Den Nachhaltigkeits-Graben überwinden
Mit der Rückkehr der Sonne und einer Menge Reaktionen wird es Zeit ein vorläufiges Fazit zu ziehen: es gilt Brücken über den Nachhaltigkeitsgraben zu erkennen und zu beschreiten. Patentrezepte gibt es keine, wir können nur weitermachen, im Kleinen und Kleinsten, offline und online, sim Sichtbaren und Unsichtbaren.
Die Anzahl und Art der Kommentare deuten darauf hin, dass die Diskrepanz zwischen Reden und Handeln nicht nur von mir wahrgenommen wird und dass sich viele persönlich und im grösseren Zusammenhang die Frage stellen, warum Veränderungen trotz entsprechender Erkenntnis nicht schneller und nachhaltiger umgesetzt werden. Hier also aus meiner Sicht die Essenz aus Kommentaren, verschiedenen Beiträgen in anderen Blogs und einem Gespräch mit Christoph (wenn eine Chat-Session diese Bezeichnung verdient):
- Angst ist ein starker Motivator, aber auf diesen Knopf wurde in der alten Ökobewegung zu stark gedrückt - mit der bekannten Gegenreaktion der Ablehnung. Niemand fürchtet sich gerne. Der lust- und freudebetonte Weg der Neugrünen (aka LOHAS) ist definitiv zu bevorzugen.
- Persönliche Demotivation (wie übrigens auch das Zeitmangel-Problem) kann durch Selbstmanagement-Techniken überwunden werden. Aber aus meiner Sicht ist es nicht ungesund, Leiden und Unsicherheit zuzulassen und wirken zu lassen. Das Leben ist kein Ponyhof. Träume und Visionen helfen, diese Phasen zu überwinden und werden in diesen geschärft.
- Der Prozess Wissen - Erkennen - Reden - Tun ist ein langwieriger und lässt sich nicht über das dem Menschen inne liegende Beharrungsvermögen beschleunigen.
- Was ausserhalb des eigenen Wahrnehmungskreises liegt, ist nicht inexisitent. Sichtbarmachen kleiner und kleinsten Fortschritte ist Chance und Aufgabe von Off- und Online-Vernetzung, mit dem Potential, Momentum zu erzeugen und Bewegungen anzustossen.
- Kritik bringt Ungereimtheiten an die Oberfläche. Die eigene Position selber zu hinterfragen und offen für Fremdwahrnehmungen zu sein, ist Teil des Veränderungsprozess, der uns ein Leben lang begleitet. Egal, ob wir das wollen oder nicht. Vielleicht kann die Nachhaltigkeitsbewegung dadurch glänzen, dass diese notwendige kritische Auseinandersetzungen nicht unterdrückt wird und so angebracht werden kann, dass sie vom Empfänger keine Abwehrreaktion auslöst ... aber ich weiss, ein Minenfeld. Und eine zutiefst zwischenmenschliche Sache.
- Radikale Ansätze mögen im kleinen Umfeld rasche "Resultate" bringen, bergen aber fast immer die Gefahr, dass sie abgelehnt werden, weil sie unsere Position sehr stark in Frage stellen. "Liebevolle" Kompromisslosigkeit wäre vielleicht ein Weg ...
Für persönlich heisst das jetzt: weitermachen.
- Wieder stärker auf das Machbare und Gemachte konzentrieren.
- Authentisch bleiben.
- Nicht in die Blogfalle Bestätigungsbedürfnis tappen.
- Etwas weniger auf den grünen Bereich des langen Schwanzes schauen.
- Weiterhin offene Räume suchen und schaffen, "wo kooperatives Handeln für mehr Nachhaltigkeit ohne Profilierung und Kommerzialisierung einhergeht", nach welchen auch andere auf der Suche sind. Und versuchen, die in Online- oder Offline-Nischen steckenden 1% engagierter Leute zusammen zu bringen.
- Andockfähig bleiben.
Im Grunde interessieren mich weder LOHAS, LOVOS, Schwarzwurzelfanatics, Alt-Ökos (AÖ) noch Softcore-Ökos (SCÖ), sondern engagierte Menschen, welche Reden und Tun zusammenbringen.
Beiträge zum Thema in anderen Blogs:
[Nachtrag] Auch staatlicherseits rätselt man, wie man vom "Vom Wissen zum Handeln" gelangen kann. In zehn Forschungsprojekten versucht man Antworten zu finden.
Kommentare
Reto, der Beitrag rockt - sehr differenziert und viel positiver als der davor. Du weisst die Provokation gut zu nutzen, um Menschen wie mich aus der Reserve zu locken ! Und du inspirierst mich, nachzudenken. Danke dafür.
Unsere Kultur basiert darauf irgendeine Sau durchs Dorf zu treiben, ohne zu fragen wozu man dies tut. Schon lange heißt diese "Wissen". Doch wozu? Jeder weiß fast alles, was notwendig ist. Aber das einzige was hilft ist Bewusstsein und das resultiert aus eigenen Erfahrungen, "hartem" Training und Verantwortung. Solange wir aber immer in die Opferkultur gedrängt werden (und dies völlig unreflektiert aufnehmen und dies so akzeptieren) wird sich einfach wenig ändern.
Da kann ich mich Christoph nur anschließen.
Und es ist (für mich) wichtig, auch mal innezuhalten, einen Schritt zurückzutreten, und sich selbst und seine Umgebung kritisch anzuschauen. Dazu regen mich Deine Beiträge regelmäßig an.
Ebenfalls meinen Dank dafür.
Die Donnerstagslinks, Ausgabe 60. Heute mit folgenden Themen: Reto entdeckt den Nachhaltigkeitsgraben, der Frage wie nachhaltig eigentlich die Euro 08 war, einem frisch aufgesetzten neuen selbstgemachten Glühwein, dem Nachhaltigkeitspreis für...

