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Wohin mit der Kohle?

Gast-Beitrag Dies ist ein weiterer, feiner Gastbeitrag von Martin Wehning.

Jeder hat so seine eigenen Probleme und ich glaube gerne, dass es viele gibt, die über das folgende gerne nachdenken würden, hätten sie nicht viel gravierendere.
Geld
Quelle: pixelio.de
Wer sich als LOVOS bezeichnet, sagt damit ja definitionsgemäß, dass er auf einen Teil seiner Ressourcen (meist wohl seines Einkommens) freiwillig verzichtet, weil er/ sie begreift, dass Lebensqualität nicht allein vom Lebensstandard abhängt. (Ich kann mir nicht verkneifen, diesen schönen Satz von Dir, Reto, auch noch mal zu loben! [Jetzt hör aber auf, die Red.]) Stellt sich doch die Frage: Wohin mit der Knete? Oder auch: Wie reduziert man sein Einkommen, so dass es mit dem wirklich gewünschten Lebensstil kompatibel ist? (Zugegeben, für viele sicher eine Frage aus Absurdistan!)

Wenn man, wie Reto ein Haus umbaut, eine Familie mit kleinen Kindern hat, finde ich es einen hervorragenden Ansatz, die Arbeitszeit zu reduzieren, um sich mehr mit seiner Familie und selbstorganisiertem Arbeiten beschäftigen zu können. Das kann aber nicht jeder, sei es wegen seines Arbeitsplatzes, der dies nicht zulässt, oder auch, weil jemand in einer anderen Lebensphase ist.

Für viele (mich z.B.) ist die Vollzeitarbeit nicht zuletzt wichtig, um den Tag sinnvoll zu strukturieren - ich habe größten Respekt, wenn Menschen dies auch so gelingt! Bleibt also die Frage, was man mit dem überschüssigen, für den direkten Konsum nicht nötigen Geld macht. Es gibt so eine Art ökonomisches Gesetz, welches besagt, dass je weniger Geld zur Verfügung steht, dieses umso effizienter ausgegeben wird.

Von dem, was ich im Monat für den persönlichen Konsum ausgebe, könnten also z.B. X Menschen über Jahre ihr Überleben sichern. Stellt sich also die Frage, was man sinnvollerweise mit seiner Kohle macht (nachdem man natürlich den Anteil für die Zukunftsvorsorge u.ä. abgezweigt hat).

Die folgenden Kriterien sind mir hierbei wichtig:
  • Ich möchte auf keinen Fall Motivation zur Selbsthilfe kaputt machen (wenn sich z.B. das eigene Arbeiten nicht mehr lohnt wegen der großzügigen[?] Spende).
  • Ich möchte, dass unser Geld in Projekte fließt, die nachhaltig (auf Dauer) angelegt sind.
  • Kleine Projekte sind besser als große (da versandet weniger, sie sind überschaubarer).
  • Am liebsten möchte ich Kaskadeneffekte auslösen (eine Art positiver Teufelskreis- ähm, ist das dann ein „Engelskreis?).
Nach diesen vielleicht etwas komplizierten (verworrenen ?) Gedankengängen bin ich für mich auf eine sinnvolle Lösung gestoßen: wir legen einen gewissen Teil unserer Ersparnisse bei einer Mikrokreditbank an.

Dies ist eine Bank, die Kleinstkredite vergibt, so dass sich z.B. Frauen eine Nähmaschine kaufen können. Die Kredite werden zu geringen Zinsen wieder zurückgezahlt, so dass mit dem Erlös weitere Kredite vergeben werden können.
Ich persönlich lege das Geld bei Oikocredit an, aber vielleicht wisst ihr noch andere Optionen?

Noch einmal: mich beschleicht beim Schreiben dieses Beitrages ein Gefühl von Peinlichkeit, weil das Reden über Geld - und erst recht überschüssiges - wohl ein starkes Tabu berührt. Trotzdem stellt genau dies für mich einen glaubwürdigen LOVOS-Ansatz dar.

Den sinnvollen Einsatz von Geld halte ich für einen entscheidenden Hebel, um eigene Ideen zu verwirklichen.
Für Leute, die ihren Überschuss in Statussymbole respektive in Liechtenstein anlegen, habe ich nur ein müdes Lächeln …
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Kommentare (15)  Permalink

Kommentare

Patrick @ 12.03.2008 11:47 CET
Am Ende ist es gar nicht so wichtig, womit Sinnvolles getan wird. Eigene Muskelkraft oder Geld; der Unterschied ist eine Vorstellung im Kopf. In unserer Gesellschaft hat es sich einfach eingebürgert, dass man nicht über Geld spricht. Mit einer teuren Uhr darf man aber angeben... Ich bin der Meinung, dass man ruhig Geld verdienen kann, sofern man auch einen Teil durch Unterstützung sinnvoller Projekte zurückgibt. Aber darüber spricht man ja auch wieder nicht so gerne. Tabus über Tabus.
InaMS @ 12.03.2008 14:38 CET
Lieber Reto,
ich habe diesen Gast-Beitrag gleich mal in meiner Ideensammlung: "Kreatives (nicht nur) im Internet" verlinkt.
Martin @ 12.03.2008 15:53 CET
Schöne Idee, wie ich finde. Eine Kleinigkeit stört mich allerdings an der Oikocredit-Lösung: Für die Einzahler ist das am Ende nichts anderes als eine (gering) verzinstet Geldanlage, denn es werden ja 2% p.a. als Dividende ausgeschüttet. Eine moralisch wenig zu beanstandende Geldanlage zwar, aber immer noch eine Geldanlage. Wenn du also "überschüssiges" Geld sinnvoll verwenden möchtest, musst du entweder die 2% direkt wieder investieren oder irgendwo anders einsetzen (spenden?). Nichtsdestotrotz, ein schöner Ansatz...gefällt mir :)
Olaf @ 12.03.2008 16:52 CET
Martin sagt's ja schon und auch mich stört das immer wieder. Es ist und bleibt ein Kredit und Zinsen müssen irgendwie erarbeitet werden. Um das zu tun, muss man sie in den Preis des Produkts mit einbauen...naja ihr wisst schon, wie das so vor sich geht. Die 2% wieder auszugeben stellt für mich schon mal eine gute Alternative dar, damit eine "Bereicherung" nicht stattfinden kann. Naja am Ende ist mir dieses Geldsystem eh zu verworren und ich widme mich lieber dem von Silvio Gesell.

Warum gibt's denn darüber sonst nie einen Beitrag? *kritisier* ;-)
M.Wehning @ 12.03.2008 19:43 CET
Liebe Ina, find ich ja toll, dass Du den Beitrag verlinkt hast. Ist das ein anderes Forum oder wo genau erscheint der Artikel?

Lieber Martin, lieber Olaf,
der Unterschied zwischen "Geld" und "Zinsen" will mir nicht ganz einleuchten. Mit beidem kann man Gutes und Schlechtes bewirken.
Meine Kritik richtet sich gegen ein Denken, das sich nur an der eigenen Gewinnmaximierung orientiert und andere Aspekte außen vor läßt. Diese Haltung finde ich unreif und kindisch, zumindest wenn man einen gewissen Lebensstandard erreicht hat.
Und wenn man sich über derlei Zusammenhänge (also z.B.: "Wofür arbeitet mein Geld") keine Gedanken macht, so finde ich dies fahrlässig bis dumm.
Entschuldigung für diese starken Worte, richtig finde ich sie trotzdem.
InaMS @ 12.03.2008 20:05 CET
@Martin,
hier gibt es eine kleine Sammlung kreativer und inspirierender Websites: http://www.kreative-strukturen.de/2008/03/11/kreativitaet-im-web-eine-kleine-rundschau/
Da ist der Link zu diesem Beitrag mit dabei.
Martin @ 12.03.2008 22:56 CET
@Martin Wehning: Ich habe deinen Artikel so verstanden, dass du freiwilligen Konsumverzicht ausübst und dadurch mehr Geld zur "freien" Verfügung hast, dass du nun sinnvoll einsetzen möchtest, auch, ohne eine Gegenleistung zu erhalten. Ist das soweit richtig?

Wie gesagt, ich finde die Lösung mit der Oikocredit Anlage sehr schön. Mich stört nur, dass eine Dividende ausgeschüttet wird. Ich unterscheide hier nicht in Geld, Zinsen, Dividende oder sonstwas nach ihren finanzpolitischen Definitionen. Es ist alles Geld. Ich will gar nicht das System der Minikredite in Frage stellen, denn durch den dort zu zahlenden Zins werden Marktmechanismen ins Spiel gebracht, die eine möglichst optimale Geldallokation bewirken sollten.

Die Dividende ist allerdings etwas anderes. Selbst wenn 2% pro Jahr nicht viel erscheinen, sind es doch zwei Prozent, die den wirklich Bedürftigen nicht zur Verfügung stehen. Und was nützen dir die 2%, wenn du jetzt schon "zu viel" Geld hast?

Ich selbst bin schon eine Weile am überlegen, 3% meiner Einnahmen sinnvoll weiterzugeben. Gescheitert ist das bisher vor allem an einem geeigneten Projekt. So eine Mikrokreditgeschichte könnte ich mir aber durchaus vorstellen, nur halt ohne selbst eine Ausschüttung zu erhalten.

So, ich hoffe, dass ich mich jetzt etwas klarer ausgedrückt hab :)

Viele Grüße
martin
M. Wehning @ 13.03.2008 08:20 CET
@Ina: Danke sehr, da stöbere ich gerne rum. Ich liebe nämlich gute Ideen;-)
@Martin: Ich freue mich sehr über Deine Kommentare. Rein praktisch:
Natürlich steht es jedem/ jeder frei, die 2% Rendite direkt im Depot zu belassen.
Trotzdem bleibt es bei Oikocredit bei einer Geldanlage, nicht einer Spende. Das hat Vor- und Nachteile.
Vorteil: Im Bedarfsfall kann ich das Geld wiederbekommen (ich kann also ruhig etwas mehr Geld anlegen, es ist für mich persönlich nicht weg).Und wer schon mal sein Geld an der Börse angelegt hat, der weiss dies sehr zu schätzen. Wenn man überlegt, wieviele Milliarden bei einer Baisse mal so eben vernichtet werden...
Nachteil: Ich bekomme keine Spendenquittung. Bei reinen Spenden würde ich diese immer erbitten, weil ich dadurch Geld statt dem Staat einem sinnvollen Projekt zukommen lassen kann.
Für mich ist es übrigens kein Widerspruch, mich pingelig mit der Lohnsteuererklärung rumzuärgern, um das so "erwirtschaftete" Geld wieder sinnvoll anzulegen.
Wer Geld verachtet oder für Teufelszeug erklärt, hat m.E. noch nicht verstanden, in was sich Geld alles umwandeln läßt.
Martin @ 13.03.2008 08:50 CET
Ok, dann habe ich dich doch ein bisschen falsch verstanden. Für mich klang dein Ansinnen durchaus nach einer Art Spende - nur eben nicht als klassische Spende angelegt. Ich hab persönlich nichts gegen Geldanlagen (ich hab selbst mal in der Branche gearbeitet) und wollte die auch nicht kritisieren. Im Gegenteil, ich finde es gut, wenn sich Menschen eben nicht nur auf die höchste Rendite stürzen, sondern ihr Geld sinnvoll anlegen. Ähnliches gilt für die Steuererklärung, da der Staat (welcher auch immer) das Geld seltenst so effektiv einsetzen kann, wie jeder Einzelne von uns.

Also Kurzform: Wenn Spende, dann Zinsen wieder anlegen. Wenn Geldanlage, dann schöne Idee ;)

Gruß
martin
M.Wehning @ 13.03.2008 10:15 CET
@Martin: Genau! Wir verstehen uns.
Anne @ 14.03.2008 00:23 CET
Hej Martin,

schau auch gerne mal bei Weltretter.org vorbei. Wir vermitteln KEINE Mikrokredite! Aber es gibt viele interessante Projekte die Unterstützer suchen zu entdecken. Wir fördern mit den Funktionen der Plattform die Vermittlung von Expertenwissen zu den richtigen Projekten. Aber ich denke, wenn Du Kontakt zu den Gründern aufnimmst, kannst Du bestimmt auch mit finanzieller Unterstützung in Projekte einsteigen.

Das öko-soziale Restaurant hat z.B. bereits ein sehr detailliert ausgearbeitetes Konzept. Die Patchworkhof GmbH für das Projekt Patchworkhof ist gegründet und ein Spendenkonto ist eingerichtet.

Viele Menschen starten jeden Tag gute Ideen - Du musst Dich nur noch entscheiden welche Idee mit Deiner Hilfe wachsen wird :)
Reto Stauss @ 15.03.2008 21:02 CET
Bezüglich Zinsen: bei der Alternativen Bank kann man, wenn man sein Geld in Förderkassenobligationen anlegt, selber den Zinssatz bestimmen, den man erhalten will. D.h. man kann auch auf Null gehen, dieses Geld wird dann in einen Fonds eingespiesen, mit welchem dann spezielle Projekte gefördert werden.
Christina @ 17.03.2008 18:32 CET
In letzter Zeit wird häufig die Kiva Organisation als guter Vermittler von Mikrokrediten genannt. (http://www.kiva.org/)
Dort können Spendenwillige nach einem bestimmten Entrepreneur suchen und diesen dann gezielt unterstützen. Man braucht dafür allerdings eine eigene Kreditkarte.
Amei @ 18.03.2008 08:23 CET
Und wenn es um Spenden geht: www.tabal.org sammelt hier in der Schweiz Spenden für genau benannte und ausführlich beschriebene Projekte...
stebla @ 21.03.2008 11:46 CET
Passend zum Thema:
Nachweiss das die Weitergabe von Geld AN ANDERE die Menschen glücklicher macht, als die eigene Nutzug des Geldes:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/27/27551/1.html
Da werden bei richtigen Rahmenbedingungen (siehe oben) als beide glücklicher


Vielen Dank für den Link kreative strukturen.

saludos stebla
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