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Im Gespräch: Kurt Forster

Kurt Forster, Sekundar-Lehrer phil. II, Permakultur-Designer und Dozent an der Permakultur-Akademie, vermittelt nicht nur theoretisches Wissen, sondern zeigt auch in seinem Garten - aus welchem er sich teilweise selbst versorgt - die praktische Anwendung (Termine hier).
Wie sind Sie zur Permakultur gekommen?
Von einem kleinen mit Steinen umrahmten Gärtchen mit ein paar Kopfsalaten, Radieschen und einigen Wildblumen, welchen ich schon als siebenjähriger Knabe angelegt hatte, bin ich zu Versuchen mit Fischen in abgeschlossenen Miniwelten übergegangen und habe vor allem an der Optimierung von Stoffkreisläufen geforscht.

Später habe ich am Ökozentrum Langenbruck am Projekt Fischzucht in "Solartonnen" mitgearbeitet, wo mit Tilapien und verschiedenen Solarheizsystemen experimentiert wurde. Während einem Praktikum an der Naturskole Grynebaekken auf der Insel Bornholm (DK) beschäftigte ich mich mit integrierter Fisch-Pflanzenzucht und dem Nullenergiehaus. Aus diesen Ansätzen entstand in meinem Garten schrittweise ein ganzes Wasserauffang- und Teichsystem.

Auf verschiedenen Reisen in Asien studierte ich die polyfunktionalen Fischteiche und das vollständige Wiederverwerten aller menschlicher Abfälle am Entstehungsort faszinierte mich.

Dem Ganzen fehlte allerdings der Zusammenhang, das Dach. Ein Permakultur-Kurs bei Professor Declan Kennedy, Steyerberg, während der Sommeruniversiade in Stein brachte mich dann in Kontakt mit der Permakultur. Dieses ökologisch-ethisch-soziale Ideengeflecht begeisterte mich sofort.

Ich verschlang die Bücher von Masanobu Fukuoka, Bill Mollison, Graham Bell und Patrick Whitefield. Hier fand ich die Idee, die all die Einzelprojekte zu einem lebenserhaltenden Geflecht zu verschmelzen mag.

Selbstversorgung und Wildnis im selben Garten, geht das so einfach?
Jeder Garten besitzt so viel Wildnis, wie sein Besitzer zu ertragen vermag. Ich selbst ertrage sehr viel davon. Etwas problematischer ist meine Wildnisliebe für die Nachbarn, die aber zusehends mehr Freude an den bunten, wilden Lebensräumen finden.

Der Garten wirkt wie ein fruchtbarer Dschungel. Seltene Wildpflanzen, unterschiedlichste Tomatensorten, alte Apfelbäume oder Maibeeren und Kiwis lassen vielfältige Lebensräume entstehen. Auf den ersten Blick sieht es schon wie ein wildes Durcheinander aus. Dahinter steckt aber eine sorgfältige Planung und eine schrittweise Verwirklichung von durchdachten Projekten. Dies führt zu einer immer stärkeren Optimierung des Gesamtsystems.

Es ist erstaunlich, was auf einem nur 700 Quadratmeter grossen Grundstück alles zu gedeihen vermag. Aus diesem Garten versorgen wir uns fast vollständig mit Früchten, Beeren, Salaten und Gemüsen. Die Kartoffeln reichen ein knappes halbes Jahr. Getreide, Fische, Pilze und Mais bereichern hin und wieder den Speisezettel.

Was raten Sie jemandem, der seinen Garten auf Permakultur umstellen möchte? Wo und wie soll er beginnen? Zuerst muss man davon träumen, seine Vision von seiner Lebensgestaltung und seinen Permakulturgarten entwickeln. Diese Visionen sollte man fest halten und heranreifen lassen. Der nächste Schritt wird ein Permakultur-Kursbesuch sein, um die Strategien und Planungsprinzipien kennen zu lernen. Dann kann man sich ans Planen wagen und am besten bespricht man dann das Resultat mit einem erfahrenen Permakulturdesigner.

Lassen sich kleine, funktionierende Permakulturmodelle als grossflächige, rentable Landwirtschaftsbetriebe verwirklichen?
Eine vielfältige Selbstversorgung ist sicher möglich. Zusätzlich müssen aber je nach Ressourcen und Lage des Betriebes weitere Einkommensmöglichkeiten geplant werden. Da permakulturelles Denken sich gegen hohen Erdöl-Verbrauch und den Einsatz von schweren Maschinen richtet, schliesst dies grossflächige Monokulturen aus.

Denkbar wären spezielle Zweige, die viel Handarbeit erfordern, wie zum Beispiel Fischzucht, Pilzkulturen, Heil- und Küchenkräuter-Gärten, Bienenhaltung, spezielle Beerenkulturen oder biologische Setzlingsanzucht. Auf jeden Fall sollte eine Umstellung schrittweise, organisch erfolgen.

Permakultur ist in der Schweiz bisher kein grosses Thema, mindestens findet man im Internet kaum Informationen dazu. Sie als Pionier kennen aber sicher Personen, Projekte und Organisationen, die damit zu tun haben. Können Sie mir solche nennen?
Es gibt in der Schweiz einige Pionierprojekte:
  • Der Bio-/Permakulturhof Frohberg von Lorenz Kunz in 8133 Esslingen (nahe Uster)
  • Der Permahof von Stefan Dissler in 6110 Wolhusen
  • Die Alte Mühle von Christoph Hüsser in 3293 Dotzigen
  • Der Pro Spezia Rara Hof Albisboden von Pavel Beco in 9115 Dicken
  • Die Alp Allmetli von Ursula Dreyer in 3755 Horboden
  • Für urbane (städtische) Permakultur, Kurt Forster, Saum 3850, 9100 Herisau
  • Für urbane Permakultur gibt es eine grössere Anzahl von Gärten
Gibt es Kurse oder ganze Ausbildungen in der Schweiz? Am 5./6. Mai findet ein zweitägiger Einführungskurs auf dem Biohof Frohberg und am 16. Juni ein eintägiger Planungskurs in die urbane (städtische) Permakultur in Herisau statt. Weitere Kurse findet man im Kalender des Permakulturvereins Schweiz.

Inwieweit kann Permakultur eine Antwort sein auf den immer stärker werdenden Ruf nach mehr Nachhaltigkeit?
Entwicklungen und Paradigmenwechsel finden langsam statt. Ich handle nach dem Sprichwort: Wenn tausend Leute an tausend kleinen Orten Gutes tun, können sie das Angesicht der Welt verändern. Die Permakultur liefert uns weitgehend das Gedankengut und die Werkzeuge, um äusserst nachhaltig zu leben. Die beiden ethischen Grundsätze von Bill Mollison zeigen dies auf: "Take care to the earth and take care to people".

Könnte Permakultur ein ökologischer Weg in die Zukunft sein?
Die Sehnsucht wächst in unserer aufgesplitterten Welt, wieder ganzheitlich zu leben, Verantwortung zu übernehmen. Die Permakultur möchte beim Zusammenführen der verschiedenen Wissensgebiete Hilfe geben. Die vielen Teilbereiche sollen zu einem gesunden Ganzen verwoben werden. Permakultur hat viele Gesichter. Ihr Gedankengut kann auf einem Balkon genausogut entwickelt werden, wie in den trockenen australischen Weiten oder an einem Berghang im Emmental.

Im Mai findet zum achten Mal der internationale Permakulturkongress IPC8 statt, diesmal in Brasilien. Nehmen Sie Teil? Ich nehme daran nicht teil! Einerseits lockt mich der Gedankenaustausch mit erfahrenen Permakulturleuten aus der ganzen Welt, andererseits ist der weite Flug in der heutigen Klimasituation schon etwas fraglich und die meisten Resultate dieser Konferenz werde ich erhalten.
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Kommentare (2)  Permalink

Kommentare

Malte Frehner @ 10.09.2010 10:37 CET
I bi mi momentan intensiv mit Aqua/kultur/ponic am usänandsetze drum bini uf Ihri Site gstossä. Well i au us Herisau chum werde i mol bi Ihrem ''Paradies'' uftauche oder anere Permakultur veranstaltig. Scho mega zufall das sie im gliche kaff wohned wiä i.

mfg

Malte Frehner
Reto Stauss @ 10.09.2010 11:38 CET
@Malte: Kurt wird hier wahrscheinlich nicht mitlesen. Am besten mal bei ihm melden, seine Kotaktdaten findest Du hier.
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