeuten David Deida (eigentlich für bezogen auf Partnerschaften) bezeichnet, ist geprägt von Hierarchie, starren Rollen und einer mehr oder weniger klaren Aufgaben- und Kompetenzverteilung. Abläufe erfolgen von der Zielsetzung bis zur Erreichung möglichst linear.

Gemeinschaftsprojekte, Kommunen, Ökodörfer versuch(t)en es besser zu machen: auf Stufe 2 herrscht Konsens, Gleichberechtigung, Hierarchielosigkeit, verteilte Verantwortung. Aber damit auch Überforderung, Kleinmacherei, Erfolgslosigkeit. Kommunikation, Austauch ist wichtiger als Resultate. Menschen werden nicht kaputtgemacht, sondern sie machen sich selber kaputt.

Wie könnten sich die positiven Eigenschaften beider Stufen kombinieren lassen?

  • Gleiche Augenhöhe statt Hierarchie oder Gleichberechtigung, d.h. Menschen wertschätzen einander ungeachtet der Funktion und ungeachtet, ob alle die gleichen Kompetenzen haben resp. ausüben.
  • Potentialentfaltung statt starre Rollen oder Gleichmacherei. Jeder bringt sein Potential ein und hilft den anderen, ihr Potential einzubringen.
  • Jede übernimmt so viel oder so wenig Verantwortung resp. Risiken, wie er kann und möchte.

Entscheidend für das Funktionieren von Organisationen in der dritten Stufe wird das Bewusstsein und die Haltung der Partizipateure sein. Die Umsetzung in die Praxis exisistiert erst in Ansätzen, aber Jascha Rohr ist nicht der Einzige, welcher in diese Richtung arbeitet: David Pollards Natural Entrepreneur scheint mir sehr nahe verwandt zu sein.

[Update]

05.05.2009: Jascha Rohr hält am 15. Mai einen Vortrag (mit "Dialog") zum gleichen Thema im selfHUB in Berlin.

11.01.2010: Gernot Pflüger leitet seit 19 Jahren eine Firma, die gänzlich anders organisiert ist: ohne Chef und ohne Hierarchie, mit einer demokratischen Beteiligung der Mitarbeiter an den Entscheidungen, totaler Transparenz aller Vorgänge und einem Einheitsgehalt für alle. Kurzum: als Wirtschaftsdemokratie. Auch "So eine Art kategorischer Imperativ".

Kommentare (3)  Permalink

Kommentare

roland @ 05.05.2009 10:00 CET
da fällt mir doch gleich der Begriff Soziokratie ein.
Reto Stauss @ 05.05.2009 10:57 CET
@roland: ahja, interessant. Gleich mal auf die Reise schicken ...
Matti @ 05.05.2009 13:17 CET
In Gruppen bewährt sich sicher ein halbdemokratisches System. Ein Anführer / Ältester mit einem Vetorecht der Gruppenmitglieder (ab einem bestimmten Anteil 2/3 oder 3/4).

Ohne klare Führungsstruktur funktioniert nichts auf Dauer. Hat sich übrigens auch bewährt in der Geschichte. Diese Evolution spricht für die autoritäre Struktur.
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