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Wie wir uns mit unserer Preisfixiertheit selber schaden

Geiz ist zwar nicht mehr geil, aber noch immer ist trotz allem LOHAS-Gerede das wichtigste Kauf-Kriterium der Preis. Wenn wir ehrlich sind. Wir mögen zwar gerade noch zum Bio-Yoghurt greifen anstatt zum konventionellen Pendant, aber die Schmerzgrenze bei grösseren Beträgen ist schnell erreicht.
Geiz ist geil
Quelle: pixelio.de
Selber muss ich mich dieser Herausforderung auch immer wieder stellen. Bin ich bereit, 10 oder 20 % mehr für ein Produkt aus ökologischer, nachhaltiger Herstellung zu bezahlen?

Meine These: wenn der Preis unser hauptsächliches Kriterium für einen Kaufentscheid ist, schaden wir uns selber. Warum?
  • Ökologische Herstellung kostet: Mehraufwand durch Handarbeit, aufwändigere Produktionsverfahren, der Bezug von Energie aus erneuerbaren Ressourcen, etc. schlägt sich auf den Preis nieder.
  • Nachhaltigkeit kostet: Produkte aus dauerhaften, erneuerbaren Materialien, reparaturfähig entworfen, sind teurer.
  • Lokal produzieren kostet: Kehrseite des guten Lebensstandards mit hohen Löhnen und Sozialleistungen sind auch höhere Herstellungskosten.
Was nicht-ökologische, nicht-nachhaltige und nicht-lokale Produktion anrichtet, sehen wir seit einigen Jahren anhand von gewissen Umweltproblemen und Zuständen an momentan bevorzugten Billig-Produktionsstandorten.
Wählen wir das günstigste Produkt, dann nehmen wir in Kauf, dass irgendwo auf der Welt etwas unter erbärmlichen Bedingungen für Beschäftigte und Umwelt hergestellt wird, weit transportiert werden muss und nur noch weggeworfen werden kann, wenn es kaputt geht. Ausnahmen sind natürlich immer möglich, so ist zum Beispiel das Gemüse von einem Demeter-Hof in der Nähe, welches wir ab und zu direkt beziehen, günstiger als das vom Grossverteiler (lokal kann auch heissen: weniger Zwischenhandel).

Der Einwand, dass man sich bei höheren Preisen nicht mehr alles leisten könne, mag zwar richtig sein, zeigt aber unsere extreme Anspruchshaltung. Tatsache ist, dass die Kosten, um unsere Grundbedürfnisse zu decken, in den letzten Jahrzehnten ständig gesunken sind (Nahrung, Kleidung, ein Dach über dem Kopf).

Aber immer mehr Geld geht für Sekundärbedürfnisse (auch bekannt als Luxus) drauf, welche zunehmend als Selbstverständlich angesehen werden. Vielleicht sollten wir uns wieder einmal "Wenn die Erde ein Dorf wäre" oder "Neotopia" zu Gemüte führen, um die Relationen wieder richtig zu sehen. Luxus ist, was er ist: Luxus.

Amen. Der grosse Purist hat gesprochen.
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Kommentare (4)  Permalink

Kommentare

Horst (Blog ohne Diät) @ 27.11.2007 09:27 CET
Das Problem ist halt, zu erkennen, wo das Geld wirklich sinnvoll ausgegeben ist, und wo sich nur jemand dumm und dämlich verdient. Nicht alles, was teuer ist, muss auch gut sein.
herwig Danzer @ 27.11.2007 12:39 CET
Dein Artikel trifft für Serienprodukte ins Schwarze. Bei uns Möbelmacher kommt aber noch ein Aspekt hinzu, der uns ganz wichtig ist und sich auch auf den Preis, aber auch auf die Akzeptanz desselben auswirkt: die Individualität. Weil wir jeden Tisch gemeinsam mit unseren Kunden entwerfen und in Größe, Form, Funktion und Holzart anpassen, bekommen sie genau das, was ihnen und ihrem Raum gut tut. Von der Küche bis zum Couchtisch. Damit bekommt unser Produkt einen "Mehrwert", der nichts kostet, weil bei unserer Branche der Handelsanteil wegfällt und wir damit Einzelanfertigung auf dem Preisniveau der (guten Massivholz-)Serienmöbel anbieten können.

Wenn man die Individualität zu den von Dir schon angsprochenen Kriterien von Regionalität und Qualität (und damit auch Lebensdauer, Ökologie und Service) hinzufügt, weiß man, wann es einen Sinn macht Geld auszugeben und wann nicht. Lustigerweise waren wir mit den 50 Leuten von Ikea (aus jedem deuschen Haus ein Mitarbeiter)nach der Besichtigung unserer Werkstatt und der Diskussion der Preise genau der gleichen Meinung. Man bekommt was man bezahlt, bei Ikea und bei den Möbelmachern.

Mehr zur Preisdiskussion auch die von John Ruskin auf unserer
Preis-Sonderseite: http://www.die-moebelmacher.de/startseite/produkte/preise.html

Alles zur Ikea-Geschichte:
http://nachhaltigkeit.blogs.com/nachhaltig/2007/03/ikea_spioniert__1.html
Reto Stauss @ 27.11.2007 12:52 CET
@Horst: natürlich hast Du Recht, dass man den Preis nicht in reziproker Weise als Indikator für Qualität etc. ansehen kann. Leider.

@herwig: Danke für den ergänzenden Aspekt der Individualität! Welche - wie in eurem Fall - ja nicht mal unbedingt verteuernd wirken muss.
Thinkabout @ 28.12.2007 16:58 CET
Danke für die Offenlegung der Anspruchshaltung und den Hinweis über das Un-Verhältnis zwischen den Lebenskosten für primäre und sekundäre Bedarfsgüter. Genau diese erste ganz kleine Hürde, die wir schon meist nicht zugungsten der Umwelt überspringen, macht mich ziemlich mutlos!
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