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Der Nachhaltigkeits-Graben

Eigentlich ist das, was mir in den letzten Tagen und Wochen aufgefallen ist, kein spezifisches Problem in der Nachhaltigkeits-Sphäre, sondern lässt sich praktisch in allen Lebensbereichen beobachten: Reden und Handeln stimmen nicht überein. Oder anders ausgedrückt: Erkenntnis führt nicht zu entsprechendem Tun. Kleiner Einschub gleich zu Beginn: nicht zu Unrecht vermutet der wache Leser Projektion nach aussen. Man darf also getrost weiterlesen ...

  • Wie kann es sein, dass es da ein Portal gibt, welches "gut" sein will, aber Kompromisse eingeht?
  • Wie kann es sein, dass man online zu Hunderten Freunde hat, aber kaum vor die Türe kommt?
  • Wie kann es sein, dass jedes Jahr 10 Millionen Tonnen Platik in den Meeren landet, sich dort mehr oder weniger abbaut und auf dem Weg dazu alles vergiftet, was dem Prozess in den Weg kommt? Wie kann es sein, dass wir trotzdem jeden Tag in unsere Einkaufwelten fahren und Produkte, welche man eigentlich nicht braucht, plastikverpackt mit nach Hause nehmen?
  • Wie kann es sein, dass es beinahe schon im Boulevard angekommen ist, dass Wachstum eventuell nicht die Lösung, sondern das Problem ist und der Stromverbrauch auch wegen den Privathaushalten trotzdem stärker als das Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum ansteigt?
  • Wie kann es sein, dass Kinder und Erwachsene in anderen Ländern unter hundsmiserabelsten Bedingungen für uns Kleider zusammennähen, Elektronik und Spielzeug zusammenbauen, das bei uns eine gefühlte Lebensdauer von vielleicht einem Jahr hat? Wie kann es sein, dass wir unsere Häuser mit Zeugs anfüllen, obwohl wir wissen, dass nicht das Haben das Wesentliche ist?

Warum führt all dieses Wissen nicht zu Handlungen, um diese Zustände, welche wir eigentlich nicht wollen, zu beseitigen? Warum tritt uns niemand in den Arsch? Warum treten wir uns selber nicht in den Arsch?

All das Geschwätz in unseren schönen Blogs, all die schönen Netzwerke mit vielen, vielen Freunden und schönen Gruppen mit den richtigen Namen. All die Utopien und anderen Wirtschafts-, Gesellschafts- und Lebensentwürfe. Und so wenig im Alltag.

Wo ist das fehlende Glied? Was hält uns davon ab, jetzt aktiv zu werden? Ab sofort nicht nur über all die "guten" Dinge zu schwatzen, sondern sie zu tun?

Dieser Nebel ist zum Verzweifeln. Der indianische Sommer liegt irgendwo da draussen ...

[Nachtrag] Das passt doch gerade irgendwie:

Dennoch werden die globalen Probleme nicht durch «Bewusstsein», sondern durch Taten gelöst. Jedes industrialisierte Land redet vermehrt über den Klimawandel, aber produziert dennoch mehr und mehr CO2. Damit wird der Klimawandel nicht eingedämmt.
...
Probleme wie Klimawandel und Bevölkerungswachstum resultieren aus den Handlungen einzelner Menschen, die am Morgen aufstehen und tagsüber etwas tun – Kinder kriegen oder Auto fahren. Der einzige Weg, um die Probleme zu lösen, ist, wenn die Leute am Morgen aufstehen und dann etwas anderes tun.
...
Aber es gibt da keinen magischen Knopf, den man drücken kann.

Quelle: Dennis Meadows im Interview mit der NZZ

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Kommentare (42)  Permalink

Kommentare

Gerhard Zirkel @ 04.11.2008 14:59 CET
Weil das ein Prozess ist. Am Anfang steht die Information dass etwas falsch läuft. Danach kommt das reine Wissen was falsch läuft und was man tun müsste damit es richtig läuft.

Erst lange danach kommt die wirkliche Erkenntnis das etwas getan werden muss und noch länger danach ziehen wir vielleicht die Konsequenzen.

Das Problem ist, dass wir Menschen erst dann wirklich handeln wenn uns etwas akut bedroht. So lange der Klimawandel, die Waldzerstörung oder das Artensterben noch so weit weg sind, werden sie nicht als Bedrohung wahrgenommen.

Und nicht einmal bei akuter Bedrohung ist wirklich sicher, dass wir handeln. Wie viele Menschen haben denn Probleme ohne die geringsten Anstalten zu machen sie zu lösen? Was sollen diese Menschen denn gegen so gravierende Probleme wie die Zerstörung ihres Lebensraumes ausrichten?

Gerhard
Daniel Huber @ 04.11.2008 18:02 CET
Ich fühle wie Du Reto! Und ich denke wie Gerhard geschrieben hat. Aber Trübsalblasen ist fehl am Platz!

Sich am Positiven Freuen (ja das gibts auch noch), und sich vom Negativen entfernen.

Oder anders gesagt durch den Unterschied die eigene Position erkennen! Und Stück für Stück weiter an der Vision dranbleiben, denn manchmal stehen wir uns selbst im Weg.

(Irgendwie kriege ich das nicht ganz in Worte gefasst aber ich hoffe Ihr versteht mich.)

Daniel
Kai @ 04.11.2008 23:28 CET
Veränderung von einem rücksichtslosen zu einem verantwortungsvollen vorausdenkenden Bewusstsein geht einfach nicht schnell. Fast alle Menschen bleiben ihr ganzes Leben lang im selben Niveau und machen nur ganz minim und langsam Fortschritte.... über Jahrzehnte. Und je tiefer das Niveau, desto länger dauert Veränderung. Meinen Einsatz tue ich nicht, weil ich denke, dass es viel nützt. Solche und die vielen anderen Einsätze bringen die Gesellschaft als Ganzes einfach einen Milimeter vorwärts. Das wir bisjetzt immer so.

Ich kann mir auch vorstellen, dass wir an 2050 ein dunkles Mittelalter vor uns haben, mit Resourcenkriegen und Systemkollapsen und chaotischem Klimawandel und dann nach 200-300 Jahren gewisse Regionen durch Leistungen einzelner Genies und Communities wieder in ein Niveau zurückfinden, das wir heute haben, jedoch auf solarer statt fossiler Basis.

Ich werde nächstes Jahr versuchen das Cradle2Cradle-Konzept bekannter zu machen, da mir dies wirklich ein hoffnungsvoller Weg scheint, der oben stehendes, in meinen Augen ziemlich realistisches Szenario, noch verhindern könnte.
Michel @ 05.11.2008 00:39 CET
Danke für deine wahre Worte. Ich habe genau dies, genau an mir selber festgestellt: Denken ist schön. Handeln ist besser.
Ich habe in "Weder Henker, noch Hopfer" von Albert Camus einen schönen Vorschlag gelesen (ach, schon wieder wissen von aussen), weshalb wir uns vielleicht nicht in den Arsch treten.
Weil uns eines Tages gelernt wurde, dass man keine Fragen mehr stellen darf. Man darf Informationen lesen, aber nicht hinterfragen. Das Ziel muss erreicht werden, egal mit welchen mitteln. Camus bezieht sich dabei auf den Kampf zwischen Kommunismus und Kapitalismus. Dass in diesem Kampf das Mass verloren wurde, die Sachen zu hinterfragen. Wann es genau passiert ist weiss ich nicht. Aber dass wir uns deshalb nicht selber verbessern, weil wir die Fragen gar nicht weiter für uns stellen, sondern, hmm, ja informiert werden drüber.
Reto Stauss @ 05.11.2008 07:26 CET
@Gerhard: natürlich ist Angst die wohl häufigste Motivation, um etwas zu tun. Aber auf dem anderen Weg, dem der Freude, ist die Frage, was es von Erkenntnis zu Konsequenz braucht.

@Hueb: um an einer Vision oder einem Traum dran bleiben zu können, muss man erst eine/n haben ... aber vielleicht hätten wir den ja alle, aber nur die wenigsten nehmen sie/ihn war ... so much noise.

@Kai: Du scheinst das beste Beispiel zu sein für obige Folgerung, Kai, eigengesteuert und -motiviert durch einen Traum ... ohne allzu sehr auf Anerkennung oder Akzeptanz zu hoffen ...

@Michel: einverstanden, zwischen informiert werden und sich Wissen selber zu erarbeiten, liegt ein wesentlicher Unterschied, ein entscheidender sogar. Aber auch selber erarbeitetes Wissen muss nicht zum Tun führen ... oder?
InaMS @ 05.11.2008 08:56 CET
Das ganz konkrete Tun des Einzelnen folgt meist auch nach dem Wissen über die Dinge. Nur ist es mitunter winzig klein und wenig sichtbar. Ich behaupte: Bei den meisten, die sich informieren und hinschauen (Umweltprobleme, soziale Probleme, Ignoranz, Machtmißbrauch, Monetarisierung all dessen, was früher einmal Nachbarschaftshilfe war, Ausgrenzung, Stigmatisierung...) setzt sich ein Prozeß in Gang. Bei mir z.B. ging das sehr stark in Richtung "kritischer konsumieren", mit Strom, Wasser, Papier... sparsamer umgehen, neue Freunde finden. Das kann man sofort umsetzten. Wenn es darum geht, z.B. gemeinschaftliche Wohnprojekte, alternative Formen des Zusammenlebens für sich zu realisieren, so braucht das mitunter viele Jahre, bis aus einer Idee Realität wird, wenn sie nicht sogar wieder aufgegeben wird. Man muß sich ja zunächst auch von Ballast befreien, der da heißen könnte: alte Gewohnheiten, falsche Freunde, die falsche Arbeit, falsche Lebensziele, Prioritäten, der falsche Lebensort... Geht man diesen Weg konsequent, kann das über einen längeren Zeitraum auch finanzielle Einbußen und das Auflösen bisheriger Lebens-Strukturen mit sich bringen, die wiederum das ganze eigentliche "Ausstiegs"-Projekt stark gefährden würden.
Wenn einem das alles bewußt wird, kann es ganz schön "rappeln" in der kleinen bis dahin heil geglaubten Welt. Das macht einfach auch Angst. Anfangen kann man aber letztlich nur bei sich selbst. Ich glaube, es gibt viele Menschen, die sich in solchen "Umbruchphasen" befinden. Nur die Handlungen, die dort passieren, sind so winzig und eben nicht quantifizierbar, dass sie Außenstehenden kaum auffallen. Da kann jemand jahrelang "probieren" bevor er z.B. seine Stadtwohnung aufgibt und im Umland anders leben wird. Sichtbar und quantifizierbar (wir leben nun mal in einer Welt, in der alle alles mögliche ständig messen, wiege und zählen müssen, damit es anscheinend überhaupt existiert) wirds erst am Tag des Umzugs.
frischfisch @ 05.11.2008 11:34 CET
Ich bin auch auf der Suche nach dem Missing Link zwischen der Sensibilisierung, dem Wissen und dann den Taten.

@ Kai: Besonders aufgescheucht bin ich jetzt, weil ich gerade einen Vortrag von Prof. Brauchert über craddle 2 craddle gehört habe und ich nicht verstehe, wie diese Idee die Welt nachhaltig verändern soll. Für mich ist die Idee nur Technik-getrieben und als er Nike als die besten Turnschuhe darstellte - weil so gute Materialien verarbeitet werden - und ich dann fragte, wie es mit den Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter aussieht und seine Antwort war, dass er im sozialen Bereich einfach nix bewegen kann und deshalb das außen vor lässt - da war ich dann ziemlich desillusioniert.

Craddle2craddle mag ein Baustein auf dem Weg sein, viele Menschen werden die Botschaft jedoch falsch simplifizieren, befürchte ich.
Kai @ 05.11.2008 12:25 CET
@frischfisch

Ameisen leben z.B. cradle2cradle. Sie haben insgesamt mehr Körpermasse als die Menschheit, aber sie für den Planeten und das Ökosystem eine wichtige Hilfe, aber keine Belastung. Sie produzieren keine Abfälle, welche nicht von anderen Lebewesen als Nahrung genutzt werden und sie verbrauchen keine Resourcen, die nicht wieder vollständig zur Verfügung stehen nach der Benutzung. Bei der Menschheit ist das offensichtlich völlig anders. Eine vollständige Integrierung der Gesellschaft in die natürlichen Kreisläufe, und wie von Braungart und McDonough vorgeschlagen in einen technischen Kreislauf (praktisch Null Material-/Resourcenverlust) sehe ich darum also grosse Hoffnung. Das hat natürlich auch soziale Folgen, da man dann z.B. keine toxischen Materialien verwendet, welche man dann als e-Waste nach China schickt, damit sie dort "recykliert" werden und alle vergiftet dort.

Klar hat Nike massiv Dreck am Stecken. Ich denke, die Abteilung, welche den Cradle2Cradle-Turnschuh entwickelte hat nicht viel mit der Abteilung zu tun, welche die Ausbeutung von Kindern in Kauf nimmt.

Und was den Missing-Link angeht: Ich denke es ist konstante Wiederholung von Botschaften, tiefe emotionale Berührung (E-Motion bewegt) und eine Begleitung in den Taten, damit die Leute Hürden überwinden können. Das ist kein Quick-Fix. Interessant dazu finde ich die Forschung des ZRM, Zürcher Resourcen Modell. Motivation etwas zu tun, ist umso grösser, je näher man sich dem Ziel glaubt. Vielleicht brauchts darum kleine, machbare Ziele? Das wär eine sehr interessante Diskussion: Neurologie und Überwindung der ökologischen Krise....
Michel @ 06.11.2008 08:28 CET
@frischfrisch
@Kai

Ich finde das Konzept Cradle-to-Cradle auch sehr einleuchtend, und die Stossrichtung ist dadurch wirklich gegeben, insbesondere für technische Elemente.
Vielleicht sollte man jedoch fragen, wie weit diese Konzepte tatsächlich integriert werden. Sony hat seit 5 Jahren eine cradle-to-cradle Strategie, und seit einem halben Jahr auch ein Interview mit McDonough auf der Homepage. Ich habe mich deshalb dafür interessiert, was sie nun als tatsächliche Cradle-to-Cradle Produkte entwickelt haben, und die ernüchternde Antwort war: "Keine solche Produkte vorhanden. Auch keine Information auffindbar".
Würde man diese Designkriterien einhalten würde und nicht nur als Verkaufsargument einsetzen, wäre das Konzept sehr nützlich und theoretisch gut. Ausserdem gibt es auch einige Firmen, insbesondere im Innendesign, welche sich einiges stärker einsetzen als z.B. Sony.
Christoph Harrach @ 06.11.2008 10:19 CET
Lieber Reto,

ich schätze sehr Deine ernsthaften Gedanken und Dein Engagement, DEIN Leben nachhaltig zu gestalten. Und da bist Du sehr nah bei meinem Lebensmotto von Gandhi "Du musst erst selbst die Veränderung werden, die du in der Welt sehen willst!"

Als einer der wichtigsten Nachhaltigkeits-Blogger hast Du neben deinem eigenen Umstellungsprozess eine zentrale Rolle für die Community. Das ist aus meiner Sicht Dein Auftrag mit deinen berechtigten Fragen wir diesen, die Menschen zum Nachdenken anzuregen und aufzurütteln.

Ändern kann sich aber nur der einzelne durch EIGENE Erkenntnis.
Wie heißt es so schön: "Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Bessserung".

Diese Erkenntnis braucht Anstöße von außen wie Dein Tun als Blogger aber vor allem Zeit: Zeit der Reflexion, Zeit für Veränderung. Wir sind Sklaven unserer Gewohnheiten und jede Veränderung birgt grundsätzlich Unsicherheit in sich. Und zudem ist die Zeit der Besinnung knapp in unserer schnellen Gesellschaft.

Ich verstehe Deine Ungedult und Missmut darüber, dass es Menschen gibt, die mehr Reden als Tun und Kompromisse eingehen. Aber Reden ist auch schon mal ein Beitrag - zwar nicht Dein Weg - aber ein Schritt wieder für andere Menschen, sich Gedanken zu machen. Und ich erinnere dich daran, dass Du auch Kompromisse eingehen musst z.B. beim Hausbau.

Ich bin überzeugt, dass vielen Menschen sich in einem guten Prozess der Veränderung befinden. Dieser Prozess ist so individuell, dass wir achtsam sein sollten, in unsere Bewertung, um nicht die Motivation im Kein zu ersticken.

Veränderungen fangen mit Gedanken an, und wir sollten es wertschätzen, wenn sich jemand auf den Weg begibt, auch wenn er noch nicht so weit wie wir selbst sind.

In diesem Sinne danke für Deinen Beitrag und sorry, dass ich auch keine konkreten Antworten parat habe.

Christoph

Ps. Sei auch nicht zu streng mit Dir.
Daniel Huber @ 06.11.2008 10:33 CET
@Christoph

Das hast Du wirklich schön gesagt!
Christoph Harrach @ 06.11.2008 10:52 CET
@ Daniel: Danke :-)

meine Frau ist Pädagogin - das färbt auf einen hardline-Marketing-Typ ab :-)

Naja, nicht nur, denn auch der Yoga in dessen Tradition ich lebe und lehre folgt - ähnlich wie die therapeutischen Ideen meiner Frau - dem ressourcenorientierten Ansatz: In jedem Menschen liegt die innewohnende Kraft der Veränderung, des Strebens nach Gesundheit und höheren Idealen, allerdings meist tief verschüttet durch sozialisierte "Neurosen".

Diese positiven Kräfte möchte ich bei den Menschen wecken und fördern.

Und ich muss aufpassen, wie ich Menschen und deren Bemühen (ab-)werte. Ich ertappe mich täglich dabei, wie ich Dinge und Menschen nach meinem Maßstab bewerte, als hätte ich die Weisheit mit Löffeln gefressen.

Mein Ideal ist es, mich zunehmend davon frei zu machen und so zu wirken, wie es Gandhi tat: Durch Handeln und Inspiration.
vital-Genuss.de @ 06.11.2008 11:46 CET (Trackback)
Eine kleine Sinnkrise zieht durch die deutschsprachigen Nachhaltigkeits- und LOHAS-Blogs. Wir alle würden mehr reden, als handeln. Mich selbst stört es teilweise gewaltig, was an Energie und Zeit in virtuelle Projekte gesteckt wird, die letzt...
Reto Stauss @ 06.11.2008 13:29 CET
@Christoph:
Als einer der wichtigsten Nachhaltigkeits-Blogger hast Du neben deinem eigenen Umstellungsprozess eine zentrale Rolle für die Community. Das ist aus meiner Sicht Dein Auftrag mit deinen berechtigten Fragen wir diesen, die Menschen zum Nachdenken anzuregen und aufzurütteln.

Gedanken über meine Rolle in der Community (welche Community?) mache ich mir eigentlich keine, ich probiere einfach, mich immer weniger zu prostituieren ... aber wenn meine Gedanken hier ein bisschen dazu beitragen, dass jemand etwas mehr selber nachdenkt und etwas eigenverantwortlicher handelt, dann ist mir das recht.
Ändern kann sich aber nur der einzelne durch EIGENE Erkenntnis.
Wie heißt es so schön: "Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Bessserung".

Der heilige Gral: vom Gedanken zur Tat ...
Diese Erkenntnis braucht Anstöße von außen wie Dein Tun als Blogger aber vor allem Zeit: Zeit der Reflexion, Zeit für Veränderung. Wir sind Sklaven unserer Gewohnheiten und jede Veränderung birgt grundsätzlich Unsicherheit in sich. Und zudem ist die Zeit der Besinnung knapp in unserer schnellen Gesellschaft.

Wir haben nur so wenig Zeit, weil wir so stark von aussen gesteuert sind ...
Ich verstehe Deine Ungedult und Missmut darüber, dass es Menschen gibt, die mehr Reden als Tun und Kompromisse eingehen. Aber Reden ist auch schon mal ein Beitrag - zwar nicht Dein Weg - aber ein Schritt wieder für andere Menschen, sich Gedanken zu machen. Und ich erinnere dich daran, dass Du auch Kompromisse eingehen musst z.B. beim Hausbau.

Komme ich irgendwo so rüber, dass ich einen Dreck "besser" bin? Und ich hoffe auch, dass man auch die Selbstironie wahrnimmt, die ab und an hier durchscheint.
Ich bin überzeugt, dass vielen Menschen sich in einem guten Prozess der Veränderung befinden. Dieser Prozess ist so individuell, dass wir achtsam sein sollten, in unsere Bewertung, um nicht die Motivation im Kein zu ersticken.

Gehätschelt wird in der LOHASphäre genug ...
Veränderungen fangen mit Gedanken an, und wir sollten es wertschätzen, wenn sich jemand auf den Weg begibt, auch wenn er noch nicht so weit wie wir selbst sind.

Keine Frage. Aber mich widert substanzlose Selbstproduzierung an ...
Peter @ 06.11.2008 13:58 CET
Ich kann Deine Gedanken auch gut nachvollziehen, Reto. Tatsächlich stelle ich an mir selbst immer wieder fest, dass ich auch in alte Gewohnheiten zurückfalle, wenn ich nicht aufpasse - insbesondere fahre ich noch zu viel Auto, aus Bequemlichkeit (bei DEM Wetter... ;-)...

Andererseits bemerke ich aber auch, dass ich hingegen viele Überlegungen, die ich mir in den letzten Monaten vor allem über Großkonzerne usw. gemacht habe, auch tatsächlich im täglichen Leben umsetze - viele Marken und Geschäftsformen (Discounter) meide ich komplett, und wenn ich jetzt mal irgendwo etwas Billiges sehe, denke ich gleich daran, dass dieser Preis vermutlich durch nicht nachhaltige Produktion und Ausbeutung zustande gekommen sein wird. Und schon bleibt das Zeug im Regal. :-) Wie ich mich ohnehin bemühe, vermehrt meinen Konsum auf WOchenmärkte usw. auszudehnen (das habe ich allerdings teilweise schon immer gemacht)

Ebenfalls merke ich auch, dass dadurch, dass ich diese Änderungen an meine Umwelt kommuniziere, sich auch dort in einigen Punkten Umdenkprozesse ergeben haben - meine Eltern haben plötzlich alles auf Bio umgestellt, da war ich doch bei meinem leetzten Besuch sehr überrascht. :-) Und ich habe mindestens 2 Freunde davon überzeugt, keinen ALdi/Lidl-Fraß mehr zu kaufen und mehr auf den Konsum zu achten.

Durch bewusstes Konsumieren alleine ist aber leider auch nicht alles zu retten, es muss sich einiges Grundsätzliches "im System" und im Denken der Leute ändern, glaube ich. Da ist unser Wirtschaftssystem mit dem Wachstumszwang denkbar ungeeignet - aber es erscheint so übermächtig und komplex, dass viele Menschen komplett verzweifeln und resignieren, statt etwas zu ändern (wenigstens in ihrem kleinen Bereich). Leider weiß ich auch keine Patentlösung, aber ich stelle doch fest, dass jetzt, zur "Finanzkrise" einiges in Bewegung gerät, bspw. auch in punkto Komplementärwährungen etc. (am Montag war ich bei einer Veranstaltung in Kiel, die erstaunlich gut besucht war)...

Ansonsten kann ich dem, was InaMS schriebm auch nur zustimmen!
Ina @ 06.11.2008 17:03 CET
@Reto: kannst Du mal bitte für mich genauer definieren, was Du jetzt mit "substanzloser Selbstproduzierung" meinst?

Ich finde z.B. dass jeder Wandel erst in den eigenen Gedanken passiert und zunächst nicht sichtbar nach außen tritt. Da ist für mich z.B. schon Substanz da. Ich beschäftige mich auch mit der Frage, wie man in Umbruchsituationen Unterstützung finden kann oder als jemand, der hier schon etwas "weiter" ist, anderen Unterstützung geben kann. Meine Gedanken gehen hier nicht in Richtung prof. Coaching! Nur damit ich nicht mißverstanden werde. Ich überlege, wie man es fördern könnte, dass diese beiden Seiten zueinander finden. Aus eigenen Umbruchsituationen und Gesprächen mit anderen ist mir bekannt, dass eine "anders tickende" Familie und bisherige Freunde einem dann nämlich sehr hinderlich sein können. Hier ganz am Anfang auf die richtigen Leute zu treffen ist ein großes Glück und beschleunigt solch einen Entwicklungsprozeß ganz enorm. Wie kann man also in dieser instabilen Phase ein förderndes Umfeld schaffen bzw. finden?
Reto Stauss @ 06.11.2008 17:31 CET
@Ina: mit substanzloser Selbstproduzierung beziehe ich mich auf Unternehmen/UnternehmerInnen, welche sich vor allem ein grünes Image verpassen, Communities, die sich die gerade angesagten Slogans an den Hut stecken, aber in der Motivation bestenfalls undurchsichtig bleiben und auch Individuen, welche sich bei jeder Community anmelden, den relevanten Gruppen beitreten, damit sie dabei sind.

Klar kenne ich die 90-9-1-Regel, aber einfach am "richtigen Ort" mitzulaufen, damit man sein Profil in der Mitgliederliste platziert hat, ist für alle nutzlos, vielleicht sogar schädlich.

Letzteren (da gehöre ich auch dazu, keine Frage, Stichwort Projektion nach aussen) kann man allenfalls zu Gute halten, dass vielleicht auch die Hoffnung besteht, dass etwas aus der Community/Gruppe abfärbt, dass man irgendwann auch selber mal was beiträgt.

Aber in meiner Vision einer erwachten Welt nimmt jederjederjeder Verantwortung wahr und lebt sie ... etwas an dem ich in letzter Konsequenz auch immer wieder scheitere ...
Micha @ 06.11.2008 19:48 CET
Was hält uns ab? Ich kann Dir nur sagen was mich abhält. Mit fehlt die Inspiration was ich noch tun oder wenigstens ausprobieren könnte. Da ist mir die Quelle egal, sogar, dass man sich mit dem ganzen Social Network Kram auf den Markt der Eitelkeiten begibt. Ob sich der wirklich als substanzieller Quell neuer Anregungen erweist, muss die Zukunft zeigen. Ausschliessen will ich es vorher nicht. Wenn es einen Ort gibt, wo kooperatives Handeln für mehr Nachhaltigkeit ohne Profilierung und Kommerzialisierung einhergeht, bin ich sofort dabei. Vor mir aus darf der auch gerne virtuell sein, den realen Ort für die Umsetzung habe ich ja schon. Auch wenn mein persönliches Umfeld die globalen Probleme bisher nicht gelöst und das in Zukunft auch nur mangelhaft bewerkstelligen wird.
Ich stimme Ina da zu, manchmal fällt einem die Veränderung erst auf wenn man sich mit der sog. "Mitte der Gesellschaft" unterhält und deren inneren Stillstand erkennt. Das hilft einem manchmal über den Frust ob der eigenen Inkonsequnz hinweg.
Mein Eindruck ist, dass heute viele Dinge common sense sind, die vor 15-20 Jahren irgendwo in kleinen Kreisen diskutiert wurden und dann ausprobiert wurden. Durch das Netz sind die Kreise grösser geworden. Was mir heute aber fehlt ist die Freude am Experimentieren ohne, dass man 80% der Zeit mit der Entwicklung eines passenden Businessplans verbringt. Vielleicht hänge ich da auch einfach einem Anachronismus nach, dem ich mit dem Web 2.0 Dingens zu entfliehen versuche ;-)
InaMS @ 06.11.2008 20:26 CET
@Reto: Was Du als substanzlose Selbstproduzierung beschreibst, würde ich "Etikettenschwindel" nennen. Gabs immer, ist aber durchschauber, einiges auf den ersten, anderes erst auf den zweiten oder dritten Blick. Je mehr man selbst recherchiert und den Dingen auf den Grund geht, was natürlich wieder Arbeit macht.

Zu "90-9-1" und Web-Communities fällt mir auf, dass oft die Möglichkeiten des Internets falsch verstanden werden. Was soll man den mit xyz Communities, die sich nicht über den eigenen Tellerrand hinaus vernetzen wollen, wo innerhalb der Communities gebloggt werden kann aber diese Blogs sich nicht nach außen öffnen, wo Mitglieder bespasst werden (auch die, die das gar nicht wollen), wo die Usability so grauenvoll ist, dass ein Web-Neueinsteiger, der am Thema der Community durchaus interessiert ist, schon nach kurzer Zeit frustriert aufgibt, wo die Community-Betreiber nur nach Quantitäten streben (denn hohe Klickraten und viele Mitglieder(Adressen) sind für Werbung und Sponsoren interessant), wo Mitglieder hineingelockt und dann eingemauert werden anstatt Gleichgesinnte auch communityübergreifend miteinander in Kontakt zu bringen, Menschen, die sich sonst nicht begegnen würden, weil sie in unterschiedlichen Städten leben aber dennoch ähnliche Gedanken teilen... Das braucht die Welt nicht. Wenn Communities so verstanden werden, hat man die Vernetzungs-Möglichkeiten des Internets bis hinein in den konkreten Offline-Alltag nicht verstanden.

In lebendigen Communities trifft man sich auch mal oder telefoniert, denn nur dabei fangen konkretes Tun und Verändern an. Die Online-Communmities, die es derzeit gibt, sind nur eine Zwischenstation auf dem Weg zum Tun. Komisch, dass sie anscheinend so überbewertet werden. Web-Skeptiker lehnen Online-Vernetzung ja gleich von vornherein ab. Ich glaube irgendwo da mittendrin, zwischen Verweigerung und übertriebener Online-Präsenz (Duftmarken setzen ohne Content) kann man was Sinnvolles mit Online-Vernetzung anfangen.
Michael Maag @ 06.11.2008 21:22 CET
In einem Kommentar zum Gespräch mit Jascha Rohr hat Erwin Zachl ein sehr teffendes Bild von "Unternehmern und Unterlassern" verwendet.

Zusammen mit der 90-9-1 Regel ergibt sich da ein - wenn aus dem zeitlichen Zusammenhang gerissen und unter stimmungstrübenden Nebelschwaden betrachtet - recht düsteres Bild.
90%, die nur reden (die Unterlasser), 9% die nur ab und zu was tun, und nur 1% die tatsächlich aktiv und fortwährend etwas tun und bewegen (die Unternehmer).

Warum zeitlicher Zusammenhang?
Es gibt für Ideen oder Produkte die Phase der early adoptors, also der (ganz) frühen Anwender und Ausprobierer. Diese stellen die 1% dar. Dann gibt es, sobald das praktische und theoretische Wissen halbwegs gesichert ist, die 9%, die regelmäßg daran teilhaben.
Erst wenn sich die Ideen zu Allgemeinwissen und Standardanwendungen entwickelt haben, kommen die restlichen 90% der Leute dazu - im sichern Gefühl sich im bewährten und Risiko-losen zu bewegen.

Ohne die 1% - und dazu gehörst auch Du, Reto - die Dinge tun, hinterfragen, ausprobieren und darüber berichten gäbe es weder die 9%, noch später die 90%.

Da ein "Unternehmer" stets auf der Suche nach neuen Themen ist, ist es auch schwierig, die Weiterentwicklung einer Idee bewußt mitzuverfolgen; denn wenn sich die Idee durchgestzt hat, ist man ja schon lange wieder mit etwas neuem und herausforderndem beschäftigt.

Ein Beispiel aus meiner Historie:
Ende der 70er (war ich also so 12-13) gab es in Peiting (~ 20km von mir entfernt) einen Modellversuch, ob sich das Sammeln von Plastk-Joghurt-Bechern lohnt. Unsere ganze Familie hat gesmmelt, und nach einigen Wochen die gesammelten Werke (waren ein paar große Müllsäcke voll) stolz wie Harry nach Peiting gekarrt. Dort durften wir, nach einer Buchbinder-Wanniger reifen, mehrstündigen Odysse durch Peiting, schlußendlich gnadenhalber unsere Säcke auf einen von den 4 oder 5 Bahnwaggons werfen.
Der Bahnmitarbeiter schaute uns dabei mit einem Gesichtausdruck zwischen "arme Irre" und "völlige Spinner" an. (das war so früh, dass in Peiting noch nicht mal der Begriff "Öko-Spinner" angekommen war).
Und heute? Mülltrennung ist für jeden mit halbwegs Umweltbewusstsein schon lange Normalität.

Darum nicht irre machen lassen, auch wenn es manchmal frustrierend sein kann; vor allem im Zusammenspiel mit Dauernebel. Die Entwicklung wird Ihren Weg gehen.
Peter @ 06.11.2008 23:54 CET
Dass man Utopia Beiträge und Diskussionen nicht von außen verlinken kann bzw. nur Utopia-User diese dann lesen können, finde ich auch sehr beknackt und behindert das Verbreiten guter Ideen und Ansätze ganz immens!
InaMS @ 07.11.2008 08:11 CET
Das Internet sollte ein Mittel zum Zweck sein, um die jeweils in Online- oder Offline-Nischen steckenden 1% engagierter Leute zusammen zu bringen. Wir versuchen mit der Idee von Blogpatenschaften einen dezentralen Ansatz. Blogger nutzen ihre Web-Kompetenz, um z.B. engagierten Menschen aus ihrem konkreten Offline-Umfeld eine Plattform für ihre Ideen zu bieten oder, falls sie es wollen, ihnen dabei behilflich sind, ein eigenens Blog aufzusetzten. Wir versuchen also diese Ideen, die schon vorhanden sind, mit Hilfe der Vernetzungsmöglichkeiten des Internets weiter zu verbreiten. Dazu nutzen wir Wikis, Blogs, Microbloggingsystem und ja auch Communities, Life-Streaming von Veranstaltung und natürlich treffen wir uns auch ganz real und berichten dann darüber, wie z.B. im Rahmen der socialbar.de. Nicht selten verstehen so "richtige Web2.0-er" nicht, was das denn soll mit den Blogpatenschaften. Die Nachricht, dass da irgendwo Blogger A einen Gastbeitrag über die Selbsthilfegruppe X auf seinem Blog veröffentlicht hat, scheint zunächst völlig belanglos zu sein. Auch, dass jemand, der ansonsten nur innerhalb seiner Selbsthilfegruppe über seine Schwierigkeiten mit einer chronischen Erkrankung redet, einen Gastbeitrag auf der offenen Plattform schreibt und so auch mal mit anderen in Austausch kommen kann. Wenn es aber gelingt, dass ein einzelner aus der Stadt x, der sich mit einem ganz speziellen Thema beschäftigt genau den einen aus der Stadt y findet, der ihm nützlich sein kann, macht Internet Sinn, wenn sich beide ansonsten in ihrem Alltag nie begegnet wären. Leider sind solche Ergebnisse, die ich absolut für Substanz (wie wir oben diskutiert haben) halte, nicht im herkömmlichen Sinne messbar.
90-9-1 trifft ja nur auf geschlossene Systeme zu. In einem offenen System geht es ausschließlich um das Finden der jeweiligen 9% oder 1%. Da spielen die 90% gar keine Rolle mehr.
Reto Stauss @ 07.11.2008 08:46 CET
@alle: echt herzlichen Dank für all die wertvollen Rückmeldungen! Und eigentlich müsste ich jetzt ein Forum haben, damit man all die losen Enden hier einigermassen übersichtlich diskutieren könnte ...

@Micha: "Markt der Eitelkeiten" -> gut getroffen!

"einen Ort [..], wo kooperatives Handeln für mehr Nachhaltigkeit ohne Profilierung und Kommerzialisierung ..." -> möglich, wenn die Anreize dies nicht mehr fördern. Oder noch besser: wenn das von der Community abgestraft wird, z.B. einfach durch Ignorieren. Und Kommerzialisierung ist einfach die dunkle, ja perverse Seite der Notwendigkeit, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

Und vielleicht sind das auch keine konkreten, virtuellen Räume, sondern metavirtuell ... Orte, welche immer wieder ändern, nichts Statisches, mit unterschiedlichen Teilnehmern, je nach Kontext (wie zum Beispiel gerade jetzt hier). Dies würde Schutz vor dem "System", vor Kommerzialisierung, vor Vereinnahmung Dritter, usw. bieten. Wichtig wäre einzig und alleine die Reputation, welche plattform-unabhängig on- und offline vorhanden ist.

"Was mir heute aber fehlt ist die Freude am Experimentieren" -> Du meinst, die Möglichkeiten haben, ewtas auszuprobieren, ohne dafür Hungern zu müssen? Das geht nur, wenn Du andere Leute davon überzeugen kannst, Dir diesen Freiraum zu verschaffen ...

@Ina: der Mist ist einfach, dass bestimmte Multiplikatoren eben auch nur an der Oberfläche kratzen, aber dennoch eine ganze Menge Leute erreichen ...

"Mitglieder bespasst werden" -> treffend, hahaha!

"Gleichgesinnte auch communityübergreifend miteinander in Kontakt zu bringen" -> dies wäre aus meiner Sicht die Kernaufgabe der Vernetzungsplattformen. Aber ich bin mir nicht sicher, ob sich dies tatsächlich technisch lösen lässt ...

@Michael: danke für den Hinweis auf Zeugs, das ich selber veröffentlichst habe :-/. Ich sollte öfter mal meine alten Beiträge lesen ...

@Peter: huch, Peter, Du nennst Namen :-).

@Ina: "Das Internet sollte ein Mittel zum Zweck sein, um die jeweils in Online- oder Offline-Nischen steckenden 1% engagierter Leute zusammen zu bringen." Unterschreibe ich sofort. Und den Ansatz, welcher ihr mit den Blogpatenschaften explizit verfolgt, setze ich hier mit "Gesprächen" und Gastbeiträgen ja auch ähnlich um.
InaMS @ 07.11.2008 09:15 CET
Zitat: "der Mist ist einfach, dass bestimmte Multiplikatoren eben auch nur an der Oberfläche kratzen, aber dennoch eine ganze Menge Leute erreichen ..."

-aber dennoch eine ganze Menge Leute erreichen!

Vielleicht müssen wir einander noch mehr in positivem Sinne "benutzen"? Schwarmverhalten, wie es dezentral und ungebremst im Web passiert, ist mitunter so dynamisch, da kommen klassische Marketingstrategen eh nicht hinterher. Bevor die ihre Banner platziert haben, ist der Schwarm schon wieder durch.
InaMS @ 07.11.2008 10:46 CET
Gerade versucht wieder einer, eine Duftmarke bei mir im Blog zu setzen:
http://www.kreative-strukturen.de/2008/09/26/web-20-fuer-chronisch-kranke-eine-chance/#comment-1355
Micha @ 07.11.2008 11:00 CET
Du brauchst ein Blorum oder vielleicht ein Flog ;-)

... "ohne dafür Hungern zu müssen" ... "andere Leute davon überzeugen kannst, Dir diesen Freiraum zu verschaffen"

Das ist natürlich eine Frage wie weit man mit seinen Experimenten geht. Im Tenor von 'richtig oder gar nicht' und 'vorher schon wissen, dass es nicht klappt' kann man natürlich auch alles gleich bleiben lassen.
Ich finde was anderes wichtiger. Was es braucht ist die Bereitschaft zu scheitern und aus dem Scheitern konstruktive Schlüsse zu ziehen. Egal ob das nun eigene Unzulänglichkeiten sind oder der Druck der Gesellschaft. Die Freiräume dafür, schafft man sich zunächst einmal selbst. Darauf zu warten, dass andere das für einen machen, dauert zu lange.
Auch wenn die Metapher der kleinen Schritte langsam ausgelatscht ist. Das ist es worauf es im Endeffekt ankommt, drastische Veränderungen gibt es nur in Krisen. Man darf die kleinen Schritte nur nicht zum Programm machen.
Manchmal hiflt vielleicht einfach der Blick zurück, wie z.B. Michael mit den Bechern. Mein liebstes Beispiel sind Fahrradanhänger und selbst die Solarpanels auf dem Dach gäbe es nicht wenn man damit nicht irgendwann "herumgespielt" hätte. Das Projekt Agrar-Treibstoffe dageben darf man als gescheitert ansehen Aber hey, das was ich beim Umrüsten über Motoren gelernt habe, ist unersetzbar.

... "Notwendigkeit, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten"

Dagegen spricht für mich nix. Mein Bauchschmerz rührt schlicht und ergreifend daher, dass damit der Lebensunterhalt "einzelner" bestritten werden soll. Das Widerspricht meinem Gedanken von "Community". Deswegen bin ich da auch lieber passiver Zuseher, was in letzter Konsequenz natürlich auch nicht dienlich ist. Wie gesagt, kooperative, bei uns hiess das seinerzeit "genossenschaftliche", Ziele und ich bin sofort dabei. Das schliesst für mich Kommerz oder den Lebensunterhalt nicht perse aus.
Reto Stauss @ 07.11.2008 14:07 CET
@Ina: ja, Duftmarkensetzer treten auch hier auf, wobei einer recht beledigt war, als ich den Link auf seine Seite gelöscht habe und "Zensur" geschrieen hat.

@Micha: ich hatte schon mal bei Utopia vorgschalgen, dass man statt Werbung schalten einen Beitrag von den Benutzern verlangen könnte. Und zwar dass jeder soviel gibt, wie die Plattform subjektiv Wert hat für die Person. Oder man hätte es sogar verfeinern können, dass man auch aktive Nutzer einbezieht, welche direkt "bespendet" werden können.

Aber in dieser Hinsicht scheint Utopia an keine Utopie zu glauben ...
InaMS @ 07.11.2008 16:12 CET
Aktive Nutzer einbeziehen und die Spenden dokumentieren, das finde ich eine gute Lösung. Für unsere laufende Blogaktion wurden z.B. 100,-€ gespendet, die sollen nach Ablauf der Aktion je zur Hälfte an ein konkretes Projekt und zur anderen Hälfte an den aktiven Blogpaten gehen, der dieses Projekt unterstützt. Bisher gab es noch nicht sonderlich viel Resonanz. Das mag zum Einen daran liegen, dass viele Leute, die sich wirklich engagieren, Vorbehalte gegenüber Blogaktionen haben. Vielleicht hängt das zum Teil auch mit diesen "Duftmarkensetzern" zusammen. Oder, wer sich konkret engagiert, hat vielleicht auch gar keine Lust und erst recht keine Zeit noch im Internet darüber zu berichten. Aber nicht auszudenken, welche Möglichkeiten größere Plattformen hätten, wenn sie die aktiven Nutzer mit einbeziehen würden.
Martin Wehning @ 07.11.2008 17:08 CET
Ich bin ganz angetan von der Menge und der Tiefe der Kommentare hier!
Ohne alles gelesen zu haben, finde ich die Tatsache, dass dieser Beitrag so viele Kommentare auslöst, bemerkenswert.
Offensichtlich ist dieser Weg (nämlich sehr persönliche Geschichten von sich und der eigenen Denkweise zu erzählen), am ehesten "andockfähig".
Wissen und Handeln würde ich auch gar nicht gegeneinander ausspielen. Beides bedingt einander und ist wichtig.
Hans @ 09.11.2008 18:43 CET
Hallo,
setze mal einen manuellen Link, da der automatische anscheinend nicht funktioniert hat:

http://www.offene-plattform.de/2008/11/09/was-halt-uns-davon-ab-aktiv-zu-werden/

Viele Grüße,
Hans
Micha @ 10.11.2008 10:17 CET
@Reto:
Du hast aber nicht wirklich erwartet, dass man dort ein alternatives, womöglich vages, Finanzierungskonzept übernimmt?
So etwas ähnliches haben wir als 'rent-a-guru' Hotline gemacht. Naja, man braucht halt auch Kunden, die einen Wert in der Dienstleistung Wissen erkennen und bereit sind, den zu honorieren ;-) Gut, es gab auch ein paar technische Unzulänglichkeiten, aber mit den Möglichkeiten von heute ...
Ich glaube aber, dass grundsätzlich auch Werbung möglich wäre. Nur in den Strukturen wie sie aus dem Print kommen, besteht einfach ein grundsätzliches Problem mit der Glaubwürdigkeit. Allerdings mangelt es mir auch an konkreten alternativen Ideen dafür.
Reto Stauss @ 10.11.2008 10:43 CET
@Hans: hast Du den Trackback-Link verwendet? Ist tatsächlich nichts angekommen ...

@Micha: hey, die heissen Utopia! Aber das war sowieso nur im Forum. Keiner der Entscheider dort wird daraus ausser einem Management Summary (im besten Fall) etwas mitkriegen ...
InaMS @ 10.11.2008 16:46 CET
@Micha,

könntest Du bitte mal das Prizip der von Dir genannten "rent-a-guru"-Hotline erklären. Kunden honorieren direkt an einen Experten ohne den Umweg über Werbung?
micha @ 10.11.2008 17:22 CET
@InaMS:
Mit Werbung hatte das nichts zu tun und mit Internet gleich gar nicht (+/- 1990), mir ging es um den subjektiven Wert. Wir haben telefonisch unser Wissen zur Verfügung gestellt und die Kunden konnten selbst über die Höhe der Entlohnung bestimmen. Interessante Erfahrung ;-)
Hans @ 10.11.2008 19:30 CET
@Reto
Habe nicht den Trackback-Link verwendet, sondern nur über den Permalink der beiden Artikel verlinkt. Das funktioniert ansonsten immer reibungslos.
Gruß, Hans
Reto Stauss @ 11.11.2008 11:12 CET
@Hans: ist halt kein Wordpress hier, gell :-).
Hans @ 11.11.2008 20:20 CET
@Reto
Werde es mir merken ;-)
roland @ 11.11.2008 22:21 CET
wir holen dich da raus (frei nach dem Motto von FM4). Hinter den Kulissen habe ich dich ja schon nach Wien zu einer Veranstaltung eingeladen. Notier die den Donnerstag 22. Jänner 2009 im Kalender und pack deine Familie ein für einen Ausflug nach Wien :-)

Den Graben kann man nur überwinden, wenn man seine Ufer verlässt.

LG

Roland
Reto Stauss @ 11.11.2008 22:55 CET
@roland: meine Mail diesbezüglich hast Du gekriegt?
roland @ 12.11.2008 09:35 CET
@reto ... hab ich bekommen ... aber das war bevor ich deinem Artikel hier gelesen habe. Jetzt denk ich noch mehr, das du beim barcamp deinen Wunsch nach Aktionismus etwas befriedigen könntest :-)
Christoph Harrach @ 12.11.2008 09:40 CET
Hi Roland,

cool, dass Du die Initiative für AT ergreifst ... ich denke, das wäre für mich auch endlich mal ein guter Anlass, um in die Heimatstadt meiner Vorfahren zu kommen - Palais Harrach und so ...

solltet ihr support und oder Austausch zu unseren Learnings vom Greencamp benötigem, sprich mich einfach an ...

LG
Christoph
Blogpatenschaften @ 13.11.2008 12:16 CET (Trackback)
Der Vision Summit, der in diesem Jahr unter dem Motto “Social Business - just try it!” stand, fand diesmal vom 1.-2. November in Berlin statt. Da mich das Thema “Social Business” im Sinne eines “aufeinander Zugehens”...
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