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Im Gespräch: Karl Gamper

Karl Gamper ist Autor des im August erscheinenden Buches "ES IST ALLES GESAGT. 22 Beispiele einer Neuen Wirtschaft", von welchem Kapitel 7 und Kapitel 8 als PDF hier heruntergeladen werden können.
Karl Gamper
Quelle: gamper.com
Bitte erkläre kurz, wer Du bist und was Du machst.

Was ich mache? Leben. Unsagbar gern. Mit Jwala, meiner Seelenfrau, mit unseren beiden Kindern, die erwachsen sind und wunderbare Menschen. Ich arbeite als Autor. Dieses Wort mag ich. Es kommt von "Hinhören" - jemand, der lauscht, forscht, ergründet, aus der Stille Erkenntnisse formt und weitergibt. Zu schreiben ist meine Leidenschaft - und damit verdiene ich auch unser Geld.

Was verstehst Du unter Nachhaltigkeit?
Den inneren Reichtum nachhaltig im eigenen Leben auszudrücken. Nachhaltigkeit ist ein Zwigespräch mit der Erde, mit unseren Wurzeln - kein mentales Konzept. Und wenn ich sage "Erde" - dann meine ich vor allem Gaia und integriere bewusst auch den energetischen, den inneren Aspekt. Wesen meint das wesent-liche - von uns allen.

Du schreibst, ein Drittel der Bevölkerung könne der neuen Bewegung in Richtung Nachhaltigkeit und Gesundheit zugerechnet werden. Woher kommt diese Zahl? Und sind verglichen mit diesem eigentlich grossen Anteil die Auswirkungen auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt nicht eher enttäuschend?
Die Zahl ist solide erforscht. Sie kommt aus der Werteforschung; aus einer Befragung von ca. 100.000 Menschen. Das ist für eine Studie enorm viel. Sie wurde ermittelt und publiziert von Prof. Paul Ray. Enttäuschend? Nun ja - das kommt auf den Standpunkt an. Ich möchte nicht das halbvolle und halbleere Glas strapazieren - sondern eher auf die Rasanz der Steigerung verweisen. In den 1980ern war diese Gruppe noch so klein, dass die demoskopisch gar nicht erfasst wurde. Heute ist es die am schnellsten wachsende "Szene" - seit es Werteforschung gibt.

Wir erleben einen radikalen Paradigmenwechsel. Die Fokussierung auf das "Äußere", auf die "Materie" wird dünner. Zunehmend erkennen immer mehr Menschen für sich, dass das Außen eine Projektion unseres Inneren ist. Die Welt - die anderen - ist/sind ein Spiegel unseres Bewusstseins. Wenn das "Königreich" inwendig in uns ist - dann ist es doch sinnhaft, unser Bewusstsein zu strukturieren, den Geist zu formen. Denn das, was der Geist fühlend wahrnimmt, verdichtet sich zur Form.

Wie gesagt: Die Anzahl der Menschen, die das nicht nur verstehen, sondern für ihr Leben anwenden, steigt signifikant. Hinzu kommt, dass Wissenschaft und Mystik sich aufeinander ergänzend zubewegen. Gleichzeitig dauert es - bis gewachsene und tradierte Formen sich wandeln. Erschwerend hinzu kommen zementierte Interessenslandschaften aus Geld, Macht und Einfluss, denen sowohl Lust als auch Verständnis für Transformation mangelt.

Stichwort Kulturell-Kreative: wo liegen Gemeinsamkeiten, wo Unterschiede zu LOHAS?
Menschen, die in ihrer Kultur nicht-konformistische, unkonventionelle Ideen leben, werden Kulturell-Kreative genannt. Diese Menschen konsumieren bevorzugt LOHAS-Produkte. Auf der einen Seite haben wir also ein Wertekostüm von Menschen - auf der anderen Seite Produkte und Dienstleistungen. Wir können sagen: LOHAS-Produkte sind das Ergebnis kulturell-kreativer Wertehaltungen von Menschen.

Trotz LOHAS bleiben wir eine Konsumgesellschaft. Eine bewusstere und nachhaltigere vielleicht, aber wird das reichen, um die dringendsten Probleme auf der Welt zu lösen?
Höre ich auf den Ton der Frage - so klingt das, als wäre eine Konsumgesellschaft etwas zu Verurteilendes. Der Ausweg liegt aus meiner Sicht in einer radikalen Verlagerung der Aufmerksamkeit. Und zwar hin zum eigenen Bewusst-Sein. Hin zum unsterblichen, unsichtbaren, essentiellen Wesen in uns. Werden wir uns kollektiv unseres inneren Reichtums bewusst, so transformieren wir uns als Menschheit hin zu Mitschöpfern.

Sobald ein Mensch diese Ebene des Seins berührt, erblühen Eigenverantwortung und Wertschätzung. Wir docken uns an an die Frequenz der Freude; denken, sprechen und handeln somit aus einer Haltung der Freude, der Wertschätzung und vermeiden die Räume der Angst, der Gier und des Mangels. Die Evolution hat sich immer in Sprüngen bewegt, nie in linearen Berechenbarkeiten.

Und warum sollte das System "Mensch" nicht von der Illusion der Trennung zur Domäne eines gelebten, beherzten, bewussten Miteinanders mutieren?

Könnte nicht eine freiwillige Einfachheit, wie sie LOVOS anstreben, einen Hinweis auf einen zukünftigen Lebensstil sein? Ein Lebensstil, welcher wirklich nachhaltig ist und uns als erste Welt im Ressourcenverschleiss wieder irgendwo in eine vernünftige Relation zu einem nachhaltigen Verbrauch bringen kann.
Der Aus-Weg liegt nicht im Außen - sondern im Inneren. Hier wohnt unser unbegrenztes Potenzial, das nur darauf wartet, aus der Illusion eines hautverkapselten Ichs zu erwachen und aus dem selbsterbauten Gefängnis auszubrechen, um die Freuden der Freiheit und eines gut gelebten Lebens zu genießen.

Permakultur beschreibt eigentlich eine Methode, welche über das heutige Anwendungsgebiet landwirtschaftlicher Anbau hinausgeht. Siehst Du hier ein Potential, wie die Prinzipien auch in der Wirtschaft gewinnbringend (in einem umfassenden Sinn) angewandt werden können?
Permakultur mag im Konzert unendlicher Möglichkeiten eine Rolle spielen. Der springende Punkt ist, die Illusion eines getrennten, hautverkapselten Egos abzuschütteln und jene Ermächtigung in unser Leben zu laden, auszudrücken und im Alltag umzusetzen, die unser Geburtsrecht ist. Die schlechte Nachricht ist, damit muss jede und jeder bei sich selbst - und nur bei sich selbst - anfangen.

Warum eine schlechte Nachricht? Weil damit der "andere" als Sündenbock und Projektionsfäche verloren geht. Was bleibt? Eigenverantwortung! Wofür? Für jene Realität, die jede Frau und jeder Mann für sich wählt und schafft.

Ein weiteres Interview aus einem etwas anderen Blickwinkel ist auf LOHAS Lifestyle erschienen.
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Kommentare (9)  Permalink

Kommentare

Markus Hübner @ 13.08.2007 14:59 CET
Karl Gamper versteht es einfach meisterlich diesen Umbruch und den Einblick in einen fundamentalen Wandel zu vermitteln. Ich hoffe innig, viele Menschen erkennen den im Buch erwähnten InnerUSP. Was wäre das wohl für eine schöne Welt ...
InaMS @ 14.08.2007 10:25 CET
Vorab möchte ich sagen, ich habe bisher nur wenige Ausschnitte gelesen. Dennoch ein paar Gedanken dazu: Ich glaube, man könnte das Buch von Gamper u.a. an all jene in seinem "Freundes-" und Bekanntenkreis verteilen, die einen mit ihren überskeptischen Warnhinweisen und verletzenden Witzeleien (oft wird die negative Kraft dieser Spötteleien garnicht bemerkt) blockieren, sobald man es wagt, andere Weg zu denken, zu beschreiten und zu äußern. Besonders schwierig ist da die Anfangsphase, in der man ja nur seine Vision aber noch keine Erfolge vorzuweisen hat. Hier stellt Gamper in seinem Buch nun erfolgreiche (!) Muster-BrecherInnen vor. Das kann anderen Mut machen. Ich gebe zu, ich bin eher skeptisch, was Ratgeber oder sog. Bestseller angeht, kenne ich doch genügend Menschen, die gängige Konventionen im Wirschaften brechen, ohne dazu eine Anleitung benötigt zu haben. Dein Artikel und das Interview haben mich aber nun doch neugierig gemacht.
Reto Stauss @ 14.08.2007 10:42 CET
Das Buch - weniger ein Ratgeber - gibt wenig Anleitung für Konkretes, vermittelt aber ein Gefühl von Aufbruch und motiviert, selber initiativ zu werden. Mir ging es auf jeden Fall so.
InaMS @ 14.08.2007 10:59 CET
Da ich selbst seit Jahren initiativ bin, wäre meine Verwendung des Buches, es Zweiflern in meinem Umfeld zu schenken. Meine Ergebnisse sind andere als z.B. das Projekt Teekampagne und daher für Zweifler in meinem Umfeld nicht immer sichtbar, wohl aber für mich spürbar. Statt Ratgeber sage ich dann besser Beispielgeber. Ich bezog mich da auch auf die Stelle im Ausklang des Buches in der es heißt: "Die Treppe in die Freiheit hat 4 Stufen.", die dann erläutert werden. Von solchen und ähnlichen Checklisten und Allheilmittel-Ratschlägen wimmelt es mir einfach zuviel.
InaMS @ 14.08.2007 11:16 CET
Ergänzung:
"Von solchen und ähnlichen Checklisten und Allheilmittel-Ratschlägen wimmelt es mir einfach zuviel."

Damit meine ich, generell gibt es in allen Medien davon (zumindest für meinen Geschmack) viel zuviel. Ich meinte jetzt nicht dieses eine genannte Buch von Gamper.
Reto Stauss @ 14.08.2007 12:17 CET
> ... wäre meine Verwendung des Buches, es Zweiflern in meinem Umfeld zu schenken.

Leider hilft Missionieren in den seltensten Fällen ... aber warum nicht probieren? Aber natürlich wäre es toll, wenn Du in Deinem Umfeld auf mehr positive Resonanz stossen würdest - auch aufbauender.

Aber ist es nicht das Los der Propheten und Visionäre, dass sie im eigenen Land nicht verstanden werden? ;-)

Zuviele Ratschläge und Checklisten? Das scheint das aber ein Bedürfnis der nicht oder nur teilweise selber denkenden Masse zu sein ...
InaMS @ 14.08.2007 13:07 CET
"Leider hilft Missionieren in den seltensten Fällen"

Das sehe ich auch so. Nach anfänglicher Enttäuschung über negative Resonanz, ist mir das heute egal. Statt den Kontakt zu Miesmachern (gemeint sind damit nicht die konstruktiven Kritiker) wortlos abzubrechen, hätte ich jetzt gleich noch ein nettes Geschenk parat. ;-)

Und, was sehr schön ist, es gibt inzwischen viele Gleichgesinnte im real life und im Web. :-)

Übrigens: Mein Bereich ist die Büroorganisation. Dort setzte ich mich dafür ein, dass Arbeitsräume auch Lebensräume sind mit Freiraum und passenden Strukturen.
InaMS @ 17.08.2007 17:15 CET
Lieber Reto,
sag mal, Kapitel 7 enthält gerade mal 3 Seiten Text zum Thema Circle Training? Alles andere ist Vorspann, Inhaltsverzeichnis und Abspann, wie auch in der anderen zum Download angebotenen pdf-Datei? Ist das korrekt oder habe ich eine falsche pdf? Ich meine nun damit nicht, dass nun jeder seine Bücher kostenlos bereitstellen soll. Keinesfalls, es steckt viel Arbeit darin. Vielen Dank, dass wir mal reinschauen können, nur erscheint es mir zu viel "Geklappere" für eine Kostprobe von nicht mal 3 A4-Seiten Text. Ich hatte es so verstanden, dass ich Kapitel 7 lesen kann. Das können doch nicht nur 3 Seiten sein, oder?
Reto @ 19.08.2007 10:13 CET
Ina, Kapitel 7 ist tatsächlich vollständig mit den drei Seiten. Ist, glaube ich, das kürzeste und "unergiebigste". In Kapitel 8 sind es immerhin acht Seiten.

Das ganze Drumherum ist halt marketingtechnischer Sicht zu verstehen, aber aus meiner Meinung nach in Ordnung für eine kostenlose Veröffentlichung. Das ganze Buch als PDF zu lesen, ist sicher kein tolles Leseerlebnis, aber dafür gibt es ja die Papierversion.
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