Buch: Aussteigen - aber wie?
Hoppla, hier war ein echter Radikaler am Werk. Radikal im Sinne von einer Meinung oder Ansicht vehement zu vertreten und mit Konsequenz einer Vision nachzuleben, aber auch Zwischentöne auszublenden. Gerhard Schönauer kennt in "Aussteigen - aber wie?" oft nur schwarz oder weiss, was manchmal etwas irritiert:
"Ich kenne keinen einzigen Menschen, der sich sehr bemüht, wohlhabend zu werden und dabei glücklich bleibt. Die wenigen Reichen, die ich kenne, sind alle unglücklich, auch wenn sie es nach Kräften zu verheimlichen mit Geld auszugleichen suchen."
"Viele Menschen sind so tief unter die Affen gesunken, daß sie glauben, dies alles ließe sich ersetzen durch Taschengeld, Fernsehen oder Schläge. Die Rauschgiftsüchtigen waren alle zuvor gemütskrank und unglücklich gemacht worden. Dadurch erst erwacht das Verlangen nach neuen Freuden, die sie sich vom Rauschgift oder Alkohol erwarten."
Aber es gehört wohl zu einer starken Überzeugung, dass wenig differenziert wird. Soweit zu den negativen Punkten.
![]() |
| Aussteigen - aber wie? |
Der Autor hat in diesem Buch vorgedacht, was man heute als freiwillige Einfachheit - er nennt es Genügsamkeit - oder neudeutsch LOVOS kennt. Für ihn war es einfach ein Zurück aufs Land und zur Natur, verbunden mit einem möglichst hohen Selbstversorgungsgrad und maximaler Unabhängigkeit. Dies soll aber nicht in Schufterei ausarten, nein, im Gegenteil: durch das extreme Reduzieren der Ansprüche ist sogar mehr Zeit und Musse vorhanden:
"Als ob man nicht gleich richtig leben könnte, von früh bis spät natürlich und gesund. Stundenlange Spaziergänge, Bergbesteigungen, leichte kurze Feldarbeiten, nie länger als eine Stunde die gleiche, Müßiggang, Spiel und Unterhaltung, gemischte, natürliche aber spärliche Kost, das bringt die ersehnte Ausgeglichenheit, Zufriedenheit und Gesundheit. Nicht das Gewaltsame, Krampfhafte, Kurze und Eilige. Ich meditiere nicht, mache keine Yogasitzungen, keine Morgengymnastik und keinen Dauerlauf, und die glücklichsten Menschen, die Hirten und Höhlenbewohner, von denen schon die Rede war, kämen sicher nicht auf solche Ideen."
Nun, ein echter Visionär und Vorreiter ist kompromisslos, verursacht dadurch Kopfschütteln, was dann wiederum zu Nachdenken anregen kann.
Genau aus diesem Grund sollte man dieses Buch lesen. Der (gekürzte) Text ist übrigens auch online verfügbar. Ein Interview aus 2006 kann man hier nachlesen (Link nicht mehr gültig).
Kommentare
Danke für den Beitrag! Ich werde das Buch mal auf meine Wunschliste nehmen.
Ich nehme an, den Link auf die (gekürzte) Online-Version hast Du ja gesehen ...
Hilfe: Wo kann man das Buch Aussteigen-aber wie bestellen? Ich habe es nirgends gefunden.
@Olivia: der Link war nicht mehr gültig, habe eine andere Quelle gefunden: http://www.scribd.com/doc/16005379/Gerhard-Schoenauer-Aussteigen-Aber-Wie


