BlogBilderBücherDossiersSuchenSchlagworteÜberKontakt
Kulturelle Revolutionäre

Kategorien

Schlagworte

Permakultur

Heizen mit Holz

Eigenbau

Barthühner

Selbstversorgung

mehr ...

Zum Thema

Gerne gelesen

.ch Blogger

Login

Wertekonflikt

Dem allgemeinen Trend zur Philosophie und allerlei Tiefsinnigem zur aktuellen Zeit kann ich mich nicht verwehren, man schwimmt ja mit dem Strom. Wer es ertragen kann, lese weiter.
Aufgewachsen in einer der Konsumgeneration habe ich ein ganz bestimmtes Verständnis vom Wert der Zeit und dem eines Gegenstandes. Zeit ist wertvoll, ein knappes Gut, scheinbar immer zuwenig vorhanden. Nur wenig Zeit am Tag, die frei ist und ich selbstbestimmt existiere, ansonsten agiere ich meist fremdgesteuert. Vielleicht ist das auch die Ursache für das Gefühl des Zeitmangels.

Gegenstände dagegen sind zuhauf vorhanden. Austauschbar, leicht zu beschaffen bezüglich Verfügbarkeit und Preis (naja, das ist jetzt vielleicht ein bisschen zu pauschal), kurze Lebensdauer. Den Kopf über Wasser zu halten im Massenwaren-Ozean, ist eine der Herausforderungen unserer Generation.

Ich bin getrimmt auf: meine Zeit gegen Geld tauschen via Erwerbsarbeit, dann das Geld gegen Ware und Dienstleistungen. Der direkte Bezug von Arbeit zum Produkt geht verloren, da in den meisten Fällen der Umweg über Geld gemacht wird. Damit auch die Wertschätzung.

Hocker Für meinen Göttibub habe ich zu Weihnachten einen Hocker gefertigt, etwas aufwändiger durch die schraubenlosen Verbindungen. Eine Arbeit von ca. 14 Stunden. Der grosse schwedische Möbelhersteller hat ein Kindertisch mit zwei Stühlen für knapp CHF 30.- im Angebot. Nur schon das Rohmaterial - stabverleimtes Massivholz - hat mich in etwa soviel gekostet.

Ökonomisch sinnlos habe ich mich trotzdem entschieden, den Hocker selber zu schreinern. Warum?
  • Mein Göttibub kriegt ein Geschenk, in dem etwas von mir steckt und damit mehr "Seele" verfügt als Ab-Stange-Ware. Ob und wie das auch immer quali- oder quantifizierbar ist. Wird es wertvoller? Für mich ja, habe ich doch Kreativität und Energie investiert, für den bald Dreijährigen wohl (noch) nicht direkt.
  • Ich habe selber wieder einiges gelernt, mich hirnhälftentechnisch flexibel zeigen müssen und ein bisschen mehr Erfahrungen mit Holzbearbeitungsmethoden und -werkzeugen gesammelt.
  • In begrenztem Masse habe ich Gewissheit über Herkunft und Produktionsbedingungen der verwendeten Materialien. Beim eingesetzten Werkzeug allerdings eher nicht, sofern es nicht aus lokaler Produktion stammt.
  • Die graue Energie, welche im Hocker steckt, ist mit Sicherheit kleiner als beim entsprechenden Produkt vom Hersteller aus dem Norden, da kaum Transportaufwand darin stecken.
Konklusion: Wir - ich - vergleichen vieles über den Geldwert. Das dies eine extreme Vereinfachung und eigentlich unzulässige, weil unvollständige, Betrachtung darstellt, wird klar, wenn man selber etwas herstellt. Der Gesamtwert eines Produktes, sei es Ware oder Dienstleistung, misst sich an vielem mehr. Geld ist nur eine Dimension davon. Und: Zeit ist nicht Geld, sondern Wert, in obigem Sinne.

Aufwachen. Die Predigt ist aus.
 Permalink

Kommentare

Keine (weiteren) neuen Kommentare erlaubt.