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Die guten alten Zeiten

Wer ist immun dagegen, ab und zu, wenn auch nicht unbedingt laut, der Früher-war-alles-besser-Illusion aufzusitzen. Dies nicht nur bezogen auf die eigene Lebensspanne, sondern beliebig rückdatierbar. Das dies nur für die Vorstellung, die wir von dieser Zeit haben, richtig ist, nicht aber für die damalige Realität, wird nach etwas nachdenken und/oder Geschichtsstudium klar.

Mag der Beginn der Industrialisierung - zum Beispiel die Golden Twenties - seinen Reiz gehabt haben, so war der Alltag der breiten Masse alles andere als lustig. Liest man das Interview mit einer Arbeiterin in einer der Zulieferbetriebe der grossen Computer-Hersteller, dann reibt man sich die Augen und sieht sich unvermittelt in die "guten alten Zeiten" zurückversetzt.
Li Mei, warum sind Sie zum Arbeiten in die Industriezone Dong Guan gekommen? Ich bin in einer Bauernfamilie im Süden Chinas aufgewachsen. Die Schulgebühren im Dorf waren hoch, und meine Eltern waren wegen der Baukosten des Hauses verschuldet. So habe ich als Sechzehnjährige beschlossen, in die Stadt zu gehen, um Geld für die Familie zu verdienen.

Was machen Sie in der Fabrik? Ich arbeite in einer Montageanlage für Computer-Tastaturen. Meine Aufgabe ist es, 8 Buchstaben an jeder Tastatur anzubringen: das H, G, T, Z, U, V, B und N.

Und wie viele Tastaturen stellen Sie pro Tag her? Eigentlich beträgt die Quote 6000 Tastaturen pro Tag, aber dazu muss man extrem schnell arbeiten. Die neuen Mitarbeiterinnen haben da Mühe zu folgen.

Wie viel verdienen Sie für diese Arbeit? Ich verdiene ungefähr 3.1 Yen pro Sunde (50 Rappen).

Ist das für den Lebensunterhalt ausreichend? Mit den Überstunden ja. Die letzten Monate brauchte ich 500 Yen meines Lohnes und den Rest, 450 Yen, habe ich meinen Eltern geschickt. Aber ich achte sehr auf mein Geld: ich lebe in der Fabrik, gehe nie aus und kaufe mir nie Früchte.

Wie viele Stunden arbeiten Sie pro Tag? Das hängt von den Bestellungen ab. Im letzten Monat gab es viel zu tun. Ich arbeite 11 Stunden pro Tag, und dies 28 Tage lang in Folge.

Was möchten Sie ändern in der Fabrik? Die Verpflegung: sie ist scheusslich. Manchmal ist das Fleisch verdorben, und ich esse den ganzen Tag nichts. Ich trinke dann Wasser. Wir haben uns bei der Direktion beschwert, aber bis jetzt gab es keine Verbesserung.
Quelle: der zur Fastenzeit herausgegebene Kalender von Fastenopfer, Brot für alle und Partner sein erschienen.

Müssen tatsächlich alle Gesellschaften die gleichen Kämpfe ausfechten?

Die erwähnten Organisationen habe eine Kampagne für fair hergestellte Computer gestartet. Wer sich für das Respektieren grundlegender Arbeitsrechte einsetzen möchte, kann dies per E-Card oder Postkarte tun.

[Update] Habe obiges Interview auch online gefunden ... wieder mal, nachdem ich es schon abgetippt hatte *patsch*.
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