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Konsum in Mexico

GastbeitragFolgender Artikel ist ein Gastbeitrag von Barbara Mazenauer, welche in Mexico lebt und mit einem nachhaltigen Lebensstil eine Exotin ist.

Ich lebe seit 5 Jahren in Mexico, auf einer Insel in der Karibik. Das Schicksal hat mich hierher gebracht, aber vielleicht dazumals auch unbewusst die Abkehr von dem vielen Überflüssigen. Vor kurzem habe ich Retos Blog entdeckt, und mit einem Schlag fühlte ich mich verstanden. Hier werden Sachen diskutiert, über die ich täglich nachdenke. So überlege ich mir manchmal auch, welches jetzt eigentlich genau die Unterschiede sind zwischen dem Leben in Europa und dem in Mexico. Die möchte ich hier ansprechen, und es nimmt mich wunder, was ihr dazu denkt.
Tante-Emma-Laden in Mexico Ich lebe hier überhaupt nicht isoliert von der Aussenwelt, im Gegenteil, die Insel lebt hauptsächlich vom Tourismus. Aber ich finde es hier trotzdem noch einfacher, sich der Werbung und dem Konsumzwang zu entziehen. Ich muss anfügen, dass ich keinen Fernseher habe, Plakatwände gibt es fast nicht, und Zeitungen und Magazine kommen mir selten in die Hände. Und die wahrscheinlich grösste Verführung, die Läden selber, gibt es hier nicht. Dafür muss man extra aufs Festland mit dem Schiff, Taxi und Bus, und das ist dann doch recht aufwändig.

Zum Beispiel die Kleider: ich laufe seit ich hier bin mehr oder weniger in den gleichen Kleidern herum. Sauber, ganz, aber einfach nicht neu und modisch. Und habe nicht das Gefühl, dass ich etwas vermisse. Das gleiche habe ich in der Schweiz, wo ich her bin, probiert, und nach einigen Wochen fühlte ich mich sehr komisch, wie wenn ich nicht dazu gehören würde (hmm, tue ich wahrscheinlich auch nicht). Ich dachte: Naja, so wie ich rumlaufe, läuft ja hier keiner rum, ich müsste mir wohl mal was neues kaufen! Gehirnwäsche? Persönlichkeitsstörung? Nein, ich glaube, das war ganz einfach der Einfluss unserer Konsumgesellschaft.

Was ich hier besonders schätze, sind die kleinen Tante-Emma-Läden überall. Im Quartier hat es an jeder Ecke einen, zum nächsten sind es etwa 50 Schritte. Natürlich gibts nicht alles, aber fast alles. Tomaten, Zahnpasta, WC-Papier, Milch, Waschpulver, Telefon-Karte, Reis, Haarspangen, etc. Und das gute ist, gewisse Dinge kann man einzeln kaufen. Eine Kopfwehtablette, oder eine Windel. Und im Vergleich ist es auch nicht sehr viel teurer. Als ich vor 2 Jahren in der Schweiz war, habe ich das echt vermisst. Abends um 8 noch schnell eine Zwiebel kaufen? Und wenn es 6 Uhr wäre, ich muss mit dem Tram 15 Minuten fahren, um dann in einem Shopping-Paradies meine Zwiebel zu suchen ...
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Kommentare (4)  Permalink

Kommentare

M.Wehning @ 01.05.2008 10:58 CET
Sehr interessant, der Beitrag.
Vielleicht ist es wirklich so, dass wir im Westen viele Einflüsse schon so selbstverständlich hinnehmen, dass uns gar nicht bewusst wird, dass es fremdbestimmte sind.
Nun akzeptiere ich dies in Maßen. Ein völliges Ignorieren z.B. der Wirkung, die ich mit meiner Kleidung auf andere habe, halte ich hier für nicht sinnvoll. Mit so einem Outfit ist man schnell der bunte Hund, der auch sonst nicht ernst genommen wird. Finde ich schade, aber so ist es nun mal.
Entscheidend ist für mich aber das Bewußtsein, dass es so ist: Ich glaube, viele Menschen wissen gar nicht so genau, was ihre Meinung, ihr Sinn für Ästhetik ist und was ihnen von außen aufgedrückt wird ohne dass sie es überhaupt merken.
Vielen Dank, Barbara.
Gerhard Zirkel @ 01.05.2008 13:31 CET
In Sachen Kleidung hat man es als Mann wohl deutlich leichter :) Hemd, Hose und fertig.

Letztendlich läuft unser ganzes Leben immer wieder auf einen Vergleich hinaus. Arm und Reich definieren sich durch den Vergleich mit den Nachbarn, schön und hässlich auch.

Wenn die Nachbarschaft im 5er BMW rumfährt, kommt man sich mit dem 10 Jahre alten Polo dumm vor. Wenn die Nachbarschaft gar kein Auto hat ist man mit ner Schrottmühle der King.

Gerhard Zirkel
mom @ 04.05.2008 21:03 CET
Das finde ich ganz intressant, mal was aus einem ganz anderen Land zu hören! Und es scheint, dass Themen wie Einfachheit und Nachhaltigkeit überall Anlass zum Nachdenken geben. Und letztlich hängt es wohl überall von der eigenen Persönlichkeit ab, ob oder wieviel wir dem Druck von aussen nachgeben und uns anpassen. Ich bin gespannt auf weitere Berichte von Barbara!
Rainer Pfeiffer @ 27.09.2008 00:02 CET
Die Armut macht bescheidener und nimmt uns den Druck immer "in" sein zu müssen. In einer Gesellschaft in der (fast) alle nicht in der Schablone des Ideal-Konsummenschen passen, fällt es einem leichter, diese durch die Medien und sozialer Kontrolle uns eingeprägten Zwänge abzustreifen. Zum Glück ist die moderne Konsumgesellschaft noch nicht überall. Und mit dem nötigen Respekt vor dem oftmals sehr hartem Leben in den Entwicklungsländern, können wir behaupten, dass es oft sie es sind, die einem helfen, die Brille der Konsumgesellschaft abzulegen und wieder das Wesentliche zu erblicken.
Durch viele Brasilien-Aufenthalte bin ich in dieser Hinsicht sehr viel "reicher" geworden. Übrigens gibt es dort auch eine sehr dynamische Permakultur-Szene, es lohnt sich, ein wenig durchzuklicken, auch wenn die meisten Seiten nur auf Portugiesisch sind:

http://www.permacultura.org.br/
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