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Kinder fürs Leben lernen lassen, nicht bilden

Normalerweise berichte ich nicht von einem Buch, bevor ich es gelesen habe, aber dieses finde ich so spannend, dass ich es doch bereits schon erwähnen will: Das Teenager Befreiungs Handbuch - Glücklich und erfolgreich ohne Schule. Unsere Mädchen sind zwar noch lange nicht schulreif, aber natürlich machen wir uns trotzdem schon ab und zu Gedanken.
Das Teenager Befreiungs Handbuch - Glücklich und erfolgreich ohne Schule Neben dem staatlichen Angebot gibt es eine Anzahl von privaten Schulen, z.B. die Waldorfschulen (welche allerdings in letzter Zeit in Kritik geraten sind) oder Waldkindergärten, welche sich bemühen, den Unterricht etwas über die Erfordernisse der Wirtschaft hinaus zu gestalten.

Nun hat in Deutschland der Fall von zwei Kindern ziemlich Aufsehen erregt, weil der Eltern sich geweigert haben, die Kinder überhaupt zur Schule zu schicken. Stattdessen haben sie die Kinder zu Hause unterrichtet. Die Familie Neubronner ist inzwischen ins Ausland geflüchtet (hier im Interview, Dagmar Neubronner bloggt hier).

Kinder aus dem öffentlichen Bildungsangebot rauszunehmen, ist wahrscheinlich für die wenigsten eine Option, aber die Leseprobe und das Inhaltsverzeichnis (PDF) des erwähnten Buches verspricht interessante Ideen und Ansätze, wie man freie Bildung auch selber umsetzen kann.
Kommentare (13)  Permalink

Kommentare

Horst @ 30.01.2008 10:41 CEST
Wow, das ist ja spannend. Auch wenn ich die Waldorfpädagogik schon nicht schlecht finde, so könnte man den Kindern ohne die Einrichtung Schule sicherlich alles in einem Drittel der Zeit beibringen.

Erst neulich hat mir meine Cousine von einem Professor erzählt, bei dem auch immer alle dumm gucken, wenn er sich outet, dass er nie zur Schule ging.
Gerhard Zirkel @ 30.01.2008 12:22 CEST
Die Thematik finde ich auch überaus spannend. Nicht weil ich die in der Schule vermittelten Inhalte nicht wichtig fände. Vielmehr bin ich der Meinung, dass man den Kindern im Induvidualunterricht wesentlich mehr in kürzerer Zeit beibringen könnte.

Aber da stehen immer noch gewisse Interessengruppen dagegen, die die vermittelten Lerninhalte gerne unter ihrer Kontrolle haben.

Wo kämen wir auch hin, wenn die Kinder plötzlich eigenständig denken würden - ganze Gesellschafts- und Konzernstrukturen wären in Gefahr!

Gerhard Zirkel
Michael Maag @ 30.01.2008 14:22 CEST
Leider ist der Frontal-Unterricht ala Kasernen-Hof (der Vergleich hinkt leider nicht - in Deutschland wurden die ersten Schulen mit ehemaligen Soldaten besetzt) immer noch üblich.

In der Pisa-Studie (jetzt weiß ich nicht, wie stark das in der Schweiz dikutiert wurde) sind die ersten Plätze ALLE von Ländern besetzt, die weder eine mehrglidriges Schulsystem haben, noch den klassischen Frontal-Unterricht.

Die Reaktion der Regierung in Bayern? Noch frontaler, noch strenger. In Bayern ist die Abschottung einer Geld- und daher auch Bildungs- Elite richtig krass.

Ein Arbeiterkind in Bayern hat 40-fach schlechtere Chancen, eine Gymnasium zu besuchen, als ein Beamtenkind (hoffentlich habe ich mir das richtig gemerkt..)

Was als einzelner tun? Da wird´s schwierig, denn hier kann ich mir keine Nische suchen; bei uns liegt die nächste Waldorfschule entweder 45 oder 50 km weit weg, natürlich ohne brauchbare ÖNV-Anbindung (Fahrzeiten laut Fahrplan wären ca. 1,5 Std einfach)

Also normale Schule. Und richtig geraten, meine Tochter hat am Anfang richtig Probleme gehabt - weil wir Ihr beibringen zu denken, und nicht nur auswendig zu lernen.

Beispiel: Rathaus von Schild im Deutschunterricht.
Frage zum Verständnis: "Was fehlt im Rathaus?"
Antwort meiner Tochter: "Licht!"
Wertung: 1 Punkt Abzug; richtig wäre "Fenster" gewesen.

So, noch eine Satz zum Abschluss:

Wo kämen wir denn hin, wenn keiner ginge, um zu sehen, wohin wir denn kämen, wenn wir denn gingen.
Ralf @ 30.01.2008 15:34 CEST
hab gleich mal einen Anschaffungsvorschlag für die Badische Landesbibliothek eingereicht :)

... und hast du es gut, dass deine Kinder noch klein sind ...
Reto Stauss @ 30.01.2008 15:44 CEST
@Michael: jaja, Pisa liegt auch in der Schweiz :-). Und wie habt ihr eurer Tochter denn denken beigebracht? Und wie hat sie den Rank in der Schule geschafft?

@Ralf: hab gemeint, es werde immer einfacher mit den Kids ... enttäusch mich jetzt nicht.
M. Wehning @ 30.01.2008 15:53 CEST
Als Pädagoge juckts einem bei so einem spannenden Thema in den Fingern.
Ich möchte mal bei einigen der Kommentatoren dagegenhalten:
Schule soll eben genau nicht nur Individualunterricht sein. Es geht ja keineswegs nur um Wissensvermittlung, genau so wichtig, wenn nicht wichtiger finde ich das Zusammensein mit anderen, eben auch das Erlernen von Regeln und Strukturen (ich weiss, ein rotes Tuch für viele 68er...)
Waldkindergarten finde ich total gut (wenn das Konzept stimmig und durchdacht ist, wichtig dabei sind die Vielzahl der sinnlichen Erfahrungsmöglichkeiten).
Waldorfschulen haben meiner Meinung nach zwar gute Ansätze, ich mag aber nicht die Ausrichtung mancher Eltern dort, die ich als ideologisch/ dogmatisch empfinde. Ausserdem muss man sich klar machen, dass es in diesen Schulen eine hohe Selektivität aufgrund der Schicht gibt (Welche ausländische Arbeiterfamilie schickt bitteschön seine Kinder zur Waldorfschule?)
Und rein praktisch: Wenn ein Kind ewig lange Anfahrtswege zur Schule und dementsprechend zu Freunden machen muss, senkt dies m.E. stark die Spiel- und Tobemöglichkeiten von Kindern.
bluetime @ 30.01.2008 17:44 CEST
Wo kämen wir auch hin, wenn die Kinder plötzlich eigenständig denken würden

ich hoffe doch sehr dass eure kinder alle auch eigenständig sind und denken dürfen/können-dazu brauch ich keine waldorfschule oder ähnliches, das hat mit meiner lebenseinstellung, dem nötigen respekt und der achtung zu tun die ich meinen kindern gegenüber habe.
grundsätzlich habe ich mit der thematik mühe, wir meinen immer alles was nicht "regelkonform" ist sei besser, ich finde man muss auch hier das pro und kontra ansehen, auch in einer sogenannten "normalen" schule lernt ein kind wichtige elemente,denn auch später im leben gibt es nicht nur immer friede freude und eierkuchen, es gibt druck und macht und massstäbe...je früher es damit konfrontiert wird, desto einfacher fällt es ihm dann ev. mal?!
Amei @ 30.01.2008 19:22 CEST
An der Schule meiner Kinder sind einige (insbes. amerikanische) Familien, die bis zu ihrem Umzug "Homeschooling" gemacht haben und deren Kinder hier zum ersten Mal in die Schule gehen. Für mich war das neu und faszinierend, ich selbst wäre vorher nie auf die Idee gekommen, häte es mir nicht zugetraut, auch das Stück eigener Freiheit und Delegation vermisst, das Schule für uns Eltern letztlich auch bedeutet.
Aber bei allem innerliche Kopfschütteln, das ich hatte, als mir die erste Mutter davon erzählte: Die Kinder, die ich kennengelernt habe, waren alle auf dem Niveau ihrer Altersstufe, manche in einigen Bereichen sogar weit darüber hinaus. Manche haben erzählt, dass sie den Unterricht in der Schule oft langweilig finden, weil längst verstandene Dinge wiederholt werden, weil auch Dinge geübt werden, die sie selbst längst beherrschen und weil Themen und Struktur so strikt sind und nicht ihren jeweiligen Interessen und Bedürfnissen entsprechen.
Und noch ein anderes Vorurteil mußte ich beerdigen: Die Kinder integrieren sich schnell, sie sind beileibe keine unsozialen Eigenbrötler, es sind einfach ganz normale Kinder, von denen es einem leichter fällt Freunde zu finden als dem anderen.
Und als ich fragte: "Was war denn nun besser?" kamen ganz unterschiedliche Antworten, manche genießen das Zusammensein mit Gleichaltrigen mehr, dafür ist der langweilige Unterricht zu ertragen, für andre ist es andersherum.
Interessant fand ich auch, dass die Eltern (Mütter?) konstatierten, dass durch die Schule der Familienzusammenhalt viel schwächer geworden sei. Ein weiteres Thema war der Verlust an Freiheit, wenn die Kinder gerade ein Physikthema am Wickel haben, kann man sie halt kurzentschlossen einpacken und ins Technorama fahren ohne Rücksicht auf Schulzeiten....
Das ist überhaupt nicht represäntativ sondern lediglich das Ergebnis einer Reihe von Gesprächen, auf jeden Fall habe ich mein Kopfschütteln längst beiseite gelegt und bewundere den Mut und die Einsatzbereitschaft von Familien, die sich das zutrauen! Wobei man aber auch sagen muß, dass es in Amerika in einigen Gegenden absolut üblich ist und es viele Lehrmittel und Hilfsangebote für "Homeschoolers" gibt.
Michael Maag @ 31.01.2008 00:13 CEST
Wie habe ich meiner Tochter (ich hoffe unabhängiges) Denken beigebracht? - gute Frage.

Durch Erklären (In der Schule: "Woher weisst Du denn das schon wieder?" darauf meine Tochter: "Mein Papa redet viel, wenn der Tag lang ist" [sorry]).

Durch Zuhören (ich hoffe mal, dass sie das bestätigt... kann meine Frau eh besser) und Beantworten von Fragen.

Hintergründe zeigen, Folgen und Konsequenzen zeigen und erklären.
Beim Beispiel Schilda: Wir hatten ihr erklärt, Fragen genau zu lesen und zu beantworten. Also hat sie geantwortet, dass Licht fehlt - nicht, was die Schildbürger vergessen haben einzubauen.(Fenster)

Der Rank (Noten?) in der Schule: Anfangs katastrophal. In der ersten und dritten Klasse Lehrer, die sie (und wir!) nicht verstanden. Erst ab der 6. besser.
Inzwischen (8.Klasse Hauptschule) Klassenbeste.


@ bluetime: Wow, wie kriegt man den ein Zitat eingebaut?
Ralf @ 31.01.2008 08:39 CEST
@Reto:

es wird leichter und schwerer zugleich :) und ein Sprichwort hier heißt: Kleine Kinder kleine Sorgen große Kinder große Sorgen.

Im Moment befinden wir uns halt in der Phase, auf welche weiterführende Schule der große geht.

Und da verspüre ich in mir zahlreiche negative Emotionen. Natürlich ist es gut, dass Kinder unter Kinder kommen und sie sich in der Schule sozial auseinandersetzen müssen. Das ist auch gut so und eine der wenigen positiven Seiten. Unser Schulsystem hier ist so antiquiert und noch von Standesdünkel und veralteten oder zumindest veraltet denkenden Schulpolitikern geprägt, dass es mir ganz anders wird.

Die erste Reaktion auf Pisa war der G8-Zug. Also einfach ein Jahr sparen. Völlig unreflektiert der Konsequenzen. Weil man nichts ändern will, versucht man sich jetzt lieber aus Pisa herauszustehlen...

Ich kenne mittlerweile doch einige Kinder, die unter diesem Schulsystem wirklich leiden, die in der Grundschule noch richtig gut waren. Die verbringen mit Schulkram schon mit 11/12 Jahren so viel Zeit wie ich bei der Arbeit. Die Hausaufgaben sind so massiv, dass ohne dass Eltern da unterstützened mitwirken es auf dauer nicht zu schaffen ist. Wer das zeitlich nicht leisten kann, kann sich ausmahlen was passiert. Verabreden zum Spielen?

Da kann doch was nicht stimmen! Kinder brauchen auch noch Zeit für sich zum Spielen, sich zu entwickeln.

Manchmal überkommt mich da der Gedanke, das das einzige Ziel der Schule es ist, Menschen zu brechen und zu völlig gleichgeschalteten, gleichgültigen Konsumenten zu machen...

Die Politiker reden immer von Bildung und Fachkräftemangel usw. und kürzen aber gleichzeitig die Ausgaben, Lehrer werden nicht mehr eingestellt, in den Schulen fällt viel Unterricht aus. Alles auf Kosten unserer Kinder. Das könnte man noch ein Weile ausschmücken.

Ob wir in der Lage sind das positive zuhause dagegen zusetzen ist noch unklar. Wir geben uns alle Mühe, die uns möglich erscheint, um diesem System ein Gegenpol zu bieten. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Und ich stehe bezüglich der Schulen ziemlich ratlos da, weil mir das ganze nicht schmeckt und alternativen (hier) sind leider keine in Sicht :(
Olaf @ 31.01.2008 16:33 CEST
Wie funktioniert denn dieses Homeschooling genau? Mindestens ein Elternteil muss dann doch jahrelang zu Hause bleiben oder nicht?

Die Kommentare malen ja eine ziemliches Schulchaos aus. Vor kurzem war ein Artikel bei SPON über einen Schüler, der die Lernbelastung fast nicht ausgehalten hat. Ich kann als das überhaupt nicht bestätigen. Als ich zur Schule ging, hatte ich einfach nur extrem viel Freizeit. Ich habe nicht jeden Tag stundenlang Hausaufgaben machen müssen. So lange ist es auch nicht her, ich habe die Schule 2002 verlassen.
Hat sich seitdem so viel verschlechtert?

Ich hatte mit dem Frontalunterricht eigentlich wenig Probleme. Klar ist das nicht besonders spannend, aber was ich lernen sollte, habe ich gelernt. Unsere Lehrer waren allerdings auch wirklich an uns interessiert. Es gab zwar hier und das Ausnahmen, aber das ist wie überall. Die Erinnerung an meinen letzen Deutschlehrer in der Sekundarstufe II sind mehr als schön. Ein strenger Mann, aber intelligent. Außerdem war einer, der auch mal die Plattenspieler mitbrachte, um Brecht oder ähnliches vorzuspielen.

Ein Grundstock an Wissen sollte definitiv vorhanden sein und der sollte, meiner Meinung nach, auch bei allen gleich sein. Ich bin zwar auch der Meinung, dass man das lernen sollte, was einen interessiert, aber ohne ein paar "Basics" geht es eben nicht.

Die Kürzungen im Bildungsbereich gehen ganz offensichtlich auch an den Lehrern nicht vorbei. Ich meine qualitativ. Wenn ich weiß, dass ich meinen Schülern immer weniger bieten kann, dann würde meine Begeisterung für diesen Beruf auch langsam schwinden.
Markus Notter-Binder @ 05.02.2008 00:24 CEST
Ich wünschte mir etwas mehr Freizeit für unsere Kinder. Unterricht sollte in der Schule stattfinden in den dafür bestimmten Lektionen. Daneben brauchen Kinder viel freie Zeit, um zu sein und zu tun und zu lassen, was sie wollen. Alleine oder mit anderen Kindern zusammen.
Unsere älteren Kinder gingen in den von uns Mitbegründeten Waldkindergarten TATATUCK. Sie sind auch jetzt noch gerne draussen und beschäftigen sich mit sich und der Natur. Ansonsten sind die drei völlig unterschiedlich. Angelo mag Schule nicht besonders und müht sich mit seinen Aufgaben ab. Natascha ist ganz fix mit allem und liest Bücher am Laufmeter. Hausaufgaben macht sie selten zu Hause. Mara ist noch im Kindergarten.
Das Schlimmste, was ich mir für unsere Kinder vorstellen kann, sind Hütestunden in der Schule (Blockzeiten-Auffüller) und damit noch mehr Stunden im Klassenzimmer. Das ist ebenso schlimm, wie das Hausaufgaben machen mit einem Kind, welches nicht mehr kann.
Grundsätzlich habe ich während meiner Tätigkeit als Lehrer die Erfahrung gemacht, dass weniger mehr ist. Wir haben viel Zeit mit Singen und Musizieren, Theaterprojekten und in der Natur verbracht. Hausaufgaben gab es bei mir keine. Wer gerne lernt, lernt zu Hause auch ohne Hausaufgaben. Und die anderen benötigen die Freizeit um zu regenerieren.
Wir schaffen uns dafür unsere zeitinsel zu Hause. Für uns, unsere Kinder und alle, die sich ab und zu eine zeitinsel gönnen wollen.
herzliche Grüsse
Markus
Ralf @ 05.02.2008 08:49 CEST
Die FAZ beschreibt DAS DILEMMA treffend:
http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E3EE0EDEC64CE466982C75C858C10511A~ATpl~Ecommon~Scontent.html
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