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Nachhaltige Effizienz- effiziente Nachhaltigkeit

Gast-Beitrag Dies ist ein Gastbeitrag von Martin Wehning, der sich schon öfter ausführlich eingebracht hat (und dies hoffentlich auch in Zukunft tun wird).

Die beste Verpackung ist die, die nicht anfällt, der nachhaltigste Urlaub der, bei dem ich zuhause bleibe, die ressourcenschonendste Hausrenovierung (von Sonderfällen abgesehen) [hier spricht der Autor nicht zufällig eine ganz bestimmte an, oder? Anm. d. Red.] die, die nicht stattfindet. Ist somit der König der Nachhaltigen der, der im Bett liegen bleibt und sich die Decke über die Nase zieht?
So albern diese Frage daherkommt, macht sie m. E. eines klar: Nachhaltigkeit kann nicht das Ziel sein, vielmehr ist es ein Weg zum Ziel. Was aber ist ein denkbares Ziel? Viele Menschen (ich gehöre dazu!) sagen wohl: eine höhere Lebensqualität.

Lebensqualität ist ein sehr umfassender Begriff, vielschichtig, schwer zu fassen und höchst individuell, wenn auch keineswegs beliebig. Er hat etwas mit materieller Absicherung zu tun, ist aber das Gegenteil einer gedankenlosen Überversorgung – sonst wäre ja Fettsucht besonders lebenswert. Ich glaube, „Lebensqualität“ muss sich zuerst am „Sinn“ orientieren. Und da geht es um das rechte Maß, es kann also durchaus um einen bewussten Verzicht gehen, um wichtigere Ziele zu erreichen (Beispiel Heilfasten).

Betrachtet man in diesem Zusammenhang den Begriff der Effizienz, wird deutlich, dass nachhaltige Effizienz durchaus das genaue Gegenteil dessen sein kann, was in der heutigen Wirtschaft darunter verstanden wird. „Effizienz“ bezeichnet ein bestimmtes Verhältnis von Kosten und Nutzen, somit eigentlich einen sorgsamen Umgang mit knappen Ressourcen - was lässt sich hiergegen schon einwenden?

Ich glaube jedoch, dass effizientes Handeln (besonders in der neoliberalen Denkweise, die unsere Wirtschaft heute dominiert) nur auf finanzielle Aspekte ausgerichtet und somit pervertiert wurde. Für viele Firmen ist es z.B. heute „effizienter“, Menschen zu entlassen (die Aktionäre honorieren dies!), volkswirtschaftlich, gesellschaftlich und vor allem für die Betroffenen ist es jedoch das Gegenteil, nämlich eine unglaubliche Verschwendung an Potenzial und Motivation.

Ähnlich absurd ist die Umwelt„nutzung“ in vielen Bereichen: für Einzelne profitabel, aber auf das gesamte System bezogen verheerend. Wer sich um Nachhaltigkeit bemüht und dabei effizientes Handeln nicht über den Haufen werfen möchte, der kann zu ziemlich paradoxen Schlussfolgerungen kommen:
  • Langsamkeit kann effizienter sein, der Nutzen der Arbeit besteht nämlich nicht nur im Produkt, sondern auch im Prozess der Entstehung in den Wirkungen und Nebenwirkungen der Arbeit (soziale Einbindung, Entwicklung von Fähigkeiten und Kenntnissen, Tagesstruktur…).
  • Nichtstun ist unter Umständen zielführender als gedankenloser Aktivismus (wenn ich da an mein manchmal hirnloses Fernsehzapping denke, au weia!)- hocheffizient kann ich auch gegen die Wand rasen.
Ich finde deshalb, dass wir (wenn ich „uns“ mal als an Nachhaltigkeit und Lebensqualität orientierte Menschen bezeichnen darf) allen Grund haben, eine langsamere, vielleicht nicht so durchgestylte und moderne(?) Lebensweise selbstbewusst zu vertreten und zu verteidigen.
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Kommentare (7)  Permalink

Kommentare

olaf (der andere) @ 22.01.2008 08:48 CET
wie immer ist martin ein wenig abstrakt. ;-)
aber auch wie immer, ist was wahres im text zu finden! :-)

das grosse problem daran ist, dass sich diese langsamkeit nicht viele leute leisten können.
sag mal jemanden der auf seinen akkordlohn angewiesen ist, er möge selbstbewusst eine langsameren lebensweise vertreten.
durchgestylt kennt er auf grund seines geringen einkommens sowieso nicht! :-(
Martin Wehning @ 22.01.2008 10:21 CET
Lieber anderer Olaf,
zum (kleineren ;-) Teil gebe ich dir recht.
Natürlich stecken fast alle von uns in Sachzwängen, können nicht immer frei über ihren Lebensstil verfügen.
Aber, ich meine ABER erzähle mir bitte niemand, er/ sie habe keinerlei Spielräume, sich so oder eben anders zu entscheiden. Auf diese Bereiche alleine kommt es mir an und diese besonders möchte ich ausloten!
Auch wenn es kleinkariert- individualistisch daher kommt:
Der Einfluss (die Macht) von jedem von uns ist immens und ich möchte ihn ganz ausüben, bevor ich mich über die Tücken des Systems (die natürlich auch gewaltig sind) auslasse.
Ich möchte mein Denken so ausrichten, daß ich maximal handlungsfähig bleibe/ werde.
Michael Maag @ 22.01.2008 11:21 CET
Hallo Martin, schau Dir mal die Regeln der Permakultur http://de.wikipedia.org/wiki/Permakultur an, dabei Kapitel 4.3 über nachhaltige Effizienz, sowie 5.2.2 Holmgren 9, "Use slow and small solutions".
Du wirst viele Parallelen erkennen!
Bill Mollison hat auch noch einen Punkt stark betont: MAKE IT NOW!
Jemand, der auf seine Akkordlohn angewisen ist, tut sich bei der Umsetzung natürlich schwerer - aber wer hat gesagt, dass unser jetziges System fair ist? (ist es nicht!)
Darum soll jeder soviel Einfluss ausüben wie - und wo - er kann.

Gruß aus dem Paradiesgarten!
olaf (der andere) @ 23.01.2008 16:00 CET
*mal versuchen ne lanze für die "unbelehrbaren ökobanausen" zu brechen*

@martin (der einmalige) ;-)
ich kenne beide seiten (wenig bis gar kein geld und ausreichend geld).
wenn du für wenig bis ganz wenig geld versuchst deine familie durchzubringen, dann ist das kein sachzwang, dann ist das etwas was dich vollzeit in anspruch nimmt.
d.h. du hast im kopf nicht wirklich viel kapazitäten frei, dir gedanken darum zu machen wie man die welt rettet. ;-)
die leute auf den bio/öko-weg mitzunehmen, ist sehr sehr schwierig.
viele menschen kennen sowas aber auch gar nicht, das ist auch gut so.
muss ja auch angenehmere leben geben, bzw. leute die sich mit der materie beschäftigen können.

aber es wäre eine schöne "aufgabe" für dich, zu überlegen, wie du auch solche leute in deinen "aufruf" zur langsamkeit und effizienz einbeziehen kannst.
mir fällt da nicht wirklich viel zu ein. :-(
M.Wehning @ 23.01.2008 20:48 CET
Lieber Olaf,
ist geschenkt, dass, wer hungert, sich um Bio nicht schert (egal ob ich da vom Hartz IV- Empfänger oder Milliarden anderer Menschen irgendwo spreche.
Auch klar, daß Nachhaltigkeit, wie wir sie gerne diskutieren, offensichtlich eher ein Thema für die postmodernen Mittelschichtler sind, die sich um die grundlegenden materiellen Bedürfnisse nicht mehr wirklich sorgen müssen.
Missionarischer Eifer ist nicht mein Ding (dafür bin ich mit 39 ca. 20 Jahre zu alt).
Aber was ist das Fazit:
Mund halten, weil es "dekadent" ist, sich zu solch abstrakten Themen wie Nachhaltigkeit usw. zu äussern?
Ich "glaube" an einen Weg jenseits von Konsumfetischismus und daran, dass ein glückliches Leben eben nicht unbedingt mit materiellem Wohlstand korrelliert.
Übrigens möchte ich gar nicht aufrufen, laut denken reicht mir vollends.
M. Wehning @ 23.01.2008 21:09 CET
Lieber Paradiesgartenbesitzer,
vielen Dank für die Hinweise.
Die Ideen der Permakultur finde ich ausgesprochen inspirierend- nicht nur für Gärten (hast du vielleicht an anderer Stelle hier schon gemerkt;-) ).
Manchmal denke ich auch, der philosophisch- hirnschmalzverbrauchende Aufwand ist gewaltig, um in vielerlei Hinsicht zu leben wie es noch vor 1 1/2 bis 2 Generationen selbstverständlich war, nämlich deutlich weniger ressourcenverschleudernd.
Aber durch Werbung und Beeinflussungen verschiedenster Art braucht es scheinbar soviel selbständiges Denken, um zu letztlich ziemlich simplen Schlussfolgerungen zu kommen...
Und ganz ehrlich: Ich will ja auch gar nicht leben wie noch vor 40/ 50 Jahren üblich. Aber vielleicht kann man das Erhaltenswerteste aus verschiedenen Zeiten nutzen.
Und auch hier sind wir wohl wieder bei Permakulturprinzipien, oder?
Ralf @ 24.01.2008 12:54 CET
Im Grunde ist es gar nicht so schwer das gesagte umzusetzten, wenn man sich öfter mal die einzig wahre Frage stellt, und zwar nach der Notwendigkeit. Notwendig kommt ja von Not abwenden und meistens tut es das nicht :)
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