Praktisches Wissen: was ich weiss und woher
Folgender Text ist mein Beitrag zum Blog-Karneval "Praktisches Wissen".
Ich bin im schlechtesten und im besten Sinn ein Generalist. Abgesehen davon, dass es sehr schlechter Stil ist, einen Eröffnungssatz mit Ich zu beginnen, beschreibt er mein Dilemma recht gut (scheinbar nicht nur meins).
Ich bin im schlechtesten und im besten Sinn ein Generalist. Abgesehen davon, dass es sehr schlechter Stil ist, einen Eröffnungssatz mit Ich zu beginnen, beschreibt er mein Dilemma recht gut (scheinbar nicht nur meins).
Wenn ich mir überlege, was ich mir schon alles angelesen, welche Kurse ich besucht oder welche Projekte ich in Angriff gennommen habe, dann schaudert mich einerseits ob der Oberflächlichkeit und mangelnden Hartnäckigkeit, andereseits erstaunt mich die Fülle der Gebiete, auf welche ich mich bereits gewagt habe: Obstbäume schneiden, steinmetzen (wie heisst eigentlich das korrekte Tätigkeitswort?), Kachelöfen bauen, gärtnern, Motorräder reparieren, Möbel bauen, Brennholz schlagen, Campingbus ausbauen, Wiesen heuen, Nutztiere halten, Oliven ernten, trockenmauern und einiges mehr.Vorbelastet
Woher kommt das? Die Freude an manuellen Tätigkeiten wurde mir quasi in die Wiege gelegt: mütterlicherseits wurde und wird Landwirtschaft betrieben, väterlicherseits gehandwerkt. Entgegen meiner pauschalisierenden Feststellung, dass immer weniger praktisches Wissen in der Familie weitergegeben würde, war das gerade bei mir nicht der Fall. In Vaters Werkstatt und Mutters Garten habe ich mir manch blauen und den sprichwörtlichen (allerdings nur im Pastellton) grünen Daumen geholt.
Aber nirgendwo hat es mir den Ärmel so richtig reingenommen, stets war die Lust am Neuen (oder Unrast) grösser als die Motivation, mich zu vertiefen und mich über länger damit zu beschäftigen.
Aneignen
Was ich nicht in meiner Jugend mitbekommen habe, eigne/te ich mir aus allen möglichen Quellen an: Bücher, Zeitschriften, Kurse, Anleitung durch kompetente Personen und Vorbilder sowie vieles auch durch Ausprobieren. Ein paar Beispiele:
- Wie man Stein bearbeitet, habe ich mir in der Scuola di Scultura im Tessin zeigen lassen (bin sogar auf der Titelseite abgebildet, wie ich gerade sehe). Anschliessend habe ich das eine Zeit lang in einem Bildhauer-Atelier vertieft.
- Wie man Obstbäume schneidet, hat mir das erste Mal mein Grossvater gezeigt. Theorie dazu habe ich mir angelesen und zur Auffrischung auch ein, zwei Kurse besucht.
- Natur- und Trockenstein-Mauern habe ich unter anderem bei einem Selbstversorger in Griechenland und einem Arbeitseinsatz bei der Stiftung Umwelteinsatz gelernt.
- Motorräder reparieren habe ich mir mit Hilfe von Handbüchern selber beigebracht.
- Kachelöfen habe ich als Hilfsarbeiter beim Hafner meines Vertrauens gebaut.
Da ich mich nirgendwo als Experte fühle, bin ich nicht sehr offensiv mit der Weitergabe meines (Halb-)Wissens. Allerdings setze ich grosse Hoffnungen in unsere bald Zweijährige, die einem immer im Umkreis von zwei Metern um die Beine wuselt und ständig "Simona ächli hälfe" skandiert. Wobei der Lerneifer eventuell temporärer Art ist.
Ein bisschen was versuche ich auch hier weiterzugeben, was aber eher als Anregung zur Diskussion zu verstehen ist. Heizen mit Holz oder Tierhaltung mit Schwerpunkt Geflügel wären Beispiele.
Am liebsten sind mir gemeinsame Arbeitseinsätze, möglichst ohne Lehrer/Schüler-Gefälle, bei denen man auf gleicher Ebene zusammen etwas erarbeitet und von gegenseitigen Erfahrungen profitieren kann. Sobald ich auf eigenem Grund und Boden auch grössere Projekte in Angriff nehmen kann, werde ich das sicher vermehrt tun.
Kommentare
@Ralf: Generalisten aller Länder, vereinigen wir uns! Oder gründen eine Selbsthilfegruppe. ;-)
Nichts gegen Generalisten! Aus meiner - etwas längeren- Erfahrung weiss ich, dass diese ganz tolle (und brauchbare) Ehemänner und Väter werden... Denn schliesslich gehts ja nicht nur ums herstellen, sondern mit der Zeit viel mehr ums flicken von dies und jenem und fast allem!
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