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Vollautomatisch verdummen?

Gast-Beitrag Dies ist ein weiterer Gastbeitrag von Martin Wehning, der wieder bravurös eingesprungen bin, während ich auf der Baustelle bin.

Es gibt Menschen, die wünschen sich ihre Zukunft vollautomatisch. Sie möchten leidige Aufgaben wegdelegieren, wünschen, dass Maschinen oder andere Menschen unbequeme oder lästige Dinge für sie erledigen und so mehr Zeit „für die schönen Dinge des Lebens“ bleibt. Wer möchte heute schon ernsthaft auf eine Waschmaschine zugunsten des Handwaschens oder auf einen PC anstelle der Schreibmaschine verzichten? Ich jedenfalls nicht!
Allerdings zahlt man auch hierfür einen Preis. Dieser kann rein finanziell sein (die „Rundum- Sorglos-Pakete“ kosten nun mal), wichtiger finde ich aber die Beeinflussung des eigenen Denkens durch Apparate und Fachleute. Sie kosten Selbständigkeit, Autonomie und eine geistige Auseinandersetzung mit unterschiedlichsten Themen.

Seit wir die automatische Rufnummerwahl beim Telefon haben, merke ich mir die einfachsten Nummern nicht mehr. Klar, zuhause ist das praktisch, unterwegs bin ich aber ohne Telefonbuch aufgeschmissen und vor allem: ich verlerne die Anstrengung des Auswendiglernens. Ist unser Auto kaputt, verbietet sich heutzutage ein Selbstrumfummeln, die Technik ist zu kompliziert, erfordert Spezialwerkzeuge, ich verliere die Gewährleistung usw.

Natürlich: Fachleute erleichtern uns enorm das Leben, aber es gibt Grenzbereiche, da will ich das eben gar nicht. Zu sehr mag ich das Gefühl von Selbständigkeit, wenn ich eine neue Fertigkeit lerne: das Gärtnern, Kochen, Computern, der Umgang mit der Motorsäge oder der Stricknadel. Ja klar, da ist immer viel Dilettantismus im Spiel, meist könnte jeder Fachmann seines Gebietes die Aufgabe wesentlicher schneller und effektiver lösen.

Aber i c h könnte es eben nicht machen. Dieses Gefühl von Unabhängigkeit, Autonomie ist mir wichtig. Ich setze meine Art von Generalistentum gegen die Spezialisten. Den Preis hierfür (nicht perfekte Ergebnisse, gelegentliches Verzetteln) zahle ich klaglos!
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Kommentare (5)  Permalink

Kommentare

olaf (der andere) @ 13.02.2008 08:39 CET
ich habe das mal bei uns im forum mit "ein wahres wort, von martin lässig ausgesprochen" kommentiert.
du und ich sind in einer zeit aufgewachsen, wo man in der tat die telefonnummern noch auswendig wissen musste, um mal eben von der telefonzelle (für die jüngeren unter uns: das waren zumindest in der BRD so kleine gelbe ein- bis zwei- manchmal auch drei- und viermannhäusschen in denen man sich prima bei regen unterstellen, aber auch unter freigabe von kleinen münzen, telefonieren konnte).

als gelernter automechaniker freue ich mich im übrigen über alles mechanische was an unserem fuhrpark kaputt geht. das gefühl etwas repariert zu haben, ist kaum zu beschreiben.

menschen "unserer" generation sind überwiegend so gestrickt. selber handwerken, fummeln versuchen usw..
gerüchteweise kann man sowas aber auch am computer mit programmen o.ä. was nicht läuft machen.

wie schön wenn man endlich die SMS funktion am neuen mobilfunktelefon gefunden hat.
welch erhebendes erlebnis wenn man weiss wie nummern gespeichert werden.
ist das dann das neue "handwerken" für alte "heimwerker"? ;-)
M.Wehning @ 14.02.2008 09:51 CET
Lieber Olaf,
danke sehr.
Wo bitte ist denn "bei uns im Forum"? Hab ich da was verpasst?
Ich "kann" übrigens bis heute nicht simsen. Ein peinliches Bekenntnis, aber ich hatte in den letzten Jahren nie eine Situation, wo ich dies als nötig angesehen hatte.
Übrigens wollte meine Frau hier auch schon kommentieren, um meine wohlfeil gesetzten Worte mit Blut und Leben zu füllen.
Sie meint nämlich, dieses ewige Selbstmachen und dann doch nicht Hinkriegen würde ja wohl auch ganz schön nerven...
Na ja, soll sie gerne noch mal selbst sagen. Insgesamt findet sie unsere Art der Auseinandersetzung mit gewissen Themen etwas abgehoben und "speziell".
Was sagen denn eure Frauen oder überhaupt andere kritische Leserinnen hierzu?
Eva Krasenbrink @ 16.02.2008 09:37 CET
Also, eigentlich möchte ich die Sache gerne mit meinem Mann lieber persönlich und nur unter uns zweien besprechen. Aber er bat mich dies doch in diesem, mir bisher noch recht unbekanntem Forum zu tun - selbst Schuld. Hier mal nur eins von vielen seiner speziellen Nachhaltigkeitsexperimente. Als es im Dezember draußen Gefriergrade hatte experimentierte er sehr intensiv mit der effektiven Nutzung der Kälte, die ja nun mal sowieso da war. In der ersten Phase füllte er Plastiktüten (zwei übereinander)mit Wasser, ließ dieses über Nacht gefrieren und kühlte dann im Kühlschrank (den er dann auf Stufe eins stellte) unsere Lebensmittel. Mir kam dann das Wasser irgendwann entgegen, weil natürlich die Plastiktüten nicht ganz dicht waren. Es dauerte doch etwas, bis wir (oder auch ich, weil ich einen anderen Anspruch habe als mein Mann) ihn wieder in seinen Urzustand zurückversetzt hatten. Phase zwei: Wir nehmen mehrere leere Tetrapackung füllen diese mit Wasser und lassen sie gefrieren. Jetzt wieder ab damit in den Kühlschrank. Wir erzählen unserer Frau natürlich nichts davon, da diese sowieso nur meckert. Das tückische ist jetzt, dass dort im Kühlschrank nur Milch und Safttüten stehen und frau zunächst nicht weiß, wo das Wasser herkommt, sie macht sauber und kurze Zeit später ist das Wasser wieder da. Was war passiert? Beim Gefrieren waren die Pakete aufgrund der Ausdehnung des Wassers im gefrorenen Zustand natürlich unauffällig geplatzt und mit dem auftauenden Eis ist immer mehr Wasser in den Kühlschrank und unter unsere Einbauküche gelaufen. Nachdem mein Mann in einer dritten Phase im Gefrierschrank weitergeforscht hat und ich nun auch noch Wassserlachen im Keller hatte, habe ich die Experimentierreihe für gescheitert erklärt und ihm weitere Versuche verboten.
Soviel zu den innovativen und weltverbessernden Ideen meines Mannes. Das Leben ist und bleibt spannend mit ihm, auch wenn es manchmal ganz schön Nerven, Ausdauer, Toleranz und Humor kostet, z.B. wenn er uns mal wieder die Heizung heruntergedreht hat oder im Sommer der Solarofen aus Karton, Schafsfell, Wok und Bilderrahmenglas herumsteht.
Also ein Appell an alle Philosophen und Weltverbesserer: denkt und dankt euer Familie, die eure Ideen mit tragen und erdulden muss!
M. Wehning @ 17.02.2008 10:57 CET
Wenn auch etwas kleinlaut, will ich doch noch kurz etwas sagen:
Die "speziellen" Experimente, die gescheitert sind, sind eben nur der halbe Kuchen.
Auch wenn ich nicht der herausragende Handwerker bin,sind mir auch schon mal Dinge gelungen...
Und dies eben, weil ich finde, es macht Sinn, sich mit dem Klein- Klein des täglichen Lebens zu befassen und eine gewisse Experimentierfreude (eingeschlossen Fehlerfreundlichkeit!) zu erhalten.
Wie meine Frau schon sagt, und wenns nur dafür gut ist, die positiven Seiten von Menschen (Ehefrauen)herauszukitzeln, nämlich Toleranz und Humor ;-)
Reto Stauss @ 19.02.2008 09:36 CET
Schade, dass ich die Kommentare erst jetzt lesen kann ...

@Eva: Herzlich, herzlich willkommen, du arme Frau eines Weltverbesserers. Ich kennen da jemanden, der sich stundenlang mit Dir über das Thema unterhalten könnte ;-). Es scheint, als hätte manche Exemplare der männlichen Gattung einen angeborenen Experimentiertrieb (andere sagen Spiel-), welcher entweder mit den neusten elektronischen Gadgets oder eben im Kühlschrank ausgelebt wird. Bitte im Namen aller Mitglieder dieser Spezie um Nachsicht :-)!

@Martin: Bin gerade ganz, ganz solidarisch mit Dir, Bruder ;-).
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