BlogBilderBücherDossiersSuchenSchlagworteÜberKontakt
Kulturelle Revolutionäre

Kategorien

Schlagworte

Permakultur

Heizen mit Holz

Eigenbau

Barthühner

Selbstversorgung

mehr ...

Zum Thema

Gerne gelesen

.ch Blogger

Login

Pure Nostalgie oder erhaltenswertes Wissen?

Das kürzlich bei uns in der Nähe stattfindende "Ernten und Dreschen vor hundert Jahren und heute" hat mich wieder mal auf Frage gestossen, ob solche Veranstaltungen, wie sie zum Beispiel auch auf dem Ballenberg angeboten werden, nur nostalgische Sehnsüchte befriedigen oder Wissen erhalten, auf das wir vielleicht wieder einmal zurückgreifen werden wollen/müssen.

PfeifenwindmühleDie rund 2000 Besucher (und das bei einer Veranstaltung eines Dorfmuseums) bekamen kein Spektakel aufgeführt, sondern eher das recht beschauliche (wenn auch anstrengende) Leben unserer Ahnen. Warum interessiert dies so sehr? Warum interessiert es mich? Alleiniges Bedienen der "Früher war alles besser"-Illusion?

Mähen mit PferdenEin nicht unwesentlicher Teil der Faszination dürfte daher kommen, ja. Körperliche Arbeit, unterstützt von tierischer Kraft, welche direkt der eigenen Existenz diente, dazu in direkter Verbindung mit den Jahreszeiten und Rhythmen der Natur. Romantisierend, ich weiss. Die Realität war natürlich schwieriger. Aber wir sind ja gut im Filtern.

Aber darüber hinaus erwacht heute tatsächlich auch wieder das Interesse an altem Wissen, z.B. alten Getreidesorten. In Zeiten der an Grenzen stossenden Globalisierung und negative Auswirkungen zeigenden Industrialisierung der Landwirrtschaft und Nahrungsmittelproduktion wird es auch persönlich wieder wichtig zu wissen, dass es Alternativen gibt.

Weiterführende Links: Bilder von der Veranstaltung, Artikel "Faszinierende Zeitreise der Landwirtschaft".

Ähnliche Beiträge:
Permakultur-Tage am Bodensee
Neustart Schweiz: Vernissage in Bern
Rückblick aufs Greencamp - von aussen
Öko ja, 2.0 nein
Camps an allen Ecken und Enden
Kommentare (5)  Permalink

Kommentare

Michael Maag @ 14.08.2008 19:29 CET
Eine ganz schwierige, und - so glaube ich - nicht eindeutig beantwortbere Frage.

Von der allgemeinen wirtschaftlichen und technischen Seite her eindeutig Nostalgie.

Von dem Ansatz der notwendigen Denkweisen her ein wunderbares und erhaltenswertes Beispiel für simple, elektronikfreie, selbst reparierbare, mobile Technik.

Heutzutage werden Probleme ausschließlich technisch gelöst - und das auch ohne Notwendigkeit. Schöne Beispiele habe ich regelmäßig in unserer Beratungstätigkeit beim Thema Regenwassernutzung / Teiche:
Normalerweise wird mit einigen Pumpen und Druckschläuchen das Wasser kreuz- und quer über das Grundstück befördert - Teichnachspeisung, Brauchwasser mit druckgesteuertem Automat, ja sogar aus der Regentonne mit Pumpe. Und wenn mal der Strom ausfällt, geht gar nichts mehr. (He, Klasse: dann kann man ja gleich noch ein Notstromaggregat dazu verkaufen - natürlich mit Steuerungselektronik.)
Und dieser enorme Technikeinsatz ist für viele Menschen völlig normal und beinahe selbstverständlich!

Aber da Wasser nunmal bergab fließt, lassen sich mit etwas guter Planung und eine paar "Kniffen" Lösungen finden, die (weitgehend) ohne Pumpeneinsatz auskommen, und meist sogar von den Besitzern selbst gebaut werden können. Wir ernten dann regelmäßig Erstaunen, wenn solche Dinge ohne Strom und Regeltechnik auskommen.

In unserere technisierten Welt wird die Technik als "Allheilmittel" verwendet, und zum Teil noch nicht mal mehr über Alternativen nachgedacht. Diese "Schere im Kopf" gilt es erstmal zu erkennen. Nur dann kann zwischen "notwendiger" sinnvoller Technik und teurem, umweltbelastenden Unsinn unterschieden werden.
Kap Horn @ 16.08.2008 16:31 CET
Hej Reto!

Zurück von meinem sechswöchingen medienfreien Landaufenthalt...welche eine Erholung von diesem ganzen „Zauber“ einmal wegzukommen.

Woher dieses Interesse für diese „Zeit von damals“ kommt fragst Du.

Meine Antwort: wenn wir nicht aufpassen, dann verlieren wir den Faden zu unseren Wurzeln vollends, einen Faden den unserer Vorfahren lange und voller Geduld über viele Generationen LANGSAM gesponnen haben.
Und dann kam die industrielle Revolution, alles wurde erst allmählich, dann immer forcierter SCHNELLER.
Und was uns heute noch nicht bewusst ist, wird morgen als Kommunikations-Revolution bekannt werden.
Oder sollte ich besser sagen Informations-Revolution?

Das Angebot an Information und Waren in der westlichen Welt ist immens um nicht zu sagen ungeheuerlich, die Möglichkeiten etwas zu finden das genau Deine Bedürfnisse befriedigt sind beinahe ins unermessliche gesteigert.

In nur ein paar Generationen entwickelte sich aus einer auf nachhaltigkeitsbedachten und sparsamen Agrargesellschaft eine Verbrauchs- und Wegwerfgesellschaft, deren Verschleudern von Material und Arbeitskraft anfängt ins Groteske zu wachsen.

Aus dieser Sicht ist gar so ein wertgeladenes Wort wie Kultur-Revolution angebracht!

Und jetzt zeigt sich, dass daraus wohlmöglich ein „salto mortale“ werden kann wenn die Umdrehung, die re-volution vollendet ist.

Zum Glück gibt es aber auch diese wertvolle Eigenschaft bei uns Menschen, dass wir uns besinnen können, umprüfen ob nicht alte Werte zu früh auf der Abfallhalde gelandet sind.
Zumal mehr und mehr Menschen einsehen, dass es SO nicht weiter gehen kann!

Will der Baum weiter wachsen, darf er seine Wurzeln nicht vergessen.

Daher denke ich das ist mit einer der Gründe, warum das Interesse an dem alten Wissen und Können uns Menschen interessiert.

Ich denke hin und wieder an einen Artikel von vor einigen Monaten der von der östlichen Türkei handelte.
Als der Diesel zu teuer wurde, kam der Esel wieder zu Ehren.
Dort hat man noch das Wissen, Können und die Voraussetzungen der Eselhaltung!

Kap Horn
Reto Stauss @ 26.08.2008 08:33 CET
@Michael: simple technische Lösungen sind auf dem Markt nicht gefragt, weil sie keinen (oder zuwenig) Produkteabsatz zur Folge haben ... und wir kaufen lieber ein billiges Stück Technik aus Asien, als jemanden zu bezahlen, welcher uns lokal eine einfache Lösung ausdenkt und baut.

@Kap: Vielleicht werden einmal die sogenannten Entwicklungsländer Helfer in unsere Breitengrade entsenden, um uns Verlorengegangenes wieder beizubringen ...
M. Wehning @ 04.09.2008 08:15 CET
Ich denke ähnlich wie Michael:
In technischer Hinsicht können wir von unseren Vorfahren wohl meist nicht so viel übernehmen, umso mehr aber von den Grundhaltungen und Denkstrukturen.
So "nostalgische Tugenden" wie Geduld haben (wenn erforderlich auch mal ein Erdulden von Dingen, die sich nicht mal eben ändern lassen), eine Bescheidenheit und Bereitschaft, sich nicht ganz so wichtig zu nehmen, gehen uns (sag ich mal pauschal) ehr ab.
Ein ruhiges Daherfliessen (ob auf der Autobahn oder im Leben) ist oft nicht spannend genug, Fun und Action sind die Treiber ohne die wir unser Leben als furchtbar langweilig empfinden...
Und "Langeweile" gehört offenbar zu den aussterbenden Gefühlen- weil wir uns ihr nicht mehr stellen können/ wollen. Dann schon lieber Aktionismus: egal wohin, Hauptsache schnell!
Kap Horn @ 04.09.2008 21:18 CET
Hej M. Wehning!

Da schneidest DU ein interessantes Thema an, der "moderne" Begriffist wohl "entschleunigen".

Ic sehe dass zB auch in meinem Beruf als Seefahrer auf einem Kuestentanker.
Das Tempo ist so hochgeschraubt, es ist nicht nur ungesund, sondern ganz einfach menshenunwuerdig.

Zum Glueck habe ich die Möglichket, de Situation etwas zu beeinflussen und jeder ist froh darum. Viele trauen sich ganz einfach nicht STOPP zu sagen, sondern schieben diese Haltung gerne auf jemand anderen ab.


Ueber die Langeweile, die auch ich empfinden kann maceich mirnoc so meine Gedanken.
Wenn ic etwas klarer sehe, werde ich mal versuchen darueber auf meinem Blogg zu screiben.

Aber immer mit der Ruhe!

sagt

Kap Horn
Keine (weiteren) neuen Kommentare erlaubt.