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In Trippelschritten zum Selbstversorger

Gast-Beitrag Dies ist ein weiterer, feiner Gastbeitrag von Martin Wehning.

Reto erzählte mal von einem eingebauten Knopf, der beim Thema „Selbstversorgung“ unweigerlich bei ihm ausgelöst wird. So einen hab ich auch, u.a. deswegen bin ich ja so gerne auf dieser Seite ;-)
Nun bin ich „nach außen hin“ ziemlich normal - was immer das nun wieder ist. Wir leben in einem Einfamilienhaus, besitzen ein Auto und jawohl, damit fahren wir auch meistens in den Urlaub. Und trotzdem gibt es da Unterschiede zu anderen Menschen , sagen wir z.B. zu vielen unserer Nachbarn. Unterschiede im Denken (hierzu habe ich mich hier schon gelegentlich geäussert), die sich aber auch im Alltag auswirken - zumindest hoffe ich das doch! Diese möchte ich gerne skizzieren, na klar in der Hoffnung auf viele Kommentare, die uns weitere Anregungen geben können:
  1. Die ursprünglich im Haus vorhandene Fußboden-Nachtspeicher-Strom-Heizung (nicht nur der Begriff ist monströs!) versuchen wir weitgehend durch den holzbeschickten Kamin zu ersetzen (Dies geht technisch leider nicht in allen Räumen). Das Holz hierfür säge und spalte ich selbst. Diese körperliche Arbeit ist für mich ein super Ausgleich zur anderen Arbeit und ersetzt die Muckibude.
  2. Beruflich braucht meine Frau ein Auto. Wir haben einen Opel Corsa, mit dem wir zu viert gut auskommen. Dies betone ich deswegen, weil ich viele Familien kenne, die mit einem Kind meinen, sie bräuchten mindestens einen Minivan … Über Jahre hat uns ein Fahrradanhänger den ansonsten wohl nötigen Zweitwagen ersetzt.
  3. Gemüsegarten
    Quelle: pixelio.de
    Als ehemaliger Gärtner habe ich den Ehrgeiz, möglichst viel Gemüse aus dem eigenen Garten zu ernten- auch dies sieht praktisch furchtbar unspektakulär aus. An Anbaufläche haben wir vielleicht 50 m², weil wir für die Kinder auch die Rasenfläche erhalten wollen.
  4. Mein Konsumverhalten bewegt sich auf ziemlich niedrigem Niveau, Marketingexperten würden sich bei mir die Zähne ausbeißen. Dies betrachte ich nicht als meine aktive Leistung. Vielmehr habe ich meistens keine Lust auf Shoppen. Und wenn ich mal was kaufe, so achte ich sehr auf Langlebigkeit, Reparaturmöglichkeiten, zeitloses Design usw.
  5. Geistige Anregung hole ich mir am liebsten neben dem Internet aus der Bibliothek. Ich kaufe wenige Bücher und wenn, dann oft Secondhand.
  6. Einige Dinge versuchen wir selbst herzustellen. Am aufwändigsten ist dabei wohl das tägliche Kochen, bei dem wir einigermaßen auf Fertigzeugs verzichten. Wir backen öfters selbst Brot, kochen Marmelade oder machen eigenen Joghurt. Am wichtigsten hierbei ist mir die Freude, Dinge auszuprobieren, Erfahrungen zu sammeln und die eigenen „lebenspraktischen Fertigkeiten“ auszubauen.
Ich weiß es ja, all diese Dinge sind verflixt kleinschrittig und vielleicht nicht sonderlich ambitioniert. Die entscheidende Motivation für mich bei all diesen Dingen ist, glaube ich, v.a. ein Gefühl von Autonomie, von selbstorganisiertem Arbeiten, das ich nicht missen möchte.
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Kommentare (8)  Permalink

Kommentare

Michael Maag @ 28.05.2008 18:19 CET
Oh, die meisten Schritte hin zur Selbstversorgung sind an und für sich unspektakulär - wichtig daran ist, dass man eben auch alle kleinen Schritte geht. Nur dann ist man in der Lage, den "Selbstversorger"- Alltag mit all seinen vielen kleinen Hindernissen zu bewältigen. Bei großen Sprüngen ist halt die Gefahr höher, auch mal auf die Nase zu fallen.

Die Entfremdung vom eigenen Tun, die in unserer Fertigkuchen-Gesellschaft ja weit vorangeschritten ist, ist ja auch in vielen solcher kleiner Schritte erfolgt.
Nun müssen wir uns dieses Können Schritt für Schritt wieder zurückerobern.

In diesen Sinne: noch viele kleine und erfolgreiche Schritte!
Martin Wehning @ 28.05.2008 18:58 CET
@Michael: Danke sehr. Ich fühle mich sehr verstanden. Ich glaube, unsere Gesellschaft leidet teilweise darunter, dass es ständig um die grossen, innovativen Entwürfe gehen soll.

Wenn man nicht gleich die ganze Welt rettet, die Massen erreicht, die Erstbesteigung von egal was macht, ist es nicht viel wert.
Ich finde, hiergegen sollten wir ganz selbstbewusst die kleinen Schritte gehen.
Reto Stauss @ 29.05.2008 11:59 CET
@Birgit: freue mich sehr, Dich auch als Kommentierende begrüssen zu dürfen. Als Schreiberling nimmt man Leser halt erst wahr, wenn sie sich zurückmelden ...

Fusionsreaktor? Erzähl!
Birgit @ 29.05.2008 14:17 CET
@ Reto
Na ja, >Sonnenenergie< klingt so unspektakulär. Ein Fusionsreaktor in 150 mio km Abstand mit drahtloser Energiezustellung klingt da schon faszinierender ;)
Weiß auch nicht warum ein paar Wahnsinnige meinen wir bräuchten zusätzlich Fusionsreaktoren auf der Erde!
Reto Stauss @ 29.05.2008 15:23 CET
@Birgit: alles klar ;-)
Michael Maag @ 30.05.2008 09:48 CET
@martin: Ja, das Problem, dass immer gleich alles auf einmal (und zwar sofort!) gewollt wird, kennen wir auch.

Gerade bei unseren Permakultur-Garten-Seminaren ist das ein wichtiges Thema - klein anfangen, sonst ist man sehr schnell überfordert, und am besten direkt vor der Haustür (oder auf den Fensterbänken oder dem Balkon) anfangen und nicht verschämt im hintersten Gartenwinkel.

Und was die Erstbesteigungen angeht: Denen geht eine lange Zeit der Vorbereitung und des Trainings voraus, die dann nicht in den Schlagzeilen auftaucht.
Nur durch das stetige Tun und Ausprobieren erlangt man dann eine Sicherheit im Handeln.

Da sind wir auch schon wieder beim Thema "praktisches Wissen".
Olivia @ 28.09.2009 00:52 CET
Hallo
Ich habe 25 Jahre in leitender Position für die gleiche Firma geschuftet und wurde als dank vor die Türe gestellt.
Nun, man wird nicht jünger, aber von jungen ersetzt. Ich habe mir lange überlegt, was ich machen kann, um unabhängig zu sein und bin auf folgende Idee gekommen: Einen kleinen Bauernhof mit etwas Land, Hühner ec., Gemüse und Früchte zwecks Selbstversorgung, meinen Vater aus dem Altersheim holen und da ich selbst zwei Hunde habe, eine kleine Hundepension zu betreiben.
Man sagt ja: Wenn eine Tür zugeht, öffnet sich eine neue Türe...
Was meinst Du dazu?
Reto Stauss @ 30.09.2009 20:10 CET
@Olivia: man kann Veränderungen immer positiv oder negativ anschauen ... schön, wenn Du ersteres schaffst.
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