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Die Crux mit der Solarthermie

Für unseren Hausumbau stehe ich vor der schwierigen Entscheidung, ob ich mir eine Solaranlage aufs Dach baue oder nicht. Natürlich gehört es heute auch in der Schweiz - trotz wenig staatlicher Unterstützung - eigentlich schon zum guten Ton, dass man zumindest über eine solare Warmwasser-Erzeugung (laut) nachdenkt. Will man auch noch die Heizung unterstützen, dann ist man dann aber plötzlich einer von wenigen.
Solaranlage
Quelle: pixelio.de / Klaus-Uwe Gerhardt
Betrachtet man die Sache differenziert, dann gibt folgende Argumente:
  • Solare Strahlungsenergie gibt es überall kostenlos, nicht in beliebiger Stärke und nicht rund um die Uhr, aber in einem mehr als ausreichendem Mass, um unseren Energiebedarf fürs Wohnen zu decken.
  • Der grösste Teil des persönlichen Energieverbrauchs geht für (Kühl- und) Wärmebedarf drauf. Anderswo anfallende "Abwärme" zu nutzen, ist am effizientesten.
  • Jede Kilowattstunde Wärme, welche durch Sonneneinstrahlung lokal erzeugt werden kann, spart die Produktion der Wärme via Sekundärenergien sowie den Transport.
  • Das Warmwasser kann für den grössten Teil des Jahres solar erzeugt werden.
  • Eine solarunterstützte Heizung verlängert die Übergangszeiten, in welchen kein weiterer Wärmeerzeuger benötigt wird.
  • Der Erntefaktor ist hoch, d.h. die reingesteckte graue Energie wird mehrfach herausgeholt (mindestens bei den Kollektoren).
Was spricht dagegen?
  • Die Energie ist zwar kostenlos, aber die Infrastruktur, um sie zu nutzen, ist teuer. So teuer, dass sich die Anschaffung nie rechnet. Wenn man nur die andersweitig eingesparte Energiemenge und mit den heutigen (tiefen) Energiepreisen rechnet.
  • Gerade im Winter, wenn Wärme am meisten gebraucht wird, ist die Sonneneinstrahlung am kleinsten. Sowieso in der Gegend, in welcher wir leben, die lange Hochnebelperioden kennt.
Schlussendlich läuft es also wieder auf Geld vs. Nachhaltigkeit respektive Pragmatiker vs. Idealist raus ... oder hat jemand noch eine andere Sicht auf die Problematik?
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Kommentare (17)  Permalink

Kommentare

M.Wehning @ 08.02.2008 08:56 CET
Für mich ist noch eine Überlegung wichtig.
Wie kann mit dem naturgemäss knappen Geld die größte nachhaltige Effizienz erzielt werden.
Ich bin energetisch kein Fachmann, glaube aber, dass solare Warmwassererzeugung sich fast immer rechnet (vorausgesetzt die Dachneigung stimmt).
Bei Photovoltaik ist es möglicherweise günstiger, das Geld in einen Fonds zu stecken, mit dem dann im Süden sehr viel mehr Strom erzeugt werden kann.
Aber natürlich: Auch das positive Image der Photovoltaik wird durch viele Solardächer gefördert.
Nicht zu vergessen die PV- Anlage als Statussymbol des Ökos (kann/ will ja sonst nicht mit soviel protzen).
Reto Stauss @ 08.02.2008 11:14 CET
@Martin: "wirtschaftlich" wird eine Kollektorenanlage nur durch die staatliche Förderung (welche in der Schweiz sehr bescheiden ist). Dies wird sich allerdings mit steigenden Energiepreisen verbessern ...

Bezüglich PV: käme für mich nur in Frage, wenn ich mich damit mit einer Fläche auf dem Dach selber versorgen könnte.

Und Image: wenn ich mich schon nicht mit einer fetten Karre profilieren kann, dann wenigstens mit einer protzigen Anlage auf dem Dach. Danke fürs Argument. Natürlich bin ich dann hinter den sieben Bergen auch gleich (ab)gestempelt ... ;-)
Micha @ 08.02.2008 11:19 CET
Welchen Energieträger willst Du denn mit der thermischen Anlage kompensieren?

Meine Erfahrung ist, dass wenn man eine halbwegs brauchbare Heizungs und Warmwasseranlage einbaut, die Mehrkosten für die Kollektoren nicht mehr ins Gewicht fallen. Das teuerste, zumindest in den Fällen an denen ich beteiligt war, war der Heizkessel, die Wärmespeicher und die Steuerung. Klar die Kollektoren kosten auch gutes Geld, ich würde mir höchstens überlegen ob das Geld nicht anderweitig nachhaltiger inverstiert werden kann. Z.B. effektivere Dämmung, Wärmerückgewinnung ...
Sam @ 08.02.2008 11:25 CET
Ist es nicht merkwürdig, wie sich eine solche Anlage plötzlich lohnen kann, obwohl sie nicht billiger wird (man also keinen Unterschied im eigenen Budget bemerkt) - nur weil die anderen Energieformen teurer werden?

Warum kauft man also nicht gleich (für den gleichen Preis) die Anlage? Weil man immer vergleichen will - das ist unser Problem. Das ist das Problem, wenn schmutzigere Energieformen billig sind. Wir vergleichen mit denen.
Reto Stauss @ 08.02.2008 11:27 CET
@Micha: bei meinem Energieträger wird so eine Anlage eh nie wirtschaftlich: ich werde mit Stückholz heizen, z.T. mit eigenem. Aber natürlich spare ich mir dadurch wenigstens Arbeit ... und ich kann später mit Heizen beginnen resp. früher aufhören. Es sind also mehr Wohnqualitätsaspekte, weniger finanzielle, welche einzurechnen sind.

Eine Dämmung ist natürlich auch eingeplant, Wärmerückgewinnung bisher kein Thema. Eine kontrollierte Lüftung in einem alten Haus kann man vergessen. Und ist mir sowieso sehr unsympathisch ...
Reto Stauss @ 08.02.2008 11:32 CET
@Sam: natürlich hast Du recht! Genau das gleiche habe ich ja auch schon angemeckert.

Deswegen mache ich diese Rechnung eigentlich auch nicht, sowieso weil ich ja mit Stückholz heize ... bei mir ist die Entscheidung eher: Wohnqualität oder Mehrarbeit, d.h. weniger feuern, dafür Solarwärme oder mehr Holz rüsten/kaufen.

Schlussendlich muss ich halt entscheiden, ob ich mir das Stück Komfort leisten will/kann.
Hinnerk @ 08.02.2008 11:47 CET
Gerade in einem alten Haus kann eine Lüftungsanlage eine sinnvolle Ergänzung sein. Wenn Du das Haus nun besser dämmst, kann es unerwartet zu Feuchtigkeitsproblemen kommen. (Durch Verschiebung des Taupunktes, die Fenster sind dichter als vorher, etc.) Ich habe sehr gute Erfahrungen mit der dezentralen Lüftung von inVENTer gemacht. Selbstverständlich gibt es auch andere Anbieter. Ich würde aber eine dezentrale Lüftung empfehlen, da Sie unproblematischer und preiswerter einzubauen sind und auch im laufenden Betrieb meistens kostengünstiger.
Reto Stauss @ 08.02.2008 12:28 CET
@Hinnerk: ja, das mit der Feuchtigkeit ist mir bewusst. Dem werde ich entgegenwirken, indem ich die Wandkonstruktionen sehr diffusionsoffen baue, innerste Schicht wird ein Lehmputz sein. Zudem hoffe ich nicht, dass sich nach dem Dämmen noch ein Taupunkt ausserhalb des Mauerwerks befindet ...
Micha @ 08.02.2008 12:32 CET
@Reto: Bei Stückholz habe ich Dir einen ganz nachhaltigen Grund für die Kollektoren: "Man wird auch nicht jünger" ;-)

Nun aber Ernst. Auch wenn Holz als Energieträger eine gute Umweltbilanz hat sollte man nicht vergessen, dass jeder Baum der nicht gefällt werden muss weiter die Luft reinigt. Wir haben das für uns (Haus mit 4 Bewohnern) mal durchgerechnet und kamen zu dem Ergebnis, dass wir mit 8ha Waldfläche gerade so hinkommen um das Haus mit Holz das nur aus Durchforstungen oder sonstigen "Resten" stammt, zu heizen. Irgendwie tut mir der Gedanke einen Baum zu fällen nur um ihn zu verbrennen in der Seele weh. Je mehr Holzheizungen eingesetzt werden umso eher muss man an Bäume ran die noch stehen bleiben könnten oder bestes Bauholz liefern würden. An den steigenden Holpreisen sieht man den Effekt ja ganz praktisch.
Gerechterweise muss ich aber sagen, dass ich mir noch keine Gedanken darüber gamcht habe was die Kollektoren an Energie bei der Herstellung verschlissen haben.
Walhus @ 08.02.2008 13:46 CET
Ob eine Lüftungsanlage in einem alten Haus sinnvoll ist, kann ich nicht sagen.
Zum Sympatie-Punkt: Wir haben im Vorfeld auch mit einigen Skeptikern gesprochen, die uns dringend von so einer Anlage abgeraten haben. Scheinbar sind diesbezüglich viele Vorurteile im Umlauf (oder schlechte Anlagen?).

Inzwischen möchten wir unsere Lüftungsanlage nicht mehr missen. Immer frische Luft hat was.
Reto Stauss @ 08.02.2008 16:18 CET
@Micha: ich bin schon nicht mehr jünger ... und es wird immer schlimmer ;-). Und ja, dass Dir das Fällen weh tut, kann ich gut nachvollziehen, geht mir auch so - obwohl ich nicht gerade ein Bäumeumarmer bin. Und diesbezüglich habe ich nächstens noch schlechte Nachrichten ...

@Walhus: ja, stimmt, kaum jemand hat negative Erfahrungen damit gemacht, aber der Gedanke daran, in einem luftdichten Haus zu leben, in welchem ständig etwas Überdruck herrscht und nur Luft zu atmen, welche immer über irgend ein Schlauch-/Röhrensystem ins Innere gelangt, ist mir unerträglich. Ist aber eher ein mentales Problem ...

Und mit einer Holzfeuerung im Wohnraum hast Du garantiert auch immer frische Luft, weil bei der Verbrennung eine Menge abgezogen wird, welche dann wieder von aussen ersetzt wird.
Michael Maag @ 08.02.2008 19:38 CET
Ein luftdichtes Haus wie in den Musterhäusern der Lüftungsanlagenbauer wirst Du mit einem Altbau mit normalem Aufwand nicht hinbekommen. Insofern sind diese, nennen wie sie mal "Voll-Lüftungen" für Dich eher zu aufwendig und auch nicht nötig.

Die Luftdichtigkeit des Gebäudes würde erst dann etwas bringen, wenn Du alle Wärmebrücken konsequent beseitigst. Ansonsten würde an diesen kalten Punkten eben Kondenswasser ausfallen und ev. Schaden anrichten. Der von Dir schon geplante dampfdiffusionsoffene Aufbau ist da schon eine große Entlastung.

Einen Ofen würde ich nach einer Wärmedämm- und Dichtheits-Sanierung immer raumluftunabhängig, also mit Anschluss an die Aussenluft ausführen. So hast Du immer genug Zug im Kamin; ausserdem darf dann auch ein Dunstabzug oder eine andere, ins Freie fördernde Belüftung überhaupt erst eingebaut werden. (so in D, für CH einfach Deinen Kaminkehrer fragen)

Ausserdem würde ein Ofen nur während der Nutzung (also vorwiegend Winter) Frischluft ins Haus ziehen.

Andere Anregung: Schon mal an eine Trocken-Trenn-Toilette (oder auch einfach: Kompostklo) gedacht? Da wird nämlich bei fast allen Systemen ein kleiner Lüfter eingebaut, der Gerüche und vor allem Feuchtigkeit über Dach abführt; nebenbei wäre das eine kleine Dauerlüftung aus dem am wenigsten nach Rosen duftenden Bereich.
Hinnerk @ 09.02.2008 09:21 CET
Hallo Reto!
Aus meiner Erfahrung kann ich berichten:
Ich habe bezüglich Lüftung genauso gedacht wie Du heute.
Nun bedaure ich keine Lüftung eingebaut zu haben. Lehmputz kann vieles aber nicht alles.
Reto Stauss @ 19.02.2008 09:28 CET
@Michael: Kompostklo ist im Moment noch kein Thema, das wäre eine Baustelle zu viel ... aber ist für später denkbar (und konstruktiv auch lösbar).
Christian @ 29.01.2011 17:38 CET
Wie ist die Entscheidung letztlich gefallen? Ich denke es ist letztlich eine Frage ob man sich für diese Technologie begeistern kann und ob man einen Beitrag zum Umweltschutz leisten möchte. Hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit ist es zu mindestens in Deutschland so (bei ner gescheiten Dachausrichtung), dass sich die Investitionen - auch wegen der Förderung - schon bei den heutigen Energiepreisen lohnt (im Vergleich zu ner Gas- oder Ölheizung). D.h. sobald die Energiepreise steigen lohnt sich die Solarthermieanlage dadurch noch schneller.
Caroline @ 17.06.2011 16:57 CET
ich glaube auf die lange Sicht ist es wirklich keine Frage mehr, ob man sich am Umweltschutz beteiligen möchte oder nicht. Wenn das Öl erst einmal richtig knapp und unbezahlbar ist, müssen wir alle umdenken... Ich freu mich drauf - back 2 the roots :)
Lea Berger @ 11.07.2011 18:00 CET
Ich persönlich würde mich auch gegen eine Solaranlage entscheiden, einfach aus den selben Gründen.
Da sich aber meine Eltern beispielsweise eine Anlage gekauft haben (vor 1 oder 2 jahren glaub ich) und die nie was dagegen gesagt haben, denke ich das es sich anscheinend doch rentiert.

..und zu Caroline´s Kommentar sag ich: Präventiv kommt weiter... ;)
lieber vorsorgen... aber das gute Geld?!


Wie hast du dich nun entschieden??

LG Lea
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