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Gibt es Alternativen zu fossilenergie-betriebenem Individualverkehr?

Um ein allfällig entstandenes Bild vom Saubermann (resp. -familie) gleich wieder zu zerdeppern: obige Frage muss ich mit nein beantworten. Trotz ökoidealistischer, naturromantischer Einstellung ist da auch noch ein Pragmatiker, welcher ab und zu sein Veto einlegt. Um was geht es?
Zieht man nicht nur aufs Land, sondern sogar hinter die sieben Berge, dann wird das Netz des öffentlichen Verkehrs plötzlich sehr dünn und weitmaschig. Dazu kurzfristig viel Materialbedarf auf der Baustelle, einen mittelfristig (potentiell) steigenden Personentransport-Kapazitätsbedarf und langfristig ein grösser werdender Kleinsthof mit entsprechenden Logistik-Anforderungen. Wie bringt man das alles unter einen Hut?

ÖV entfällt, wenn grössere Sachtransporte gemacht werden müssen, die Reisezeit in keinem Verhältnis mehr steht oder der Fahrplan nicht passt resp. gar keine Fahrten angeboten werden. Zur Arbeit pendeln und in grössere Orte reisen ist weiterhin sinnvoll mit öV.

Multifunktions-Auto
Quelle: pixelio.de
Multifunktions-Fahrzeuge (mehr als fünf Sitzplätze, grosse Transportkapazität, nutzbare Anhänge- und Dachlast) mit alternativem Antriebskonzept existieren schlicht nicht. Da nützt es nichts, über uns dumme, preisfixierte Konsumenten, welche es nicht schaffen, eine Nachfrage zu erzeugen, über die böse Wirtschaft, welche es nicht schafft, überzeugende, serienreife Konzepte auf den Markt zu bringen (obwohl alles in den Schubladen liegt) oder über die Politik, welche es nicht schafft, eine entsprechende Entwicklung zu fördern, zu lamentieren. Also bleiben nur konventionelle Erdölverbrenner.

Mietfahrzeuge? Höchstens bei einem Bedarf von wenigen Malen pro Jahr interessant. Carsharing? Hinter den sieben Bergen? Schlussendlich landet man also wieder beim eigenen Fahrzeug und da sind wir auch wieder angekommen. Seit vergangener Woche haben wir - mit gemischten Gefühlen und nach über einem Jahr ohne - wieder einen Wagen. Seltsamerweise habe ich eher das Gefühl, ein Stück Unabhängigkeit aufzugeben als welche zu gewinnen.

Ist das aus nachhaltiger Sicht zu verantworten? Eigentlich nicht. Allerdings würde dies in letzter Konsequenz bedeuten, dass man entweder nicht mehr auf dem Land leben darf oder einfach mit den Einschränkungen klar kommen muss. Weder wollen wir auf ersteres verzichten noch können wir mit zweiterem leben. Pragmatiker vs. Idealist: 1 - 0.

Der Idealist kriegt dafür eine aufs Dach ... eine Solaranlage - vielleicht.
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Kommentare (8)  Permalink

Kommentare

Horst @ 05.02.2008 16:04 CET
Oh ja... bei mir steht auch noch die Anschaffung eines KFZ mit mehr als fünf Sitzplätzen an. Ich schiebe es vor mir her, eigentlich schon länger als ich sollte.
Olaf @ 05.02.2008 17:02 CET
Du wirst ohne diese Kompromisse nicht weiter kommen. Klingt lapidar, ist meiner Meinung nach aber einfach so. Du leistet in meinen Augen ja schon Pionierarbeit und vielleicht darfst du dir also auch mal einen Wagen gönnen, der nicht ganz so passend ist. So lange du den Wagen außerdem auch wirklich nutzt (in meiner Stadt gibt es zu viele davon, die von einer Person gefahren werden), sollte das schon passen.

Den nötigen Druck auf die ÖV-Unternehmen wirst du nur mit anderen zusammen erzeugen können. Der wirtschaftliche Aspekt ist einfach zu groß, als das sich auch nur ein Unternehmen aus Idealismus darauf einlassen würde, Dörfer hinter den sieben Bergen^^ anzufahren.
littleblackmone @ 05.02.2008 17:43 CET
hallo reto,

mal wieder stellt sich parallel zu deinen überlegungen bei mir die gleiche frage.

die nächste bahnstation ist 13km weit entfernt, der bus hält einmal am tag im dorf, welches nur mit umständlicher umsteigerei erreichbar ist, die nächste mehrmals-am-tag-bushalte ist ca 3km entfernt.
der altersschwache hofhund ist auch nicht mehr in der lage, weite strecken neben dem rad zu laufen und die unmöglichkeit, mörtelsäcke udgl. mehr eben mal vom landhandel zu holen, schiebt die baustellen vor sich her.

heftiger westwind macht die hinfahrt stets zur tortur und die rückfahrt zwar zur freude, und wenn es mal nicht windig ist, dann ist die strecke wenigstens so eben, wie mensch es sich nur wünschen kann. den ganzen sommer gings ja auch mit dem rad, aber nun, da sich was bewegen soll und es wahrlich anstrengend ist, mit einem 2-wochen-einkauf bepackt wieder aus dem nächstgelegenen marktflecken nach hause zu radeln (das wetter macht es auch nicht besser), ist die grundgenervtheit ziemlich groß.

ich bin bei der suche über eine aktuelle pressemitteilung gestoßen, die für leute ohne anhang, also solche wie mich, interessant sein könnte und dich und deine mitleser_innen auch. das deutsche e-auto entwickler-unternehmen "ecocraft automotive" tut sich mit dem cabrio-produzenten karmann (wir erinnern uns an die stilikone karmann ghia) zusammen, um ein strom- bzw. hybrid betriebenen lieferwagen in serie herzustellen, der verblüffende ähnlichkeit mit einem englischen geländefahrzeug modell hat. der name ist eco-carrier, weitere infos findet ihr hier: http://www.ecocraft-automotive.de/
Mehrere Nachteile in der Betrachtung: 20.000 Euro vorausgesagter Preis für die Basisversion sind ne Menge Asche für so kleine Krauter wie mich. Und dann sind Alu und Blei auch nicht meine Lieblingswerkstoffe. Aber ansonsten, wäre es (fast- ist nur ein 2sitzer) genau das, was ich suche.

Naja und weil das Problem drängend ist, bin ich am überlegen, mich für einen konventionell betriebenen, gebrauchten Pritschenwagen mit Doppelkabine zu entscheiden, der lässt sich immerhin mit Pflanzenöl betreiben.

Viele Grüße,

Mone
roland | landscaping.at @ 05.02.2008 20:24 CET
Ich kann deine Gedanken sehr gut nachvollziehen. Vielleicht stehts ja irgendwann doch wieder 1:1
hier jedenfalls einmal ein Buchtipp.
Reto Stauss @ 06.02.2008 09:05 CET
@Olaf: Was meinst Du mit weiter kommen? Im buchstäblichen Sinne hast Du recht, aber im übertragenen ... ;-) Und als Pionier sehe ich mich nicht, viele gehen den Weg konsequenter und sind schon weiter. Wenn sie auch nicht darüber berichten.

@Olaf & littleblackmone: Jammern über öV in der Schweiz ist - ganz klar - jammern auf hohem Niveau. Auch hinter den sieben Bergen ist es immer noch tragbar, via Bus und Zug zur Arbeit zu pendeln.

@ littleblackmone: meine Frau ist ähnlich konsequent mit dem Rad unterwegs wie Du - ich bewundere das! Trotz aller Unbill ist das vielleicht der Weg, um wieder ein Gefühl für Zeit und Aufwand zu entwickeln, welche Mobilität braucht. Und auch gleich noch der Weg zur Erleuchtung, übt man doch wesentliches wie Gelassenheit, Achtsamkeit, etc. ;-)

Und danke für den Hinweis auf den Ecocraft: so potthässlich, dass er schon wieder Kultpotential hat! Allerdings fürchte ich, dass das Konzept die endlose Reihe von gescheiterten Projekten verlängern wird, weil wieder mal zu wenig Kapital da war / zu wenige Nachfrage / ...

Zum Betreiben von Verbrennungsmotoren mit alternativen Treibstoffen: woher würdest Du das Pflanzenöl bekommen? Selber anbauen?
littleblackmone @ 06.02.2008 10:40 CET
Hallo Reto,

ja, den Sonnenblumenanbau will ich zumindest dieses Jahr erproben. Das wird natürlich nicht reichen, aber die Dinge entwickeln sich langsam. Außerdem habe ich ja immer noch ein Fahrrad.

Viele Grüße,

Mone
M.Wehning @ 07.02.2008 23:13 CET
Ich fühle mit dir, Reto, wenn der Idealist sich vom Pragmatiker belehren lässt (lassen muss?), hat das auch etwas von "verlieren".

Andererseits: Weil "Ausbalancieren" so ein schönes Wort ist, will ich es auch hier gebrauchen: Schließlich hat jeder seine oft auch widersprüchlichen Rollen zu erfüllen sei es als Vater, Bauherr, Arbeitnehmer, Nachhaltigkeitsblogger oder was auch immer.
Mir imponieren dabei gar nicht so sehr die Vollblut- alles- richtig- Macher, sondern eher die, die die Details sehen und eben immer wieder schauen, wie sie den unterschiedlichsten Erwartungen und Erfordernissen gerecht werden können.
Noch ein- ich finde jedoch: schwacher- Trost:
Unsere Nachbarn in vergleichbarer familiärer Situation haben fast alle einen Minivan, ach was einen ausgewachsenen Bulli, "weil man den schließlich braucht mit einem Kind".
Das finde ich erst richtig albern und glaube, dass man ja auch mit der Wahl des Fahrzeugs etwas deutlich machen kann.
Obwohl: das abgebildete Gefährt is doch hammermässig geil oder? (findet mein Sechsjähriger jedenfalls)
Reto Stauss @ 08.02.2008 07:38 CET
@Martin: danke für den Trost von Deinem Jungen. Wenigstens vom Statusdanken habe ich mich nicht leiten lassen, aber wenn der Monstertruck natürlich schon geil gewesen wäre ;-).
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