Praktisches Wissen: eine persönliche Wiederannäherung
Praktisches Wissen sitzt nicht im Verstand, sondern in den Händen. Es ist ein Verstehen von Materialien und Werkzeugen, ein Verständnis für das richtige Anfassen und die richtigen Bewegungen, welches nur durch Erfahrungen gewonnen werden kann.
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| Dieses Bild basiert auf dem Bild Grasmahd mit Sense aus der freien Mediendatenbank Wikimedia Commons und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist Werner Eschrich. |
Was lässt sich also praktisches Wissen aneignen? Auf die gleiche Weise, wie meine Kinder das Laufen lernen: ein Bein vor das andere, hinfallen, aufstehen, weitermachen. Ich kann lange nachlesen, wie man mit der Sense mäht, aber erst wenn ich in der Wiese stehe und das Blatt schwinge, kann ich mit allen Sinnen und ganzem Körper beginnen, zu verstehen.
Nicht nur deswegen lernt man manuelle Tätigkeiten am leichtesten von jemandem mit entsprechender Erfahrung. Leider hatte ich in meinen Anfängen des Sensenmähens niemanden, der es mir hätte zeigen können, ich habe einfach mal probiert. Vor noch nicht allzu langer Zeit hätte dies zu meinem "Allgemeinwissen" gehört, wenn ich auf dem Land aufgewachsen wäre. Heute müssen wir uns das und anderes selber beibringen.
Kommentare
Bei mir im Büro lachen sie immer wieder über meine Anflüge von Selbermachen. Ich bin aber nach wie vor der Meinung, dass das selber gemachte einen ganz anderen Wert hat. Sehr wahrscheinlich sogar im Endeffekt "Kultur" bedeutet? Schade wieviel "Selbermachen" wir uns schon wegnehmen lassen haben! Unsere Dienstleistungsgesellschaft erstellt einfach zu wenig selbst!
Ich freue mich schon darauf meine eigene Wiese mit der Sense zu schneiden (auch wenn es meiner bester aller Ehefrauen wahrscheinlich zu lange dauert bis ich fertig bin). Vielleicht kann ich bei Dir ja ein paar "Sensestunden" nehmen?
Was mir auch auffällt dabei ist, dass es noch mehr Spass bereitet in einer Gruppe etwas zu erschaffen. Ich finde es viel erbauender während einer leichten Arbeit mit jemandem ein Gespräch zu führen, als ins Sofa gezwungen Pflichtkonversation zu machen.. :)
@Daniel: ein schöner Gedankengang: Selber machen = Kultur. Und natürlich kannst Du gerne mal zu mir kommen und hier in einem Workshop mit der Sense mähen ;-). Aber wie gesagt: bin auch nicht der Sensemäh-Guru, habe aber das eine oder andere gelernt. Das Gruppenerlebnis schätze ich jeweils sehr in Kursen und Seminaren, aber wenn man das auch im privaten Bereich vermehrt erleben könnte, wäre das natürlich toll.
@Reto: Wie nah stehst Du eigentlich der Waldorf-Pädagogik? Irgendwie klingt das alles so danach. 8-)
Was man übrigens nicht vergessen darf, ist der Geist, der selbstgemachten Dingen innewohnt. Selbst der von mir selbst reparierte Herd, backt plötzlich viel besser als zuvor. 8-)
@Horst: hmm, Steiner ist mir schon ein Begriff, aber ich kenne nur Schlagworte und habe mich bisher nicht im Detail damit beschäftigt. Auch wenn das Goetheanum nur einen Katzensprung weit weg ist ...
Und gute Nachrichten vom Herd ;-)!
Kleiner Gedankengang zur Wortwahl:
Verstehen kann ich einen Vorgang passiv durch Beschreibung, Erklärung, Bilder etc.
Begreifen - dazu muss ich etwas anfassen, be-greifen, und aktiv tun.
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