Nach der grossen Katastrophe
Nein, es ist wirklich nicht meine Motivation für einen einfachen, unabhängigen, selbstversorgenden Lebensstil. Mehr aus Neugierde habe ich mir das Lexikon des Überlebens zu Gemüte geführt. Interessanterweise deckt sich aber vieles von dem, was für das Leben nach der Krise empfohlen wird, mit meiner Auffassung eines nachhaltigen Lebensstils (auch ohne Krise).
Wie wahrscheinlich grosse Katastrophen auch immer sein mögen, je nachhaltiger man unterwegs ist, desto grösser sind die Chancen, danach längerfristig zu überleben. Wenn man das Ereignis überlebt hat. Der Autor spricht zum Beispiel von Stürmen, Überschwemmungen, Erdbeben, Vulkanausbrüchen, Seuchen, Kriegen mit Massenvernichtungswaffen, Kometeneinschlägen und ähnlichen Nettigkeiten, welche uns ganz bös durchschütteln könnten. Würde gar eine Kombination auftreten, dann könnten grosse Teile der menschlichen Zivilisation mit ihrer Infrastruktur in Mitleidenschaft gezogen oder zerstört werden.Vergessen wir also mal all die positiven Entwicklungen wie das zunehmende Umweltbewusstsein (auch dank drohendem Klimawandel), dem steigenden Wohlstand oder dem Bemühen um Weltfrieden und malen den Teufel an die Wand. Was, wenn Strom- und Wasserversorgung zusammengebrochen, Kommunikationsmittel und Transportwege zerstört und die letzten Nahrungs- und Treibstoff-Vorräte aufgebraucht sind?
Das Mittelalter lässt grüssen. Nur wer über entsprechende Kenntnisse und handwerklichen Fähigkeiten verfügt, welche es in einer frühagrarischen Gesellschaft braucht, inklusive Nahrungsmittelanbau und Selbstverteidigung (ja, das Faustrecht würde ziemlich schnell wieder Einzug halten), könnte längerfristig überleben. Städte wären zu vergessen - sofern sie nicht sowieso zerstört worden sind. Wer auf dem Land etwas Boden besitzt, darf sich glücklich schätzen.
Aber genug schwarzgemalt. Kehren wir zurück in die fröhliche Welt der LOHAS mit fair und ökologisch hergestellten T-Shirts. Aber vergessen wir nicht, in welchem Regal das Lexikon steht.
Kommentare
Es kann sicher nicht schaden, sich zumindest ein paar Gedanken zu unvorhergesehenen Szenarien zu machen.
Es muss ja nicht gleich der Atomkrieg sein, die meisten Menschen bekommen ja schon bei einem simplen Stromausfall Probleme wenn sie feststellen dass ohne Strom auch die Heizung nicht mehr funktioniert und in manchen Regionen auch kein Trinkwasser mehr fließt.
Ich bekomme ja schon Panikattacken wenn das Internet mal ne Stunde nicht geht :)
Gerhard Zirkel
Naja, ich finde sowas immer eine gewagte These. Selbst wenn der Großteil der Menschheit und die Infrastruktur zerstört würden, muss ja nicht unbedingt Anarchie einkehren (Faustrecht nehme ich da mal zum Anlass). Es würde wahrscheinlich schneller gehen, als einem lieb ist und alles sieht wieder so aus wie vorher.
Sollte dem nicht so sein, so wäre ich als Landbesitzer wohl auch nicht wirklich froh, denn dann würden die Horden heranstürmen und mit Fraustrecht etwas zu essen fordern. Oder so...
Liest hier jemand Science Fiction? Ich ja - viel! : )
Klassisches Thema: die Welt wie wir sie jetzt kennen, hört auf zu existieren. Gründe sind vielfältig und phantasievoll - von Kometeneinschlag, seltsamer Seuche bis hin zu chemischer Kriegsführung.
Wirklich interessant ist dann die jeweilige Vision des Autors: Wie werden die (wenigen) Überlebenden auf den Ruinen der Zivilisation eine neue Gesellschaftsform aufbauen? Alles wird in Frage gestellt: "selbstverständliche" Gewohnheiten der westlichen Welt, moralische Vorstellungen, Definition von Geschlechterrollen und Glauben etc. ...
Eine Regel ist oftmals zu finden: nur wer bereit ist sich von seinen bisherigen Vorstellungen zu verabschieden ist in der Lage zu überleben. Und natürlich die handwerklichen Fähigkeiten - die sind auch wichtig : )
Science Fiction ist nichts für "weirdos" (Sonderlinge, Verrückte), die Angst vor dem Weltuntergang haben, sondern Pflichtlektüre um diese Gesellschaft von einer Metaperspektive zu betrachten.
Empfehlen kann ich u.a.
"Earth abides" George R. Stewart
oder auch "Day of the Triffids" von John Wyndham.
In Berlin gibt es übrigens einen ganz tollen englischen Science Fiction Buchladen. "Another country" mit einem eigenen Weblog unter: http://madscience.antville.org/
Man kann die Bücher kaufen und wieder zurück bringen. Der Preis wird dann minus ein Euro zurückerstattet.
Ob das Faustrecht unter solchen Bedingungen einkehrt? Auf keinen Fall sollte man die Beantwortung dieser Frage an die "Eigentümlichkeit des menschlichen Wesens" (definiert z.B. als "asozial") knüpfen. Vielmehr ist es die Frage, welche Bedingungen geben den Menschen welche Möglichkeiten. Schlechte Bedingungen geben den Menschen wenig Handlungsspielraum.
Ups- ich merke gerade, dass ich hier gerade abrutsche in Betrachtungen des menschlichen Wesens. Das war eigentlich nicht das Ziel meiner Antwort. : )
Ich wollte nur sagen - die Frage "Was ist nach der großen Katastrophe?" hat spannende Bearbeitung in der Science Fiction Literatur gefunden und kann dazu dienen, um unsere Gesellschaft aus einer etwas "ver-rückten" Perspektive neu zu betrachten.
@Olaf: ja, es kaum wahrscheinlich, dass alles Wissen unwiederbringlich verloren gehen würde. Und auch Spezialisten würden überleben.
Ob und wieweit wieder anarchische Zustände eintreten würden, darüber streiten sich die Gelehrten. Es mindestens Thesen, dass unser demokratisches System zu einem guten Stück von unserem Wohlstand, den zur Verfügung stehenden Technologien und natürlich einem funktionierenden Staat mit Machtmonopol abhängt.
@Sophie: ich auch SF! Und danke fürs Argument ;-). Meine Lieblingsapokalypse: "The Last Stand" von Stephen King. Ok, kein klassischer SF-Autor, aber sehr unterhaltsam zu lesen.
Ich glaube nicht, dass sich eine Gesellschaft nach der Katastrophe all zu lange vom altbewährten System unterscheiden würde.
Es wird auch zu diesen Zeiten Führungspersönlichkeiten und Mitläufer, Handwerker und Gelehrte geben die sich arrangieren werden.
Im Detail wird sich diese Gesellschaft sicher von der jetzigen unterscheiden, das Prinzip wird aber gleich bleiben.
Aber das ist nur meine Meinung, ich hoffe nicht das wir die Wahrheit so bald herausfinden müssen, obwohl wir derzeit mit Hochdruck daran arbeiten ...
Gerhard Zirkel
@Gerhard: hoffe allerdings auch nicht, dass wir es rausfinden müssen ...
Manueller Trackback auf einen thematisch verwandten Artikel:
Klimawandel: Think global, but act against local warming!
Besten Dank.
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