Klimafreundliche Produkte
climatop vergibt das Label "approved by climatop" an klimafreundlich hergestellte Produkte inklusive Transport. Ja, noch ein Label. Aber wenigstens eines, welches endlich Auskunft über den (eingeschränkten) ökologischen Rucksack eines Artikels gibt. Also bräucht man jetzt nur auf "bio", "fair" und "klimafreundlich" zu achten und das Fernziel umwelt- und sozial-verträglicher Einkauf wäre Realität.

Im Moment scheitert dies daran, dass noch wenige Produkte zertifiziert sind (dafür vom grössten Detailhändler der Schweiz - nein, ausnahmsweise nicht von diesem) und es in der obigen Kombination im Moment nur einen Artikel gibt: Rohrzucker. Welcher übrigens trotz langen Transportwegen besser als der einheimische Zucker aus Zuckerrüben abschneidet (Factsheet als PDF).
Aufgefallen:
- Hinter climatop stecken die beiden Non-Profit Organisationen Ökozentrum Langenbruck und myclimate. Erstere ist über jeden Verdacht erhaben und mit hervorragendem Ruf ausgestattet, bei zweiterer orte ich - trotz Nichtprofit-Orientierung - einen leichten Interessenkonflikt, da die Organisation im CO2-Kompensationsgeschäft tätig ist. Man killt sich ja das eigene Geschäft ...
- Das Kriterium zur Vergabe des Labels ist "ein[] deutlich[], i.d.R um mindestens 20% tieferen CO2-Ausstoss als eine relevante Vergleichsgruppe". D.h. im Prinzip können damit auch prinzipiell "schmutzige" Produkte ausgezeichnet werden, solange sie im Vergleich gut abschneiden. Andererseits könnte dies auch zu einem konstanten Klimfreundlichkeits-Verbesserungsdruck führen.
- CO2 ist ja nur eine der Grösses des ökologischen Rucksackes. Für den Verbrauch von Ressourcen resp. den andere Emmissionen wird man auf weitere Labels warten müssen.
Kommentare
Ich glaub ich kriege jetzt dann eine Labelkriese!
Die Labels haben leider so einen üblen Beigeschmack von unserem gängigen Wirtschaftssystem. Und je kleiner die gelabelte Sache, desto unsinniger. Der Detailhändler sollte sich labeln und ausschliesslich Sinnvolle Produkte anbieten. Ach was solls.. wir retten die Welt sowieso nicht mit Labeln....und schon diese Sätze hier sind Zeit und Energieverschwendung.
@Hueb: Sind ja nicht mal 100. Wo liegt das Problem? ;-) Aber das mit dem Labeln von ganzen Sortimenten wäre ganz hilfreich ...
Der Ansatz eines "dynamischen" Labels, das 20% (oder einen anderen Betrag) besser als Durchschnitt ausweist, finde ich sehr sinnvoll. Sonst kommt es schnell zu dem Mist wie bei den Haushaltsgeräten, wo irgendwann eine Energieklasse "doppelplusgut A+++*** mit Fleißbildchen" rauskommt.
Müsste halt regelmäßig aktualisiert oder mit Jahrgang versehen werden. Ausserdem ist, um das Label zu behalten, eine ständige Verbesserung und Optimierung der Herstellung nötig.
Richtig interessant ist das Factsheet. Hier hat man auf Wunsch mal eine Blick in den ökologischen Rucksack, wenn auch nur in den CO2-Teil.
@Daniel: Die Übersicht ist prima! Aber im Prinzip hast Du recht: Viel zu viele verschiedene Labels, die oft fast das Gleiche aussagen.
Labels sind auf jeden Fall ein system-immanenter Lösungsansatz: Das Label macht Umweltschutz bzw. Menschenrechte zu verwertbaren Produkten. An der Tatsache, dass diese Eigenschaften, sobald die Verwertbarkeit nicht mehr gegeben ist, auch keine große Beachtung mehr finden werden, ändert sich dadurch auch nichts. Sie sind also kein Ersatz für grundsätzlich andere Formen des Wirtschaftens. Aber solange die noch nicht real sind, find ich Labels einen sinnvollen Weg, die aktuelle Wirtschaftsform (v)erträglicher zu gestalten.

