CO2-Kompensation: sinnvoll oder am Ziel vorbei?
Da wir ja wieder ein erdölverfeuerndes Auto besitzen und benutzen, ist die Überlegung, neben einem optimierten und minimierten Gebrauch ein Teil der Emissionen per CO2-Ticket zu kompensieren. Anbieter gibt es mittlerweilen mehrere:
- Bei greenmiles kann man sich die ausgestossenen Kohlendioxid-Menge für Flug-, PKW-, Bahn- und Bus-Reisen berechnen lassen und sich dann ein entsprechendes Ticket kaufen.
- myclimate bietet eine ähnliche Berechnung für Flüge, Autokilometer oder Haushalte (Heizung, Stromverbrauch). Hier hatte ich schon mal ein Ticket für eine Flugreise gekauft.
- CO2OL geht noch einen Schritt weiter: neben Auto, Bahn, Fliegen und Wohnen kann man auch sein Leben kompensieren.
- Wer gerne Gutes tut und darüber spricht, kann bei autoklimaneutral eine Plakette für ans Fahrzeug kriegen.
- Und auch bei der climate company kriegt man eine Klimavignette, welche man sich an die Scheibe kleben kann.
| Anbieter | Preis pro Jahr [EUR] |
Preis pro kg CO2 [EUR] |
Menge CO2 [kg] |
Bemerkungen zur Berechnung |
| greenmiles | 51.60 | 2.77 | 1864 | bei 8 l Benzin pro 100 km |
| myclimate (Klimaschutzprojekte weltweit) |
70.- | 2.51 | 2788 | bei 8 l Benzin pro 100 km |
| myclimate (Klimaschutzprojekte in der Schweiz) | 222.- | 7.96 | 2788 | bei 8 l Benzin pro 100 km |
| CO2OL | 49.70 | 2.59 | 1920 | bei 8 l pro 100 km, Mittelklassewagen |
| autoklimaneutral | 38.10 | 2.00 | 1906 | bei 173 g CO2 pro km, Projekt Imudia 2000, von 100'000 km runtergerechnet |
| climate company | 44.10 | 2.42 | 1820 | für gelb / bis 182 g CO2 pro km, runtergerechnet von 15'000 km |
Was fällt auf?
- Die Berechnung erfolgt nicht einheitlich, d.h. bei gleichem Benzinverbrauch resultieren verschiedene CO2-Mengen.
- Die Preise für ein Kilogramm CO2 weichen - nebst der einen Ausnahme - doch erheblich voneinander ab.
Soll ich, soll ich nicht?
- Das Ganze ist so abstrakt, dass man tatsächlich schnell versucht ist, von Ablasshandel zu sprechen und zu argwöhnen, dass hier nur jemand Geld verdienen will. Lokale Projekte werden kaum unterstützt, ausser bei myclimate die Monte-Rosa-Hütte, aber ob es viel Sinn macht, dort oben eine Hütte zu betreiben ...
- Alles redet von CO2, aber was ist mit dem ganzen Rest, welches die Auspuff-Anlage verlässt?
- Wer tut es? Warum? Warum nicht?
- Konsum mit Konsum bekämpfen resp. den Teufel mit dem Belzebub austreiben?
Kommentare
Für meinen Geschmack etwas sehr mit Werbung verbunden. Gerade bei myclimate fällt das auf. Naja, ohne geht wohl gar nix mehr. Die Anbieter scheinen ja wenigstens zertifiziert und sogar vom TÜV überprüft worden zu sein. So schlecht kann da also nicht sein.
Als was läuft das denn? Könnte man so ein erworbenes Zertifikat am Ende als Spende absetzen? (ich muss ja an mich denken und so ;-))
Die Berechnungsweisen verwundern mich auf jeden Fall auch...
Am Ende sage ich für mich, dass ich von Emissionshandel nichts halte. Das damit woanders Projekte unterstützt werden, ist schön, mehr aber auch nicht. Es ist mir schon klar, dass ich diese Initiativen ohne solche Anbieter wohl nicht finden würde und dann auch nicht die Chance habe, direkt zu spenden, aber solche "Mittelsmänner" haben immer so einen Ruch an sich. Meine Meinung! Naja die Skepsis halt, wie immer.
... ich bin letztes Jahr mit der Familie nach Paris geflogen und habe auch lange überlegt und gerechnet. Habe mich dann für ein Zetifikat von atmosfair entschieden.
Jetzt habe ich eine Spendenbescheinigung und ein schlechtes Gefühl bei der Sache. Denn geflogen sind wir, die Emissionen sind in der Atmosphäre, das lässt sich nicht mehr rückgängig machen.
Es ist erstaunlich wieviele Organisationen plötzlich CO2-Ablasshandel betreiben. Ich fürchte, es handelt sich zu einem guten Teil um Geschäftemacherei. Will man keine Emissionen, hilft nur bewusst fahren, fliegen ... mit dem Ablass betäubt man nur sein Gewissen.
hallo reto.
im durchschnitt wären das ca. 80 euro im jahr für den co2-handel. da ich der kapitalisierung eines massiven gesellschaftsproblems ebenso skeptisch gegenüber stehe würde ich dir empfehlen, wenn du deine autofahrten kompensieren willst, dann pflanz doch für 80 euro im jahr bäume. je nachdem, ob eigene oder zugekaufte dürften das schon einige werden
oder unterstütze mit diesen 80 euros die klimacampbewegung in der brd, die neben LOVOS auch für eine veranschaulichung der gesellschaftlichen folgen des klimawandels eintreten wollen. vgl. www.klimacamp.org.
lieben gruß, mone
Mit der Skepsis sind wir uns scheinbar einig ... aber eine gute Idee, littleblackmone, mit dem Selberpflanzen von Bäumen! Wir werden ja bald entsprechende Flächen haben. Aber schlussendlich hilft natürlich alles nichts, was raus ist, ist raus ... und im Wald wohnen will ich ja dann auch wieder nicht :-).
Ganz ehrlich?
Entweder würde ich das Geld in einen Sparstrumpf stecken und dann sobald wie möglich das Auto umrüsten (Erdgas etc.), wenn technisch möglich... oder eben wie little schon sagte, das Geld in Projekte stecken, die vor Ort und sinnvoll sind.
nur meine 2 cent/rappen.
Grundsätzlich halte ich ja die meisten Aktionen die mit dem "Ablass" finanziert werden für sinnvoll. Die Geldbeschaffung ist aber im Grunde nichts anderes als zielgruppenorientiertes Fundraising. Aus dem Blickwinkel betrachtet kann man das Geld gerne zahlen, Sinn und Wirkung sind aber im Endeffekt nicht größer als bei anderen NGO-Aktionen.
Was mir auffällt ist, dass eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der CO2 Kompensation fast ausschliesslich bei Leuten stattfindet, die eh schon einen vergleichsweise kleinen "Fussabdruck" hinterlassen. Leider gibt es eben Situationen wo man zur sprichwörtlichen "Umwelt-Sau" wird, es muss halt eine permanente Güterabwegung stattfinden.
Für meinen Teil handhabe ich es so, dass ich drastische Grenzen setzte was die Autobenutzung angeht. Wenn die Kiste erstmal vor der Türe steht, geht es sonst schnell dahin mit dem guten Willen ;-) Wo immer es geht, betreibe ich selbst praktische CO2 Kompensation. Das klappt aber in größeren Maßstäben nur wenn man über ausreichend Grund verfügt. Aber warum nicht hergehen und den pekuniären Gegenwert des prognostizierten CO2 Ausstoss für die nächsten 40 Jahre in ein paar qm Wald anlegen und den dann extensiv bis gar nicht bewirtschaften.
Viel besser und glaubwürdiger als myclimate und co find ich in kamerun mit dem verein grünwerk aus winterthur ein paar dutzend bäume zu pflanzen. dabei handelt es sich um fruchtbäume wie kakao in gemischten biofruchtplantagen an orten wo jetzt sekundärer urwald steht. dies gibt den bauernfamilien eine nachhaltige lebensgrundlage, verbessert die kargen böden dort und verhindert, dass die familien wald roden (doppelte co2-kompensation!). waldrodung ist weltweit co2-emissions-ursache nummer eins, glaubs bei 30%. zudem wird ein teil des geldes verwendet, um in kooperationen die regionalen bauern vor den welthandelspreisen zu schützen (fairtrade). da sieht doch eine kompensation mittels fragwürdigen zertifikaten blass aus dagegen! zudem machen sie das seit bald 15 jahren.
http://www.verein-gruenwerk.ch/pages/de/aktuell.php
sehr zufriedenstellend, diesem projekt geld zu geben, find ich.
Als Alternative zu oben genannten Organisationen möchte ich hier gerne auf newTree verweisen, welches CO2-Kompensationsprojekte in Afrika initiiert. Im Rahmen von Wiederbewaldungsprojekten (keine Aufforstungen) in der Sahelzone und Eritrea entstehende CO2-Absorptionsleistungen werden in Europa verkauft, um weitere Wiederbewaldungsprojekte zu ermöglichen und die von akuter Wüstenbildung betroffene Bevölkerung darin unterstützt, in den neu entstehenden Wäldern, einfache Naturprodukte nachhaltig zu nutzen.
Homepage mit CO2-Rechner und Zertifikatsbestellung: www.newtree.org
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