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Verschwendung als Lebensform

Gast-Beitrag Dies ist ein weiterer, feiner Gastbeitrag von Martin Wehning.

Im ersten Beitrag, den ich hier veröffentlichen durfte, brachte ich die Idee einer „Ressourcendatenbank“ auf.
Aus verschiedenen Gründen (zu theoretisch, umständlich, technikzentriert) habe ich hiervon wieder Abstand genommen.
Den Kerngedanken dahinter halte ich aber nach wie vor für wichtig: wir alle haben ein ungeheures Potenzial, sind von Chancen und Möglichkeiten umgeben bzw. haben diese in uns, entscheidend ist jedoch, dass wir uns ihrer auch bewusst werden und sie klug einsetzen.

Wenn es schon schwierig ist, Ressourcen sinnvoll aufzuführen, möchte ich mich zumindest über deren krasseste Missachtung, die Verschwendung von Gütern, äußern. Aus der Unzahl an Beispielen nur mal einige:
  • Nach Berechnungen des BBC werden 30-40 % der hergestellten Lebensmittel in Großbritannien vernichtet (Quelle: Verschwendung als Lebensstil).
  • 92 % der zum Kauf angebotenen Gebrauchtwagen hätten noch eine Lebensdauer von mind. 5 Jahren.
  • 86% der Käufer eines neuen Computers verwendeten 2004 dieselbe Software wie auf dem alten (Quelle: Sennett, Handwerk, S. 150 f.).
Wie lässt sich dieses vernunftwidrige, irrationale Verhalten erklären? Ich nenne mal einige Stichworte, die mir einfallen, jedes einzelne könnte (und müsste) man sich noch mal genauer anschauen …
  • Gleichgültigkeit: „Wir haben`s ja, es kommt nicht so darauf an.“
  • Unwissenheit: „Wie, ich kann so viel Energie sparen, wenn ich mein Haus besser dämme?“
  • Statusdenken: „Wenn mein neues Auto auch viel verbraucht, es macht doch ziemlich was her, oder?“
  • (Schlechte) Gewohnheiten: „Wieso sollte ich etwas ändern, ich bin noch jedes Jahr in den Urlaub geflogen.“
  • Strukturelle Verschwendung: Die einen entscheiden über Maßnahmen, die anderen zahlen (Problem bei vielen Mietwohnungen, Externalisierung von Kosten).
Es verblüfft mich immer wieder, wieso es heute scheinbar viel schwieriger ist, auch nur annähernd so nachhaltig zu leben, wie es vor zwei Generationen noch selbstverständlich (weil alternativlos?) war. Heute braucht es - glaube ich - ein ganz anderes Bewusstsein für Ressourcen (an Energie, Material, Wissen usw.) um ein nachhaltigeres Leben zu führen.

Ich meine ja, dass sich dieser Aufwand lohnt und nicht nur für einen selbst…
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Kommentare (5)  Permalink

Kommentare

Daniel Huber @ 03.04.2008 09:01 CET
Die Nachhaltigkeit war früher nur so verbreitet, weil sich nur ganz wenige einen nicht nachhaltigen Lebensstil leisten konnten (Zeit & Geld).

Es geht halt über den Geldbeutel. Wenn man sich einen neuen Rechner leisten kann, macht man das ohne viel zu überlegen auch. Wenn man aber sich keinen neuen Rechner leisten kann, probiert man seine alte Kiste auszureizen.

Die Wegwerfgesellschaft lebt von den billigen Artikeln, deren Reparatur mehr kosten würde, als der selbe Artikel in neu. Das kann als "Naturgesetz" gar nicht funktionieren!

Heute braucht es ein "Bewusstsein" um nachhaltig zu leben. Früher war der nachhaltige Weg die einzige Möglichkeit zu überleben. (Ist natürlich sehr vereinfacht geschrieben)

Es braucht entweder vermehrtes "Bewusstsein", oder die Kosten für Produkte müssten wieder den "Naturgesetzen" entsprechen.
M.Wehning @ 03.04.2008 20:52 CET
@Daniel: Man könnte ja jetzt solche Gedanken haben wie: Wäre unsere Gesellschaft ärmer, so würde sie (notgedrungen) auch nachhaltiger wirtschaften- und wahrscheinlich ist das auch so.
Trotzdem habe ich die -illusorische?- Hoffnung, dass auch beides zusammengeht: "Armut" an sich ist für mich noch kein erstrebenswertes Ziel, schon eher aber ein freiwilliger Verzicht,und zwar aus dem Wissen heraus, dass unsere Gesellschaft weit über ihre Verhältnisse lebt, was andere irgendwann und irgendwo ausbaden müssen.
Es geht mir also um ein verantwortbares und "reifes" Handeln.
Und ganz ehrlich, ich fühle mich auch selbstbestimmter und freier, wenn ich z.B. mit einer alten schabbrigen Möhre fahre und mich nicht durch Werbung und Statusdenken manipulieren lasse.
Klaus-Peter Baumgardt @ 04.04.2008 08:08 CET
Zu der Vernichtung von Lebensmitteln gibt es allerdings nur Schätzungen - das heißt, dass dieser eigentlich wichtigen Frage erst gar nicht wirklich nachgegangen wird!
Man müsste schon genauer wissen, wie die 30-40% der hergestellten und "entsorgten" Lebensmittel sich aufschlüsseln.

So oder so offenbart sich da eine gehörige Plan- und Ahnungslosigkeit.
Neue Autos @ 13.06.2008 16:52 CET
Nie wurde die Ökobilanz von neuen und gebrauchten Autos ausgerechnet. Ist es sinnvoller alte Dreckschleudern zu fahren (mehr Verbrauch, mehr Abgase) oder ist sinnvoller neue, sauberere Wagen zu fahren. Die Bundesregierierung ist der Meinung neue Autos sind sinnvoller. Ist aber hier die Herstellung (Ressourcen) von neuen Autos mit eingerechnet? Würde mich interessieren was sinnvoller ist.
Antwort auf "Neue Autos" @ 10.07.2008 13:21 CET
Die Gesamtökobilanz von Autos ist in mehreren Studien bereits untersucht worden, und immer schnitt der alte Schluffen besser ab.

Wenn ein Auto fabrikneu beim Händler auf dem Hof steht, sind 100% der Schadstoffe, die es produziert hat, für seine Herstellung angefallen. Dann fährt es los, und der Anteil verschiebt sich nach und nach in Richtung Fahrverbrauch. Je mehr es fährt, desto eher lohnt sich also seine Herstellung.

Heutige Autos sind allesamt sehr schwer. Schon ein Kleinwagen wie ein VW Lupo, Citroen C2 oder Toyata Yaris liegt bei über einer Tonne. Das kommt daher, daß es viele Dinge gibt, auf die niemand verzichten will, die aber alle etwas wiegen und spazieren gefahren werden: Seitenaufprallschutz, ABS, Airbags, Gurtstraffer, Klimaanlage usw. usf.
Um so einen Trumm verbrauchsarm zu machen, muß man sehr aufwendige Technik einsetzen; hierbei wird viel Kunststoff und Aluminium verwandt.
So kann man sagen: Je weniger ein Auto verbraucht, desto aufwendiger war die Herstellung. Der Anteil der Herstellung an der Gesamtschadstoffmenge ist also schon recht hoch; dadurch, daß das Auto zwar für heutige Verhältnisse relativ wenig verbraucht, aber trotzdem kaum weniger als ein vergleichbares Modell von früher, das einfach leichter ist, tut es sich auch schwer, diesen Mehraufwand durch einen geringeren Verbrauch zu kompensieren.
Bei einer durchschnittlichen Gesamtlaufleistung von etwa 200.000 km ist das kaum zu schaffen.

Alte Autos sind in der Regel einfacher gebaut, enthalten weniger Aluminium und weniger Kunststoff. So sind sie auch besser wiederzuverwerten. Das Blech kann im Hochofen eingeschmolzen werden und ist wieder wie neu. Heutige Verbundwerkstoffe müssen erst wieder aufwendig getrennt werden, bevor man wiederverwenden kann. Aluminium ist sowohl bei der Herstellung als auch beim Recycling sehr energieintensiv.

Das ökologisch beste ist, man fährt ein altes kleines Auto vom Schlage eines VW Polo II mit G-Kat und kleinem Motor so lange, wie es irgend geht. Der ist leicht (etwa 700kg), verbraucht relativ wenig und besteht aus einfachen Materialien. Und die Technik ist so simpel, daß auch kaum etwas kaputtgeht, das durch neue, d. h. neu anzufertigende, Teile ersetzt werden muß.
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