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Vom Konsumenten zum Prosument

Als Konsument zu leben bedeutet, sich alles, was es zum Leben braucht, zu kaufen, egal ob im Supermarkt oder im Laden an der Ecke. [...] Durch diesen Lebensstil konsumieren die Verbraucher, die nur 27 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen, 80 Prozent der Naturressourcen, die eigentlich für alle Menschen zur Verfügung stehen.
Zitat aus "All we need - Die Welt der Bedürfnisse"

Die Bezeichnung Verbraucher charakterisiert die Problematik dieses Lebensstiles treffend: Konsumenten verbrauchen Rohstoffe, Energie, Einkommensgefälle. Und mit dem heutigen (ständig wachsenden) Anteil an der Weltbevölkerung passiert dies in unverträglichem Mass: Konsumenten essen Erden auf. Der Earth Overshoot Day grüsst mittlerweilen bereits aus dem September.

Wie aber kann der Verbrauch von Rohstoffen und Energie gesenkt werden? Auf drei Arten:

  • Kosumverzicht: taugt als Lösungsansatz aus verschiedenen Gründen nur teilweise (Stichwort: Rebound-Effekt). Aber letztendlich ist klar, dass der Verbrauch von bisherigen Produkten heruntergefahren werden muss.
  • Strategischer Konsum: man kann Produkte kaufen, welche weniger Energie und Rohstoffe verbrauchen (siehe auch "Klimafreundliche Produkte"). Allerdings vermute ich, dass sich durch einen konsequent kostenwahren, ökologischen und sozial fairen Standard Produkte sehr stark verteuern, was aber schlussendlich auch nur wieder logisch ist.
  • Prosumieren: ein Teil der Bedürfnisse wird nicht mehr durch Konsum abgedeckt, sondern durch Eigenproduktion. Durch verringerten Maschineneinsatz, reduzierte Automation und den wegfallenden Transport verkleinert sich der Energieverbrauch automatisch.

Wieder zum Prosumenten (über das Verständnis von Toffler hinaus) zu werden, hat verschiedene weitere positive Aspekte: reduzierte Lohnabhängigkeit, Stärkung der lokalen Krisenfestigkeit (Stichwort: Resilient Communiy) und ein verstärktes Bewusstsein für den Wert von Dingen, welche wir brauchen, um unsere Bedürfnisse zu decken.

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Kommentare (15)  Permalink

Kommentare

Thomas @ 15.12.2008 14:02 CET
Hallo Reto

Das ist lustig, ich hab mir heute morgen genau die gleichen Gedanken gemacht. Teileweise sicher angeregt durch die Kontextsendung von heute über das vor 30 Jahren erschienene Buch "Wege aus der Wohlstandsfalle":
http://pod.drs.ch/mp3/kontext/kontext_200812151000.mp3

Für mich gibt es vor allem zwei Strategien, mit denen der Verbrauch von Rohstoffen und Energie gesenkt werden kann:

- Die Wahl des Lebensstiles. Ich lebe z.B. seit einiger Zeit in einem Cohousing Projekt http://www.derlebensraum.com und merke, dass mir diese Lebensform nicht nur zusagt, sondern meinen Resourcenverbrauch auch erheblich vermindert.

- Die Hoheit über die notwendingen Güter von den denjenigen Konzernen zurückzuerobern, die an den Bedürfnissen der Welt vorbeiproduzieren. Dazu kann durch mehr Subsistenz (Eigenarbeit) einen Beitrag leisten. Es braucht aber auch Konzepte, die darüber hinausgehen. Ich hoffe mit dem Projekt "Projektonauten" dazu langfristig einen Beitrag leisten zu können.
Peter @ 15.12.2008 14:21 CET
Auf jeden Fall gehören die von Dir genannten drei Punkte alle zusammen bzw. gehen sie ineinander über. Wobei ich den Begriff "KonsumVERZICHT" auch etwas unglücklich finde, suggeriert er doch irgendwie, dass einem etwas vorenthalten wird, man sich quasi aus reiner Großherzigkeit etwas versagt, das einem ansonsten zusteht. Tatsächlich wären viele Dinge, die man so kauft, problemlos verzichtbar, und zwar ohne, dass man es merken würde, so dass man nicht wirklich von einem VERZICHT reden kann.
Eine Bekannte von mir beispielsweise kauft andauernd irgendwas ein, ihre ganze Küche quillt über vor Töpfen, Pfannen, Plastikbehältnissen für jeweils ganz bestimme Zwecke - wenn da die Hälfte der Sachen verschwände, würde das ihre Lebensqualität sicher nicht einschränken, dafür hätte sie wieder Platz in der Küche. :-)
Michael Maag @ 15.12.2008 14:57 CET
@ Peter: Das Problem ist, dass Deine Bekannte den dann vorhandenen Platz sofort wieder mit "Töpfen, Pfannen, Plastikbehältnissen für jeweils ganz bestimme Zwecke" füllen würde - Diese Häufen an Zeug sind eben nicht das Problem, sondern das Symptom.

Hier wäre ein Konsumverzicht das richtige, ich stimme aber zu, dass das Wort "Verzicht" zu negativ belegt ist.
Für den Lohas gibt es schon den "Strategischen Konsum", für den Lovos braucht es noch etwas, was das "voluntarily", die Freiwilligkeit des einfachen Lebens ausdrückt.

@ Reto: Das wäre ein Beispiel für die Suche nach positiven Formulierungen, um den "historische Baustoffe-Drive" in die Diskussion hineinzubringen...
Reto Stauss @ 15.12.2008 15:12 CET
@Thomas: die Sendung habe ich nicht gehört, danke für den Hinweis. Habe noch nicht ganz verstanden, inwieweit sich CoHousing mit Konzepten wie Siedlungsgemeinschaften à la KraftWerk1 decken, aber natürlich ist verdichtestes Wohnen wie auch in Neustart Schweiz unerlässlich für einen kleinerer Fussabdruck.

@Michael: bezüglich "historische Baustoffe" -> jetzt reicht das Material dann langsam für einen Beitrag ;-).
Thomas @ 15.12.2008 17:29 CET
@ Reto
Da gibt es im Prinzip keinen Unterschied nur - glücklicherweise - ein grosses Spektrum von Möglichkeiten. Von verdichtem Wohnen in energieoptimierten Bauten, über Cohousing (in dem zum Beispiel - wie in unserem Fall auch mehrmals die Woche gemeinsam gekocht wird und einzelne Bewhoner grosse Gärten haben) bis zu Oeko-Dörfern mit mehr oder weniger Subistenz-Wirtschaft kann jeder/jede seinen/ihren Lebensstil wählen.

Ich habe einfach bemerkt, dass ein "kleines Dorf" - es leben bei uns rund 50 Erwachsene und 20 Kinder - mit einer bestimmten Kultur, automatisch zu einem ökologischeren Lebensstil beiträgt. Ganz ohne zwangshaftem Konsumverzicht. I

Ich wollte das einbringen, weil ich immer wieder höre, wir müssten unser Verhalten ändern und dass sei ja so unendlich schwer. Ich finde den Lebensstil zu ändern (ob Kraftwerk 1 oder Lebensraum) ist da viel einfacher und erfolgsversprechender. So beobachte ich auch das die Kids hier viel weniger auf Gameboys und den ganzen Kram abfahren und das ganz ohne Zwang.
Peter @ 16.12.2008 13:22 CET
@ Michael:
Ich weiß nicht, ob das mit der "Freiwilligkeit des Verzichts" wirklich das ausdrückt, was dahinter stehen KANN - denn es impliziert ja doch immer noch, dass jemand sich eigentlich wünscht, dies oder jenes zu kaufen, dann aber (freiwillig) zu sich sagt "Ach nee, ich brauch's ja eigentlich nicht, also lasse ich es mal im Regal liegen.". Bei mir z.B. ist es schon seit einiger Zeit so, dass ich gar nicht auf die Idee komme, meine Freizeit mit "Shopping" zu verbringen oder mir einen Kick dadurch zu holen, dass ich mir was Neues kaufe. Die Entkopplung von Konsum mit Spaß/Glück/gutem Leben (diese Verbindung wird einem beispielsweise von der Reklame eingeredet) ist hier durchaus wichtig.

Was das "einfache Leben" angeht, so ist das tatsächlich ein gewisser Streitpunkt, wenn man mit anderen Leuten darüber spricht, mal weniger zu konsumieren. Dann kommt gerne mal "Ja, willst Du denn in Höhlen leben" oder ähnliches. Schließlich ist es bei der derzeitigen Weltbevölkerung nicht möglich, dass alle auf ihrem eigenen Stück Land leben und sich selbst versorgen. Viele möchten das auch gar nicht (ich bin zum Beispiel gerne Städter und handwerklich komplett unbegabt und von daher sehr froh, dass ich nicht alles selbst machen muss ;-).

Und als wirklich "einfach" kann man mein Leben auch nicht bezeichnen, selbst wenn ich keinen Schnickschnack etc. kaufe - dennoch habe ich einen Mac (6 Jahre alt), ein Auto (14 Jahre), einen Fernseher (14 Jahre) usw. usf. Ich käme jedoch nie auf den Gedanken, eines dieser Dinge einfach so, weil es ein neues Modell mit mehr Funktionen gibt, wegzuschmeißen und was neues dafür zu kaufen. Denn alles, was man kauft, verlangt ja auch Aufmerksamkeit (Einarbeitungszeit!) und Energie von einem und zieht somit Energie von anderen, wichtigeren Lebensbereichen ab.

Von daher hänge ich vermutlich zwischen den Lagern - für einen "einfachen Lebensstil" habe ich zu viele Sachen, für einen "anständigen" Konsumenten kaufe ich viel zu wenig ein :-)
Reto Stauss @ 16.12.2008 15:05 CET
@Peter & Michael: ich spüre hier Potential für zwei Begriffe, welche auf die ominöse Liste kommen sollten: die freiwillige Einfachheit, die für LOVOS und wenig materiellen Besitz steht sowie Konsummuffel, die einfach wenig (nicht gern) einkaufen.
Peter @ 16.12.2008 20:06 CET
Als "Konsummuffel" würfe ich mich auch nicht gern bezeichnen, das klingt so muffelig. :-) Bei mir ist es halt auch so, dass ich wenig Spaß am Einkaufen habe, weil ich genau weiß, welche schädlichen Wirkungen die Produktion vieler Dinge hat (auf Natur, Menschen und Gesellschaft) und ich auch mit meinem Geld nicht irgendwelche dubiosen Großkonzerne unterstützen möchte. Unter Konsummuffel stelle ich mir eher , sagen wir mal, picklige Informatiknerds vor, die halt nur ein Hemd und eine Hose haben, weil sie nie das Haus verlassen. ;-)) Ich habe halt für mich, nach vielen Jahren, auch erkannt, dass Konsum nicht glücklich macht und eine etwaige persönliche Leere nur sehr kurzfristig ausfüllt. [Werbung versucht die Unzufriedenheit der Menschen weiter anzustacheln und sie zum Kaufen zu verführen,weshalb ich die Reklameindustrie auch verabscheue...]

Vermutlich ist es einfach so, dass, egal welche Schubladen man erfindet und womit man sie beschriftet, sie alle immer nur zum Teil auf konkrete Menschen zutreffen. Letztlich ist es ja auch egal, welcher Gruppe man zugeordnet wird, sofern man sich bemüht, mit seinem (Konsum-)Verhalten wenig Schaden anzurichten. Gleichzeitig kann man dann ja auch im Bereich alternativer Produktionen, alternativer Produktionsweisen etc. aktiv sein. Denn bewusster Konsum ist halt nicht alles.
Michael Maag @ 16.12.2008 20:09 CET
@ Peter: darum hatte ich mich ja vor der direkten Wortkombination "freiwilliger Verzicht" gedrückt, denn ein Verzicht ist immer negativ belegt.
Du hast beschrieben, dass ein Nicht-Konsumieren für dich eben keinen Verzicht darstellt, und auch nicht als Einschränkung empfunden wird.
Reto´s "freiwillige Einfachheit" trifft an sich ganz gut und ist ja auch die direkte Übersezung in "Lifestyle of voluntarily sumplicity". Dennoch habe ich noch ein flaues Gefühl beim Wort "Einfachheit", denn irgendwie schwingt da immer noch ein bisschen Rückschritt und Einschränkung mit. Da darf noch etwas strahlenderes her.

Der "Konsummuffel" ist auch ein nicht so schöner Begriff, wobei es auch schwierig ist, das etwas positiver zu beschreiben. Konsumverweigerung trifft es nur zum Teil (und klingt auch wieder sperrig und halsstarrig).

Was den meisten Begriffen fehlt, ist die Ausstrahlung, dass diese positiv, angenehm, und wohltuend (für die Erde, unsere Mit-Lebewesen und das Gewissen) sind.
LOHAS zeigt das ganz gut; wer will denn nicht gesund und nachhaltig leben?
Reto Stauss @ 16.12.2008 21:42 CET
@Michael: Konsumquerulant ist leider auch nicht gerade positiv besetzt ...
Michael Maag @ 16.12.2008 22:46 CET
Konsumquerulant! ... aber Hallo, Klasse! Gefällt mir!
Peter @ 18.12.2008 21:55 CET
Wie wär's mit Konsumweiser? :-) Oder Konsumwaise... Oder Konsumknicker.
Michael Maag @ 19.12.2008 14:01 CET
Mit Worten kann man Bilder malen - sehr schön von Peter beschrieben, was für ein Bild er beim Wort "Konsummuffel" vor Augen hat. [... Unter Konsummuffel stelle ich mir eher , sagen wir mal, picklige Informatiknerds vor, die halt nur ein Hemd und eine Hose haben, weil sie nie das Haus verlassen. ;-)].
Für mich (und heute) wähle ich mal das Bild des Suppenkaspars: "Suppe? mir doch egal."

Bei "Konsumverweigerer" steht mir ein Bild eines Menschen, der sich verschließt und den Kopf schüttelt, vor Augen, der klassische Suppenkaspar: "Nein, meine Suppe mag ich nicht!". So möchte ich mich nicht darstellen oder sehen.

"Konsumkritiker" - das wäre eine Möglichkeit: kritisch, abwägend, vorsichtig, bewußt entscheidend - finde ich ganz gut.("Meine Suppe bitte nachwürzen und heiß servieren!" oder "Ist Suppe wirklich nötig?")

"Konsumquerulant" - die Steigerungsform. Normalerweise ist ein Querulant ja Negativ - aber wenn Konsum ebenfalls unter einem negativen Vorzeichen gesehen wird, greift die Methematik und minus mal minus gibt plus.
Was macht ein Konsumquerulant? Nicht nur dass er Konsum kritisiert, sein Konsum legt sich quer, gegen die Masse.
"Wenn schon Suppe, dann nach meinen Bedingungen!"
Ums nochmal zu sagen: gefällt mir.
M.Wehning @ 26.12.2008 22:53 CET
Was ist denn von dem Begriff des "Asketen" zu halten?
Klingt einerseits ziemlich verkrampft und dürr, aber ich finde, er beinhaltet auch positive Anteile, nämlich z.B.:

1. Asketen richten sich an Zielen aus, die über das eigene Wohlbefinden hinausgehen, sie sehen sich nicht als den Nabel der Welt.
2. Es gibt eindeutig eine spirituelle Dimension, die ich spannend finde.
Asketen irritieren, weil sie durch die Art ihrer Lebensführung deutlich machen: Es gibt Ideen, die sind wichtiger als die Menschen selbst, dadurch erhalten sie m.E. eine besondere Würde.
Aber ich weiss ja, massentauglich ist dies auch wieder nicht...Und was ich davon für mich selbst umsetzen kann/ möchte, steht auch wieder auf einem anderen Blatt.
Reto Stauss @ 05.01.2009 22:57 CET
@Martin: da sind wieder seltsame Zufälle zugange - habe über die Festtage "Die Lust an der Askese" von Reimer Gronemeyer gelesen. Im ersten Teil habe ich praktisch auf jeder Seite was angestrichen ...
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