BlogBilderBücherDossiersSuchenSchlagworteÜberKontakt
Kulturelle Revolutionäre

Kategorien

Schlagworte

Permakultur

Heizen mit Holz

Eigenbau

Barthühner

Selbstversorgung

mehr ...

Zum Thema

Gerne gelesen

.ch Blogger

Login

Der Sinn von alledem

Einem Tag wie diesem vermögen 350 Seiten nur wenig Widerstand entgegenzusetzen: arbeits-, kinder- und sonnenfrei. Auch sonst bar jeglicher Zwänge. Abgesehen vom Feuern, das sich aber wohltuend gegen Lesesteifigkeit auswirkt.

Winter draussenBoyles rechnet in "Ein Freund der Erde" gnadenlos mit Natur-Romantik auf: Tierfreunde werden von Löwen gefressen, Baumbesetzer fallen von den Plattformen, radikales Sammlerleben in den Wäldern endet desillusioniert mit Hunger. Sabotage an Waldkahlschlägern führt in den Knast, Umweltbewegungen korrumpieren, je stärker sie ins System eingebunden werden.

Seine Sicht auf die Zustände in der Welt in zwanzig Jahren und die Anstrengungen eines Öko-Radikalisten (um nicht zu sagen Terroristen) und seiner umweltbewegten Entourage, welche er in gewohnt virtuoser Sprache schildert, sind pessimistisch.

Trotz allem hinterlässt das Buch ein Gefühl, dass sich das Leben trotz der Machtlosigkeit gegenüber Entwicklungen, welche ausserhalb unseres Einflussbereiches liegen, mit allen Mühen und Leiden lohnt. Nur schon, um am Ende zurückzublicken und Keime der Hoffnung zu sehen.

Im Gegensatz dazu wirkt "Das Tahiti Projekt" von Fleck eindimensional und bemüht bildend. Trotz idyllischer Utopie (welche sogar mehrheitlich auf bereits existierenden Material- und Technologie-Entwicklungen basieren) kommt das Szenario wenig Glaubwürdig rüber. Immerhin bemerkenswert sind Erlöser- und Weltregierungs-Fantasien, die so abwegig nicht erscheinen.

Nein, Fleck habe ich nicht heute gelesen. Und nochmals nein, das wenigste, was ich an Prosa lese, hat mit obigen Themen zu tun. Und von Boyle geht alles.

Ähnliche Beiträge:
Eine Reparaturanleitung für die Schweiz
Wir Klimaschwätzer. Oder die verdammten Schweizer Miesmacher.
Neustart Schweiz: Vernissage in Bern
Peer-Produktion als dritter Weg?
Kommentare (3)  Permalink

Kommentare

Stephan @ 15.12.2008 08:39 CET
Habe ich das richtig verstanden, dass nur die (Um-)Gestaltung des bisherigen Systems lohnt und Aussteigen nix bringt? Das wäre ja an sich nichts neues, entledigt man sich doch als Aussteiger seiner Geschichte und Mitkämpfer (plus deren Kreativität).
Reto Stauss @ 15.12.2008 10:20 CET
@Stephan: wir sprechen hier bloss von Romanen in unterschiedlicher Qualität. Daraus auf reale Möglichkeiten oder Wege zu schliessen, ist mindestens heikel. Bei Flecks Utopie geht es nicht ums Aussteigen, sondern das Umgestalten einer Inselgesellschaft. Ob das Szenario inhaltlich Sinn macht, ist eine Sache (IMHO durchaus), aber die Schilderung ist verglichen mit Boyles Sprachvirtuosität wenig packend.
Stephan @ 15.12.2008 20:20 CET
Es soll ja auch schon vorgekommen sein, dass die Realität die Fiktion eingeholt hat. Und der Künstler setzt sich ja manchmal wirklich tiefgründig mit seinem Stoff auseinander.
Keine (weiteren) neuen Kommentare erlaubt.