Praktisches Wissen: Aus dem Nähkästchen geplaudert (Gastbeitrag)
Praktisches Wissen? Ich weiß, wie man näht, weil ich aus einer Schneider-Dynastie stamme. Angeeignet? Durch Trampeln auf der Singer-Nähmaschine meiner Oma. Zugucken bei meiner Mutter.
Grund (die Frage fehlt)? Wissen-Wollen, wie es funktioniert. Spaß. Zu faul, mit der Hand zu nähen. Wie angeeignet? Probieren, mehrfach gestochen. Hart geblieben: Wenn die es konnten, kann ich es auch.Quellen: Oma, Mama, Schneider-Bücher. Weitergeben? Ha! Penetrant hartnäckig. Letzter Auslöser: Ich sah, wie meine Tochter ihre Hose erst mit Sicherheitsnadeln, dann mit Klebeband, dann mit Tacker "umnähte". Zwischendurch auch mit Sekundenkleber. Ich dachte: Jetzt, oder nie. Ich zeigte ihr, wie es geht. Per Hand und mit Maschine (inzwischen ein elektrisches Modell). Ich zeigte ihr den Hexenstich.
Seitdem trägt sie Röcke. Ich schätze mal, sie wird nie zur Selbstversorgung beitragen. Mein Wissen wird mit mir sterben. Ich hoffe, noch nicht bald.
Ich kann nicht nur nähen. Ich kann auch Mehlschwitze machen, aus Malzbier und Ei einen Drink zum Gesundwerden anrühren, aus richtigen Gurken Gurkenmaske herstellen, Sicherheitsnadeln aufheben, falls man mal welche braucht, Haarbürsten waschen (was sehr nötig ist), Blusen und Herrenhemden bügeln, Wäsche ausstreichen (und vor dem Waschen die Krümel aus den Ecken der Kopfkissen rauspulen), Briefmarken anlecken und schmutzige Wäsche jeden Abend gleich(!!!) in den Wäschekorb schmeißen, ehe daraus hohe Stapel bzw. dicke Klumpen werden.
Außerdem weiß ich, dass man Haare nicht mit dem Kamm, sondern mit einer Bürste toupiert. Und dass man auf Schuhe spucken muss, damit sie beim Polieren blank werden. Zu meinem neuesten praktischen Wissen gehört, dass es neben der Telecom andere Anbieter gehört, die genauso schlecht sind und dass es toll ist, wenn man mit seinem alten Auto, das man gerade verkaufen wollte, einen unverschuldeten Unfall hat. Ha!
Kommentare
Ein guter blog! Sehr ehrlich....... Leider werden die Gründe nicht vorgestellt, die erklären könnten, warum die Tochter nicht in den Kunst eingeführt wurde, wie man mit einer Nähmaschine umgeht. Vielleicht könnte man das nachholen?
Ich kann mich in diesem Zusammenhang an meine Großmutter erinnern, die eifersüchtig darauf achtete, dass ich ihr beim Kochen nicht in die Quere kam. Kuchenteig rühren durfte ich dagegen. Der Grund war klar:Beim Kochen wusste sie ihre Kenntnisse bezüglich Tricks, Gewürzen und Mengen geschickt zu verbergen; das Kuchenteig rühren war ein Akt der Zeit, man brauchte sich weiß Gott nicht viel zu merken, "Herrschaftswissen" war das nicht. Vielleicht ist das üblich unter Frauen, und Väter und Söhne verhalten sich solidarischer.... Ich würde mich über eine Diskussion freuen.
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