“Künstlich hochskalierte Vergesellschaftung”
Beitragswürdiges Zitat von Franz Nahrada (im Interview hier) aus einem Kommentar bei keimform.de:
“Künstlich hochskalierte Vergesellschaftung” ist nicht erst dann zu diagnostizieren, wenn ein Joghurtbecher 5000 Meilen durch Europa unterwegs ist, sondern schon dann, wenn es praktisch unmöglich geworden ist, Dinge des tagtäglichen Gebrauches überhaupt noch zu reparieren. In nahezu jedem Gebrauchsgegenstand den wir heute verwenden steckt ein Design, das es unmöglich macht, ohne die Inanspruchnahme weiterer Dienstleistungen diesen Gegenstand angemessen zu verwenden, bei Beschädigung wieder gebrauchsfähig zu machen, eigenständig zu verwerten, umzuwandeln etc.
Das geht über die berühmte “Sollbruchstelle” weit hinaus: das gesamte technische Design ist darauf angelegt, den Eigenarbeitsraum systematisch zu verengen. Meine Behauptung ist, dass sich diese Verengung als bewusste und gewollte Reaktion auf die erweiterten Potentiale des Prosuming ergeben hat - als Generalprävention gegen das schleichende Überflüssigwerden großer Teile des industriellen Kapitals. Aber selbst die Linke war nicht in der Lage, die Alternativen der Technikgestaltung zu erfassen und zu zeigen wie strukturelle Bösartigkeit dazu geführt hat, dass wir im Alltag nur mehr mit - mitunter auch hochwertigem - Ramsch umgeben sind.
Das Joghurt hatten wir ja auch schon und der Ramsch ist vielleicht weniger Ramsch an und für sich, sondern einfach Wegwerfprodukt. Ob aus bösem Willen, da sei dahingestellt, aber bestimmt nicht, weil man das zu Ende gedacht hat, sondern weil es kurzfristig günstiger ist. Dem werden die ausgehenden Rohstoffe einen Riegel schieben. Oder Peer-Produktion.
Kommentare
Du kennst bestimmt die Schrauben, die man nur zu, aber nicht aufdrehen kann, weil der Schlitz so verkantet ist? (Gibt's bestimmt einen schönen Namen dafür) Da vermute ich zumindest Vorsatz. So eine hatte ich letztens an einem defekten Föhn, der - oh Wunder - nach einer gründlichen Reinigung wieder klaglos seinen Dienst verrichtet.
@Micha: In dem Fall ist das natürlich Konsumentenschutz, weil man ja nicht will, dass sich einer aus Versehen grillt oder sonstwie wehtut. Die Dinger heissen tatsächlich Einwegschrauben (wenn Du diese meinst). Und natürlich gibt es auch das passende Werkzeug dazu ...

