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Nachhaltigkeit aus Sicht der Evolution, Teil 2

Teil 1 dieses Beitrages erschien gestern.

Der nächste Entwicklungs-Schritt
Die Spezie Mensch ist die (erste?) Art auf unserem Planeten, die es mit einer einzigartigen Fähigkeit zur globalen Dominanz gebracht hat: dem kreativen Geist. Das hat uns nicht nur die Beherrschung der Natur zu unserem Nutzen eingebracht, sondern macht uns, da wir uns immer weiter von bewährten, natürlichen Gleichgewichten entfernen, verletzlicher und anfälliger. Die Menschheit wird Geschichte sein, wenn eine der vermeintlichen Konstanten, auf welcher unser Leben basiert, kippt. Und deren sind viele: die Atmosphäre und deren Zusammensetzung, das Wasser mit Meeren, Flüssen und Seen samt zugehörigen Kreisläufen, die Sonneneinstrahlung, Böden mit Flora und Fauna, welche uns ernähren.
Die Erde in unseren Händen
Quelle: pixelio.de
Zwei Szenarien sind denkbar: entweder wir kommen mit zukünftigen Veränderungen, welche so sicher sind wie das Amen in der Kirche, klar - sei es auf natürlichem oder künstlichen Weg - oder wir werden an einem zentralen Nerv getroffen und danken ab. Frau Evolution wird sich ins Fäustchen lachen, aus der Frühpension zurückkehren und diese grossen Gehirne als skurile, nicht erfolgreiche Entwicklung abhaken. Die nächste Superspezie steht ja schon in den Startlöchern: die Insekten mit ihrer kollektiven Intelligenz.

Nachhaltigkeit und Evolution
Uns wird langsam bewusst, dass wir unsere Lebensgrundlagen zerstören. Aber ist der Ruf nach Nachhaltigkeit nicht einfach nur ein Festklammern an der Illusion, dass wir in einem stabilen Ökosystem leben? Ja und nein. Ja, weil wir Veränderungen nicht lieben, aber nicht aufhalten können. Das Klima hat sich schon immer verändert, mal hingen Eiszapfen von den Dächern, mal wuchsen Palmen im Garten.

Arten sind schon immer ausgestorben, manchmal bis zu 95 % aller Lebewesen, wenn wieder mal ein grosser Brocken auf der Erde eingeschlagen ist. Oder wenn eine Art zu dominieren begann und globalen Einfluss nahm. Als zum Beispiel eine Bakterienart begann, Sauerstoff zu produzieren, welcher sich in Folge in der Atmosphäre anreicherte, bedeutete das zuerst massives Sterben mit anschliessend explodierendem Leben, das sich auf die neuen Bedingungen eingestellt hatte.

Nachhaltigkeit als Lebensversicherung
Nachhaltiges Denken ist andererseits angebracht, weil die Menschheit noch auf sehr wackligen Füssen steht. Immer noch kann uns ein Ereignis treffen, welches uns zurück in die Steinzeit befördert, wenn nicht sogar auslöscht. Die Frage ist, was wir wollen: dass wir unabhängig von den planetarischen Ökosystemen werden und uns Kraft unserer Intelligenz mittels Technologien selber erhalten können oder dass wir in die natürlichen Kreisläufe eingebunden bleiben, uns ihnen damit aber auch unterwerfen.

Egal welchen Weg wir einschlagen mögen: wir brauchen im Moment und auf absehbare Zeit einen "funktionierenden" Planeten, welcher uns das Leben ermöglicht. Je früher wir die alte Dame Evolution in Rente schicken, desto verletzlicher werden wir insgesamt. Wir sollten uns Zeit lassen. Zeit, welche wir nur zur Verfügung haben, wenn wir das Ökosystem Erde erhalten. Auch als Notausstieg, wenn eines unserer vielen Experimente in die Hose geht.
Ähnliche Beiträge:
Nachhaltigkeit aus Sicht der Evolution, Teil 1
Kommentare (2)  Permalink

Kommentare

Christian @ 22.11.2007 00:42 CEST
Danke für dieses wirklich gut formulierte, besonnene, durchdachte Argument.

Wobei ich die Position vertrete: Wir nähern uns bereits in besorgniserregendem Maße so mancher Auslastungsgrenze und sollten daher auch nicht zu zögerlich im Experimentieren sein, wenn es darum geht, Alternativen zu bisherigen Kursen zu finden. Eine forscher betriebene Expansion einiger Bereiche in den Weltraum zum Beispiel könnte vielleicht einiges Entlastungspotential schaffen für den Mutterplaneten, bei vergleichsweise geringem Risiko für diesen.
Reto Stauss @ 22.11.2007 08:49 CEST
@Christian: Danke für die Blumen. Als alter Sci-Fi-Fan bin ich dem Gedanken an eine Verlagerung in den Weltraum nicht abgeneigt, allerdings - wie auch Schätzing schreibt - ist es verdammt unwirtlich da draussen ...
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