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Ein wenig bekannter Weg, um nachhaltiger zu leben

Wenn wir nachhaltiger leben und unseren Lebensstil vereinfachen wollen, dann gibt es einen simplen, aber effektiven Weg, dies zu erreichen. Nämlich? Indem wir weniger konsumieren. Bevor die ersten Steine fliegen, lasst mich erklären. Wenn die Industrienationen weitermachen wie bisher und alle Schwellenländer auf den gleichen Standard aufholen, dann fliegt uns diese Erde um die Ohren. Wie korrekt all die Fussabdruck-Rechner stimmen, kann man diskutieren, dass wir aber auf zu grossem Fuss leben, sollten wir doch in Betracht ziehen.
Auf der einen Seite lässt sich Konsum durch Verzicht einschränken. Einleuchtend, aber zu schmerzhaft, als dass es ausserhalb eines asketischen Kreises auch wirklich getan würde. Aber es gibt andere Ansatzpunkte, welche ebenfalls zu einem Minderkonsum führen:
  • Keine Frustkäufe mehr: Allzu oft kaufen wir, einfach weil uns danach ist. Wir haben Zeit, uns ist langweilig, wir sind gefrustet oder wollen abgelenkt werden. Befriedigung wir diese negativen Gefühle mit Konsum, betreiben wir Symptom-Bekämpfung. Werbung suggeriert aber häufig genau die Befriedigung der tieferliegenden Bedürfnisse, was aber eine Illusion ist.
  • Selber machen: Warum nicht selber herstellen, was wir brauchen? Keine Zeit? Es ist eine Binsenwahrheit, dass man Zeit nicht hat, sondern sie sich nimmt. Kann ich nicht? Ja, unser Bildungssystem macht uns nicht gerade zu Generalisten und grundlegende Fähigkeiten wie Kreativität und Handwerk und gesunden Menschenverstand werden nicht geschult. Aber hey, mal wieder selber zu kochen, statt eine Fertigmahlzeit in die Mikrowelle zu schieben oder einen zerbrochenen Teller wieder zu leimen, das kriegt man auch mit zwei linken Händen hin.
  • Verschlampen & verzögern: Kehren wir das Prinzip "Was Du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen" in Bezug auf unser Kaufverhalten um und rennen nicht jedem Furz auf der Stelle nach. Oder/und nehmen kein (Plastik-)Geld mit. Verschaffen wir uns selber einen Mangel an Gelegenheit, indem wir unsere Freizeit nicht in Einkaufszentren und -strassen verbringen.
  • Qualität statt Preis: Achten wir wieder vermehrt auf die Qualität der Ware, nicht auf den Preis. Oft halten solid gefertigte Produkte ein mehrfaches länger als das Billigstangebot vom Discounter. Allerdings stimmt dies nur, wenn Abnutzung oder Unbrauchbarkeit eines Gegenstandes Hauptkriterien für eine Neuanschaffung sind und nicht Mode und Trends.
  • Reparieren statt ersetzen: Mit den heute zum Teil absurd tiefen Neupreisen von gewissen Produktekategorien (Elektronik, etc) lohnt sich eine Reparatur nicht, wenn man nur eine finanzielle Betrachtung macht. Eine Vollrechung inklusive Energiebilanz wird allerdings die Waagschale in Richtung Reparatur kippen lassen. Ob man noch eine entsprechende Werkstätte findet, ist eine andere Frage.
Unseren Konsum einzuschränken, ist eine von den Schritten, welcher Josh Kearns vorschlägt, um die negativen Effekte der Globalisierung abzuschwächen. Und passt ausgezeichnet zu meinem Verständnis von einem einfachen Leben. Ein Beispiel, welches obiges Verhalten illustriert, ist meine nachahmenswerte Nicht-Neuanschaffung eines Freizeitanzuges:
  • Da für mich einkaufen, vor allem Textilien, eine Pein ist, komme ich nicht in Versuchung, damit negative Gefühle kompensieren zu wollen.
  • Wenn mir meine bessere Hälfte wieder mal die Scheidung androht, wenn ich mit meinem alten, halb-zerfledderten, aber zeitlosen Klassiker rumlaufe, dann werde ich ihr das nächste Mal vorschlagen, dass ich so ein Ding selber stricke oder webe.
  • Nein, trotz Ankündigung, habe ich immer noch keinen neuen gekauft.
  • Der edle Retro-Ausstatter hat immer noch ein gefälliges Modell im Angebot. Ist bestimmt in die dritte Generation vererbbar.
  • Flicken lohnt sich in diesem Fall wirklich nicht mehr. Der Zeitpunkt, wo man mit relativ wenig Aufwand Löcher hätte stopfen können, ist schon länger verstrichen.
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Kommentare (23)  Permalink

Kommentare

Olaf @ 10.09.2007 15:33 CET
Schön, dass du einem (fast) immer aus dem Herzen sprichst. Falls du aber wirklich nachhaltige Kleidung suchst, dann versuche einfach die im Museum ausgestellten Stücke von Angus McPhee zu bekommen. Geflochten aus verschiedenen Gräsern in Schottland ;-)
Olaf @ 10.09.2007 15:39 CET
Noch eine kurze Ergänzung: http://www.guru-shop.de/

Dort findest du evtl. auch ein paar Dinge, die dich interessieren oder evtl. deine Leser.
Horst (Blog ohne Diät) @ 10.09.2007 16:23 CET
Schöner Beitrag. Ich gebe Dir in vielen Punkten recht. Allerdings kan man es mit dem Selbermachen auch übertreiben. Ein eigenen Blog-System zum Beispiel. 8-)
Was Klamotten angeht, so rentiert sich bei Kindern durchaus Qualität. Die wachsen zwar relativ schnell raus, aber ich bin doch erstaunt, wenn unsere jetzige Jüngste Sachen von Ihren großen Brüdern anhat, die noch ziemlich gut aussehen. Andere Teile haben sich in der gleichen Zeit schon komplett aufgelöst.
Michael @ 10.09.2007 19:50 CET
Kann Dir nur zustimmen. Eine Ergänzung hätte ich noch:

Sparen und darauf freuen!

Das Ansparen für etwas (z.B. aus dem Manufactum-Katalog ;-), auch etwas Geld-Intensiverem (hier definitiv aus dem Manufactum Katalog) und die Vorfreude, dieses dann auch endlich zu bekommen - unschlagbar.
Stephan @ 10.09.2007 20:40 CET
Bleibt dann noch das Problem zu lösen, wie die Leute sich ernähren sollen, die das im Moment Überflüssige herstellen.

Obwohl, das Problem gibt es ja kaum noch, da das ganz Billig-Zeugs aus Fernost und eh nur noch Qualitätsware von hier ist (Textilien).

Das ist ein ganz feiner Artikel, den würde ich mal als einer deiner besten 5 einschätzen.
Reto Stauss @ 10.09.2007 21:04 CET
@Olaf: wir wollen ja keine nackten Mumien in den Museen, deshalb lieber selber flechten. Danke für den Tipp. Und eben: nicht shoppen. ;-)

@Horst: selber machen soll man in erster Linie, was einem Spass macht und was man vielleicht auch noch gut kann. In ein paar Jahren wird auch Dein Code laufen :-).

@Michael: danke für die Ergänzung!

@Stephan: die Leute, welche heute Überflüssiges herstellen, sind dann damit beschäftigt, sich selber zu versorgen. Und danke für die Blumen.
Waldweiblein @ 11.09.2007 07:48 CET
*g* So ein bißchen erinnert mich das an das Argument meines Mannes zu seinem Haus-Outfit "Wieso denn, der tut's doch noch..."
Ich kann deine Frau allerdings verstehen, manches kann man am eigenen Mann einfach nicht mehr sehen.
Allerdings hab ich ihm (mit etwaws Glück auch gefunden) einfach einen neues Heim-Dress gekauft, natürlich nach seinen Kriterien ;-)
Reto Stauss @ 11.09.2007 08:48 CET
@Waldweiblein: genau die Tour hat meine Frau auch versucht und mir einen Gutschein auf den Geburtstag geschenkt ...
Olaf @ 11.09.2007 16:45 CET
Hatte ja auch mehr Spaßcharakter :-)
Aber ich finde es trotzdem hochinteressant, dass man aus Gräsern vollfunktionstüchtige Kleidung flechten kann.
subster @ 12.09.2007 06:37 CET
Wunderbarer Beitrag. Gedanken die ich schon oft geteilt habe, aber noch nie auf die Idee gekommen bin, eben diese aufzuschreiben.

Wir sehen uns in Frankfurt?
Reto Stauss @ 12.09.2007 06:59 CET
@subster: Würde natürlich gerne mal sehen, wer hinter dem geheimnisvollen Pseudonym steckt, aber ich werde es nicht schaffen, leider. Der Aufwand ist einfach zu gross.
Ina @ 12.09.2007 13:11 CET
Reto,
Du schreibst mir aus der Seele!
Und das als Kontrast:
Die Mediamarkt-Eröffnung:
http://www.welt.de/webwelt/article1177330/Viele_Verletzte_bei_Media-Markt-Eroeffnung.html
Reto Stauss @ 12.09.2007 13:15 CET
@Ina: meine Fresse, habe gedacht, dass passiert nur bei Harry Potter. Dort habe ich noch ein gewisses Verständnis ...
InaMS @ 12.09.2007 18:05 CET
Kann es sein, dass Deine Trackback-Funktion nicht funktioniert?
Reto Stauss @ 13.09.2007 06:55 CET
Hmmm, letztmals wurde am 17. August ein erfolgreiches Trackback gesendet. Jetzt ist allerdings nichts angekommen ...
chregu @ 13.09.2007 07:45 CET
Trackbacks muss man freischalten, kann es sein, dass die in der "moderated" queue noch sind? Falls nicht, einfach bug erfassen unter https://jira.liip.ch/browse/FLX , wir schauen's dann an
Reto Stauss @ 13.09.2007 08:18 CET
@chregu: nein, es liegt kein entsprechender Eintrag in der Moderated-Queue, das habe ich kontrolliert. Bisher haben Trackbacks eigentlich funktioniert.
InaMS @ 13.09.2007 09:40 CET
Ich habe hier
http://www.kreative-strukturen.de/2007/08/16/kritisch-konsumieren-und-produzieren/#more-139
zu Dir verlinkt.
Reto Stauss @ 13.09.2007 10:40 CET
@Ina: würdest Du bitte nochmal probieren?
Konsumguerilla @ 13.09.2007 17:02 CET (Trackback)
…einfach keine Alternative finde? Schwierige Situation, denn das “Verzichten können” ist nicht unbedingt eine Tugend unserer Epoche. Nun allgemein wollte ich mit diesem Beitrag nur folgendes vermerken, anregen: Computer, Techni...
Kap Horn @ 17.02.2009 00:05 CET
Hej Reto!

Wie Du dich vielleicht erinnerst, so ist das ein Thema das mich nicht nur interessiert, sondern ich versuche zu erleben, wie es ist mit einfachen Mitteln zu leben, ob es geht, wie es geht, und letztendlich ob ich so leben will.

Auf die Frage, ob es geht ist die Antwort "ja", auf das "wie" kann man in meinem Blogg nachlesen.

Allerdings die Frage ob ich so leben will, ja auf die habe ich noch immer keine richtige Antwort

Und auch ich will mehr...ausser der Photovoltaikanlage, so ist meine Stromerzeugung mit einem Windkraftrad gewachsen.
Aber jetzt reicht es denke ich, denn nun kann ich ohne auf jedes Watt zu schauen, einfach Licht im dunklen schwedischen Winter anmachen und das ist viel wert.

In diesem Sinne, lichte Gruesse von

Kap Horn
zur Zeit mal wieder auf der Ostsee unterwegs
Reto Stauss @ 18.02.2009 08:14 CET
@Kap: Deine momentane Wohnform ist in dem Sinne halt extrem, weil Du quasi Einsiedler bist. Mir sind Hasenställe aka Einfamilienhäuser-Quartiere, in dem jedes Häuschen zwei Meter Rasen drum herum hat, auch ein Gräuel, aber dauerhaft alleine im Wald zu leben, kann ich mir dann doch nicht vorstellen (zeitweise durchaus). Aber ich weiss natürlich nicht genau, warum Du die Frage nach dem Wollen noch nicht eindeutig beantworten konntest ...
Kap Horn @ 20.02.2009 08:15 CET
Hej Reto!

Ganz einfach: das halbe Jahr "wohne" ich an Bord, und ein kleines Haus in einer Kleinstadt ist die Plattform, um dieses "Experiment" durchfuehren zu können!

Ich wollte ganz einfach schon immer einmal ausprobieren, wie es ist mit noch weniger als dem schon Wenigen in der Stadt auszukommen.

Ausserdem ist es auch eine Art Sicherheit, denn die Zeiten die auf uns zukommen, sind erstmal alles andere als rosig.

Ich bin mir allerdings auch darueber bewusst, dass dies keine Alternative fuer die "Masse" ist.

Und da ich nur "alternaive" Energie benutze, so sehe und spuere ich auch deren Begrenzungenm und kann nicht in den "Chor der Befueworter" uneingeschränkt einstimmen.

Ich bin einfach nur dabei, Erfahrungen zu sammeln...

So ungefähr erstmal meine Antwort.

Kap Horn
der noch viel zu lernen hat
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