Dankbarkeit ist eine mühsame Sache
Selten habe ich mich so schwer getan, ein Thema in einen Beitrag zu giessen. Die bisherigen Entwürfe waren unzusammenhängend und kamen zu keinem Punkt. Um was geht es? Wiewohl ich kein Freund von importierten Gebräuchen bin, wollte ich mir anlässlich des neuen Business-Blog-Karnevals zum heutigen Erntedankfest Gedanken zum Thema Dankbarkeit machen.
Mich sofort angesprochen hat, dass sich hier jemand aus der Welt der Krawatten-Träger sich auf solch meta-physischen Pfade begibt. Was mich wiederum an den Guru der LOHAS-Unternehmer, Karl Gamper, denken liess, weil der gibt und auch noch dankbar ist dafür. Er hatte mir unbekannterweise aus heiterem Himmel sein neustes Buch geschickt, zusammen mit einem netten Brief, in dem er mir für meinen Blog dankte.Undankbar wie ich bin, habe ich mich nicht nur dafür bedankt, sondern auch noch gleich gefragt, ob er mir nicht für ein paar Fragen zur Verfügung stehen würde. Was er wiederum dankend angenommen hat. Später konnte ich dann sogar zwei Kapitel aus seinem Buch als PDF auf meinem Blog zur Verfügung stellen.
Die ganze Zeit hat mir Karl das Gefühl vermittelt, dass ich es bin, der etwas zu geben hat, wogegen aus Geschäftssicht die Verhältnisse recht eindeutig waren (er erfolgreicher Autor, Coach, Berater, ich kleiner Nischen-Blogger). Natürlich war sein Verhalten erstklassiges Marketing für sein Buch (man sieht ja wie oft ich ihn positiv erwähne), aber ich nehme ihm ab, dass er es ernst meinte. Karl scheint wertgeschätzt zu haben, wie klein mein Multiplikator-Effekt auch ist, dass ich über ihn und sein Buch geschrieben habe.
| Quelle: pixelio.de |
Echte, absichtslose Dankbarkeit hat das Zeug, unsere Wirtschaft und Gesellschaft zu revolutionieren. Auch im nichtmenschlichen Umfeld könnte Dankbarkeit ein Heilsbringer sein: via Wertschätzung wäre damit unsere Wegwerf-Mentalität ("Danke, liebe Plastiktüte, dass Du meine Einkäufe so gut verpackst. Dafür schmeisse ich Dich nicht weg, sondern gebe Dir Sorge und verwende Dich wieder.") und via Achtung unser Mit-den-Füssen-Treten der Umwelt ("Danke, lieber Strassenrand, dass Du so vielen Arten ein Biotop bietest. Dafür werf ich die brennende Kippe nicht aus dem Wagenfenster.") zu kurieren.
Kommentare
In der Tat! Dankbarkeit ist ein Stück Wertschätzung. Warum sollten wir diese Wertschätzung nicht auch Gegenständen und im besonderen Maße der unberührten Natur entgegenbringen?
Vielleicht liegt es auch daran, dass wir uns häufig genug selbst nicht wertschätzen?
Geben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten, ist nicht einfach. Etwas entgegennehmen, ohne gleich den Drang zu verspüren, etwas zurückzugeben, ist auch nicht einfach.
Dankbarkeit kann da als Puffer dienen. Sie lässt einen bewusst werden, dass man auf jemanden oder etwas angewiesen ist, damit man überhaupt etwas bekommen kann. Wir bilden uns zwar ein, unabhängig existieren zu können - (leider) nur eine Illusion. Mit Dankbarkeit hängt Wertschätzung zusammen; die folgt automatisch, sofern man kein Holzkopf ist. Aber ob man gleich mit der Plastiktüte sprechen muss, ist eine andere Frage (kleiner Scherz ...).
@Patrick: zum Sprechen mit den Dingen: bei mir hört es schon bei den Bäumen auf, welche ich sehr mag, aber trotzdem nicht umarme ... aber das war ja nur eine Illustration für die Haltung, welche man Dingen gegenüber haben kann.
Hab ich schon verstanden; daher «kleiner Scherz». Bilder helfen meist besser, etwas zu illustrieren, als viele Worte; da hast du recht. Was ich wollte: Kleine Seitenhiebe auf «Eso-Formulierungen» würzen das Ganze ein wenig. Aber nicht, dass du gleich meinst, ich würde dich in die Eso-Ecke stellen. Missverständnisse entstehen schnell ...
Hallo Reto, schau mal unter http://www.joytopia.de nach.
Dort spiel Dank ein zentrale Rolle.
Wir haben Berd vor 2 Jahren kennengelernt und halten sein Projekt für einen schönen Ansatz.
Hab leider wenig Zeit, bis dahin liebe Grüße aus dem Paradiesgarten
@Michael: bei Joytopia habe ich auch schon reingeguckt, allerdings schien bisher eher Deutschland-lastig zu sein. Aber ich sehe gerade, dass es auch einige wenige Mitglieder in der Schweiz gibt. Mal sehen, was da entsteht ...

