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Nützlich, nicht effizient

Via Nuevalandia-Blog, welches von Michael Klotsche - ein im Braungartschen Sinne intelligenter Ingenieur (hier im Interview) - gepflegt wird, bin ich wieder auf eine Person aufmerksam geworden, welche hier auch schon Thema war (und dessen Konzept kritisch kommentiert worden ist): Michael Braungart.

An der Utopia-Konferenz 08 hat er ein Vortrag (Teil 1, 2, 3, 4 / Hörbuch davon kann ich auf Anfrage zur Verfügung stellen) zu seinem Konzept gehalten, aber vor allem seine Botschaft bewegend rübergebracht (auch wenn dies anderthalb Jahre später im deutschsprachigen Raum zu keinen zähl- und fühlbaren Ergebnissen geführt hat, was mich aber trotzdem nicht zur Verwendung von abgenutzten Metaphern verleitet).

Inspirierend finde ich seine rundweg positive Agenda, weil daraus ein ganz anderes Momentum entsteht als mit dem Schuldmanagement, wie es heute in der Nachhaltigkeits-, Umwelt- und Klimaschutzbewegung gepflegt wird. Seine Beobachtung: Pflanzen und Tiere versuchen nicht, weniger oder gar nicht schädlich zu sein, sondern sie sind nützlich. Ganz egal, ob etwas sparsam oder verschwenderisch ist - z.B. ein Baum, der im Herbst seine Blätter abwirft, könnte aus aus unserer Sicht so erscheinen -, wenn der "Abfall" teil eines Kreislaufes ist (Lebensgrundlage schafft), dann spielt dies keine Rolle.

Alles, was konsumiert wird, sollte biologisch nützlich sein. Alles was wir nur nutzen - und das ist die Mehrheit der Dinge - sollte technisch nützlich sein.

Wir sollten daraus auch keine Frage der Moral oder Ethik machen, sondern schlicht und einfach der Qualität. Ein Chemiker, dessen Produkte sich irgendwo anreichern und toxisch wirken, ist schlicht und einfach ein dummer Chemiker. Nicht Chemie an und für sich ist dumm, aber wie sie eingesetzt wird, kann idiotisch sein. Natürlich lässt sich Chemiker mit jeder anderen Berufsgattung ersetzen.

Effizient und Sparen, wie es heute versucht wird, führt zu nichts, wenn die Dinge falsch aufgegleist sind. Etwas Falsches effizienter machen, heisst bloss, dies noch effizienter falsch zu tun. Und wir werden niemals soviel sparen können, dass wir damit in den grünen Bereich kommen (Stichwort ökologischer Fussabdruck).

Zur technischen Nützlichkeit: diesen Kreislauf können wir nur soweit aufrecht erhalten, wie Energie dafür zur Verfügung steht. Einiges davon können wir mit menschlicher Arbeitskraft abdecken, aber was darüber hinausgeht, wird über kurz oder lang nur mit erneuerbaren Quellen zu decken sein.

Um nützlich zu sein, müssen wir allerdings vieles, ja fast alles, neu erfinden: Wohnen, Mobilität, Arbeit, Lebensmittelproduktion, usw. Natürlich können wir dies aus der Sicht der Probleme betrachten, vor denen wir heute stehen (und angesichts der Grösse verzweifeln mögen) und angstgesteuert Lösungen entwickeln, aber nehmen wir uns stattdessen das Ziel "Nützlichkeit" (nicht Nachhaltigkeit!) vor, wird dies eine Menge Kreativität zur Folge haben.

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Die Commons als Chance

Während das Heulen und Zähneknirschen langsam verebbt (hat jemand ernsthaft geglaubt, dass in Kopenhagen was Zählbares rauskommt?), beweist ein obskurer Haufen im Norden (einen Friedenspreis für jemanden, der Krieg führt?) auch mal einen lichten Moment, indem es Elinor Ostrom den Wirtschaftsnobelpreis verleiht. Und zwar für ihre Arbeiten zum Thema Gemeingüter oder neudeutsch - den Commons.

Ausnahmsweise verweise ich jetzt mal auf einen Beitrag in meinem anderen Blog auf Manufaktur in Gründung. Dort habe ich unscharf angedacht - mit massiver externer Hilfe (welche die Unschärfe in keinster Weise verschuldet) -, was Allmende-Ressourcen für eine Bedeutung in einem anderen Wirtschaftssystem haben könnten.

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Eine Reparaturanleitung für die Schweiz

Gastbeitrag Dies ist ein Gastbeitrag von littleblackmone (oder littleblacknemo), jemand, welcher selber bloggt (hier) und sich als Kommentierender immer wieder beteiligt. Er hat das ausgeschriebene Buch gekriegt, die Bedingung dafür jetzt erfüllt und das Buch weitergeschickt. Der Beitrag ist ursprünglich auf "Nachrichten aus dem altmärkischen Unkraut" erschienen.

Dieser Tage erhitzt ein kleines Land im Herzen Europas die Gemüter seiner Nachbarn: die Schweiz und ihr jüngstes Beispiel eidgenössischer Direktdemokratie, die Volksabstimmung zum Minarettverbot.

Während die Diskussion über das Ergebnis dieses in meinen Augen fatalen Referendums auf allen Ebenen noch hitzig im Gange ist, stellt sich für den norddeutschen Betrachter vor allem aber die Frage: was ist los mit der Schweiz?

Nein, an dieser Stelle soll es nicht vordergründig um Religionsfreiheit, Demokratieformen oder muslimische Baukunst gehen, sondern eher um die strukturellen Probleme, die dem wohlmöglich zugrunde liegen und um ein Büchlein als Antwort darauf.

Neustart SchweizEin Buch dessen Erstveröffentlichung ein knappes Jahr her ist und den wunderlichen Titel trägt: "Neustart Schweiz - So geht es weiter". Autor ist der in Zürich lebende Schriftsteller und Aktivist P.M., dessen wohl berühmtestes Werk "bolo´bolo" (1983) in den meisten Bücherregalen links-libertärer Gesellschaftskritiker_innen zu finden sein wird und der mit der Vorlage seines neuen Buches pünktlich zur Weltfinanzkrise ein unglaublich gutes Timing bewiesen hat.

Doch vorerst zurück zur Schweiz. Erhellenden Einblick in die schweizerische Nationalseele gibt der Schweizer Publizist Roger de Weck in einem Interview gegenüber der bundesdeutschen taz vom 09.12.09: "1848 entstand die moderne Eidgenossenschaft. Damals setzten sich die Liberalen einzig in der Schweiz durch, während sie in Deutschland, Österreich, Italien und Frankreich unterlagen. Damals strahlte Schweizer Fortschrittlichkeit in ganz Europa aus. Heute übernehmen Europas Rechtsextreme die Parolen unserer Populisten." und: "Das Land ist durch den Wind. Der Schweizer Konsens zerfranst, ausgerechnet die Eidgenossenschaft wird unberechenbar. Der Ruf des Finanzplatzes ist angeschlagen, die größte Bank UBS entging knapp der Katastrophe, der größte Versicherer geriet in Bedrängnis. Das Verhältnis zur Europäischen Union stimmt nicht mehr. Die Beziehung zu den USA ist verspannt. Das nährt Ressentiments. Jetzt legen wir uns auch noch mit der islamischen Welt an. Ein kleines Land, das sich mit dem halben Globus zankt, wird nicht glücklich." (via taz.de)

Das Schweizer Uhrwerk tickt also nicht mehr richtig, das Land steckt in einer Krise? Wie gut, dass mit dem oben genannten Buch eine Reparaturanleitung vorliegt.

P.M.´s Buch ist dünn, nicht mal 100 Seiten dick, passt locker in die Jackentasche und lädt zum zwischendurch und unterwegs lesen ein. Der Autor, der vor allem durch utopische Literatur von sich reden machte, hält seinen Mitbürger_innen eine scharf gestochene Analyse der politischen und sozio-ökonomischen Situation der Schweiz in einer Welt der globalen Probleme vor Augen.

Eines macht er dabei deutlich: um die Kompetenzen der Schweiz zu schützen funktioniert die Strategie der Einigelung nicht mehr. Die Krise steht vor der Tür und auch der schweizerische Wohlstand ist wie in allen Ländern des globalen Nordens vom neoliberalen Ausbeutungsprinzip in den Ländern des globalen Südens abhängig. Wird aber dadurch das globale System an die Grenzen seiner Belastbarkeit getrieben, ist auch ein kleines Land wie die Schweiz von den Folgen maßgeblich betroffen.

P.M. fordert daher einen New Deal, allerdings einen, der weitaus radikaler ist, als alles, was derzeit unter diesem Begriff gehandelt wird. Unter anderem deshalb, weil er nicht von oben verordnet, sondern von unten organisiert wird. Er stellt fest, dass die Schweizer_innen jetzt noch in der Lage seien, ihren monetären und wirtschaftlichen Wohlstand so einzusetzen, dass sie global zur Linderung der Problematik beitragen können und nennt hier u.a. als Beispiel das Know-how im Bereich der Pharmaindustrie, um ausserhalb der Schweiz stabilisierend einzugreifen. Zudem sei es notwendig auch das eigene Land derart umzubauen, so dass zukünftig der Wohlstand des Einzelnen aus der Mitte der Gesellschaft heraus entstehen könne. Diese Mitte verortet P.M. in der lokalen Nachbarschaft.

Diese Nachbarschaft, bestehend aus einem Zusammenschluss von ca. 500 Menschen, ist für P.M. der nucleus, der Ausgangspunkt sozio-ökonomischer Neuorganisation, von dem aus gesellschaftliche Teilhabe für das Individuum möglich wird. In knapper Weise formuliert er die Umgestaltung dieses Lebensbereichs, weg von der Trennung in Lebens- und Arbeitszonen, hin zu vielfältigen, aber intensiv genutzten Wohngebieten, in der Dienstleistungen und Infrastruktur in extrem kurzen Wegen zu erreichen sind. Hier stellt er dar, was andere ähnlich erkannt haben: die Antwort auf ein würdiges Leben inmitten der ökologischen Krise bedeutet für die Industrienationen den Abschied vom Leben in den individualisierten Vorstädten. Der Aufbau einer solch konzentrierten Lebens- und Sozialstruktur ist für ihn grundlegend, wenn es darum geht den Pro-Kopf-Energieverbrauch auf unter 1000 Watt am Tag zu reduzieren und einen ressourcenschonenden Lebensstil zu führen, ohne dass die Lebensqualität maßgeblich darunter leidet.

Was in dem Werk "bolo´bolo" noch in abstrakten Chriffen utopisiert wird, wird in "Neustart Schweiz" zu einem gedanklichen Planspiel, dass sich hart entlang gut recherchierter Kennlinien entwickelt. Detailiert stellt er die Bestandteile seines Neustart-Modells vor, welches u.a. verschiedene Module, er meint damit die Neustrukturierung organisatorischer Einheiten von der kleinsten (Einzelperson) bis zur größten Ebene (Planet), umfasst. Auch die in seinen Augen notwendige Umstrukturierung diverser Sektoren gesellschaftlichen Lebens wie Verkehr, Landwirtschaft, Gesundheitswesen, Versorgung, Arbeit und Politik und deren Co-Abhängigkeiten voneinander, wird behandelt.

Erstaunlich bleibt dabei, wie er es schafft in einem so kleinen Buch eine derartig konturgenaue Skizze davon zu zeichnen, ohne sich im Komplexen zu verlieren oder im Oberflächlichen zu verharren. Das auch noch in einer verständlichen Sprache, die ohne großartige politische Verbrämungen, Kampfbegriffe, Fachausdrücke und wissenschaftliche Sprache auskommt. P.M. macht keinen Hehl daraus, dass dies nicht mehr als ein Diskussionsvorschlag sein kann. Zudem einer, der eine Vielzahl von Problembereiche nicht in Gänze ausleuchtet, zum Beispiel die allgemeine Schlechtigkeit des Menschen oder den Unwillen sich in solch neue Strukturen zu integrieren.

Es fällt daher auch auf, dass wie so häufig in utopischen Beschreibungen von einem eher positiven Menschenbild ausgegangen wird, dass von Verständnis und Kooperationswillen geprägt ist. Vielleicht ist es aber genau der Punkt, der dann persönlich so betroffen macht und am ehesten Kritik am Lesestoff bei der Leserschaft hervorruft: funktionieren kann das ja eh nicht.

Denn wie sehr ist man selbst, gerade im Falle einer Krise bereit wäre, zu kooperieren, nicht zum eigenen Vorteil zu entscheiden, sich nicht egoistisch ins Kleine zurück zu ziehen und stattdessen seine persönlichen Bedürfnisse in einen kommunalen Kontext einzubringen? Egal welches Zukunftszenario einem als Bedrohung erscheint, die Entscheidung sich an einer Zukunftsgestaltung partizipativ zu beteiligen wird durch den freien Willen beeinflusst, nicht durch die totalitäre äußere Gewalt einer zentralen Staatsmacht. Genau hier setzt im Kopf das Gefühl des Kontrollverlustes ein: in etwa so, wie im Schwimmbad beim Sprung vom 10-Meterbrett. Die Angst vor dem Schritt ins Leere, in die haltlose Ungewissheit, den man selbst machen muss, wenn man nicht geschubst werden will.

P.M.s Antwort darauf ist simpel: es funktioniert wenn man selbst bereit bist, sich mit anderen gestalterisch zu organisieren: z.B in Form eines lokalen Neustart-Punkts. Bedauernd musste ich jedoch feststellen, dass aktuell auf der Webseite zum Buch kaum solche Initiativen verzeichnet sind. Interessant wäre zu wissen, warum dies so ist. Bleibt zu hoffen, dass das Buch dennoch wirkt und Menschen zum Handeln anregt, vielleicht nur nicht unter dem "Neustart"-Label.

Ein Jahr nachdem ich das Buch geliehen bekommen habe, ist es an der Zeit es weiter zu geben. Die laufende Diskussion um die Schweiz war willkommener Anlass, mich nochmal intensiver damit zu beschäftigen und eine Schuld zu begleichen, indem ich einen Kommentar über das Buch abgebe.

Anfangs wusste ich nicht so recht etwas damit anzufangen, gerade wegen des konkreten Bezugs zur Schweiz und der häufig ins Undogmatische fallenden Darstellungen, z.B. der Notwendigkeit von Armeen und Großindustrien, die ich mir in meiner persönlichen Utopie nicht wünsche. Mittlerweile habe ich erkannt, dass es für ganz normale Menschen als niedrigschwelliger Impuls gedacht ist, dort zu handeln, wo die persönliche Betroffenheit am Größten ist, nämlich vor Ort.

Hier schlägt das Buch die (zugegebenermaßen etwas konstruiert erscheinende) Brücke zur aktuellen Auseinandersetzung, weshalb die Entscheidung über den Bau von Minaretten neben den grundsätzlichen Implikationen (Beschneidung der Religionsfreiheit, Gleichbehandlungsgrundsatz, Minderheitenschutz) so problematisch ist: sie betrifft die meisten Schweizer_innen in ihrem Alltag überhaupt nicht, sondern katalysiert eine allgemeine Angst vor einer abstrakten äusseren Bedrohung zum Nutzen rechtskonservativer Populisten. Die Angst vor dem Islam und seinen Gläubigen kann man vermutlich nur überwinden, indem man sich ihr auf der untersten Ebene stellt und statt zu paternalistischen Methoden zu greifen. Ein anderes Beispiel: gerade in diesen Tagen, wo in Kopenhagen die Klimaziele für die nächsten 50 Jahren von Spitzenpolitiker_innen aus aller Welt und ihrer Entourage festgezurrt werden sollen, müssen wir uns aber daran erinnern, dass die maßgebliche Verwirklichung dieser und anderer Ziele nicht allein nur von großen politischen Entscheidungen abhängig ist.

Das Buch stellt in kurzer, aber anschaulicher Form dar, dass Bürgerbeteiligung viel notwendiger ist, um aus einer überregulierten, krisengeschüttelten Welt, wie wir sie derzeit kennen lernen, auszusteigen und Teil eines globalen Graswurzelnetzwerks für eine positive Veränderung zu werden. Es eignet sich daher auch selbstverständlich für Nicht-Schweizer_innen, für Muslimas und Muslime, Christ_innen, Jüdinnen und Juden und jede andere menschliche Bezugsgruppe, um über diese fiktiven Grenzen hinweg miteinander in einen neuen organisatorischen Prozess zu kommen. Nur zum Loslassen muss man ein bisschen bereit sein.

In meinen Augen ist "Neustart Schweiz" auch ein Jahr nach seiner Veröffentlichung ein notwendiger und wichtiger Beitrag zur langsam, aber stetig wachsenden Transitiontown-Kultur des sozialen Wandels in unseren entwickelten Ländern und darüber hinaus.

Weitere Infos zum Buch und Bewegung gibt es bei Neustart Schweiz, auch das Buch zum online blättern. Mittlerweilen ist auch eine englische Zusammenfassung erschienen, welche den Rahmen von der Schweiz auf die USA (prinzipiell auf jedes Land, wenn man die Zahlen anpasst) erweitert. Ein Entwurf für den ganzen Globus ist in Arbeit.

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Leben vom Wald

Ben Law lebt im und vom WaldDer Artikel von Beat Rölli zu seinem Besuch bei Ben Law ist sehr inspirierend ("Ben Law lebt im und vom Wald", PDF). Niederwaldwirtschaft scheint genau die richtige Bewirtschaftungsmethode für unseren Kleinwald zu sein, auch weil mit wenigen bis keinen Maschinen auskommen kann.

Eine für Niederwald sehr gut geeignete Baumart ist die Edelkastanie, welche auch nördlich der Alpen wieder vermehrt geschätzt wird. Sowohl als Lebensmittel- wie auch als Nutz- und Energieholz-Lieferant.

Die Produktion von Holzkohle halte ich für eine Möglichkeit mit grossem Potential, weil mit einfacher Technologie in kleinem Masstab Lebensgrundlage zu geschaffen werden kann (auch im Zusammenhang mit Biokohle). Ben Law verwendet dazu einen mobilen Köhlerofen, z.B. hier findet man eine simple Anleitung dazu, wie man einen solchen aus zwei Fässern herstellen kann.

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Regionale Vertragslandwirtschaft

Neustart SchweizAm Sonntag hat das zweite Neustart Schweiz-Treffen stattgefunden, zum Thema Vernetzung von städtischen Nachbarschaften mit Landwirtschaftsbetrieben. Es ging also - je nach Leseart - um Food-Coops, Community Supported Agriculture (CSA) oder regionale Vertragslandwirtschaft.

Nebst dem interessanten Fabrikgelände, der Binz, war die Vielfalt der Teilnehmer und ihrer Projekte sehr spannend. In der Romandie gibt es bereits zwischen 20 und 30 Projekte - eines davon Les Jardins de Cocagne -, während in der restlichen Schweiz jetzt wenigstens verschiedene Initiativen ergriffen werden: zum Beispiel die Food Coop Winterthur, soliterre in Bern oder die altagsXgnossi.

Selber habe ich versucht überblicksmässig zu zeigen, was es an Informationsquellen, Organisationen und Plattformen gibt. Die Folien kann man sich anschauen oder als PDF herunterladen.

Hier nochmal alle Links:

Leitfäden

  • "fair · bio · selbstbestimmt" - Das Handbuch zur Gründung einer Food-Coop.
  • "Das Food-Coop Handbuch", auf Anfrage als PDF erhältlich.
  • "Food Co-ops Toolkit - a simple guide to setting up food co-ops", englisch, online oder als PDF herunterladbar.
  • "Un Kit de création des AMAP", französisch, ein Leitfaden zur Gründung einer Food-Coop, als PDF herunterladbar.
  • "Farms of Tomorrow Revisited", amerikanisch, quasi das Standardwerk für CSA.

Plattformen und Organisationen

Initiativen in der Schweiz

Weitere Infos

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Prinzipien nachhaltiger Projekte

Silke Helfrich ("Wem gehört die Welt? Zur Wiederentdeckung der Gemeingüter") hat auf dem CommonsBlog eine Liste von Prinzipien zusammengestellt, welche nachhaltige Projekte auszeichnen:

  1. Hilft die Initiative/das Projekt den Menschen, ihre Zeit so gut wie möglich zu nutzen? (Zeiteffizienz besser vielleicht noch: Entschleunigung)
  2. Stärkt sie die Beziehungen zwischen den Menschen? (Beziehungsorientierung)
    Gibt es einen klar identifizierbaren sozialen Nutzen (oder, falls dieser nicht klar identifizierbar sein sollte, zeichnet sich diese Richtung ab)? (Gemeinwohlorientierung)
  3. Produziert das Projekt/die Initiative mehr für die community/Gesellschaft/Umwelt, als es ihnen nimmt, einschließlich einer ausgeglichenen Gewinnverteilung und sozialer Reinvestition? (Vermeidung von Über- und Unternutzung)
  4. Ist die Initiative und ihr Ergebnis auf lange Sicht nachhaltig? Fügt es der Resourcenbasis mehr hinzu als sie ihr nimmt oder belässt sie sie in ungeminderter Qualität? (Nachhaltigkeit)
  5. Sind die Handlungen und Verfahren transparent, inklusive der daraus entstehenden Produkte sowie der damit verbundenen Prozesse und Folgen? (Transparenz)
  6. Gibt es konkrete Maßnahmen, die die soziale Intention und das gewünschte Ergebnis schützen und pflegen? (Monitoring)
  7. Ist das Projekt/Vorhaben zumindest neutral für Menschen, die es nicht benutzen? (z.B. es mindert nicht die Ressourcen für andere Nutzer) (Unschädlichkeit)
  8. Reduziert es Zugangshürden? Macht es Dinge einfacher? Ist es „zugänglich“ im weitesten Sinne des Wortes? Bietet es den Ausgegrenzten und an den Rand Gedrängten Zugang zu zusätzlichen Ressourcen, gibt es Ihnen eine Stimme? (Zugangsgerechtigkeit, Einschluss statt Ausschluss)
  9. Gibt es keine ungerechtfertigten und/oder künstlichen Grenzen des Zu- oder Weggangs vom Projekt? (Freiwilligkeit)
  10. Respektiert es die Menschenrechte und den kulturellen Kontext? (Wenn dies in Opposition zueinander steht, glauben wir, dass die Menschenrechte Vorrang haben.) (Respekt der Menschenrechte)
  11. Respektiert es die Vielfalt? (Vielfalt)
  12. Trägt es dazu bei, verdientes Vertrauen und Zusammenarbeit aufzubauen? (Kooperation)
  13. Stärkt es eine sozial nützliche und nachhaltige Nutzung der Daten und Informationen, die es erzeugt? (Offene Standards, freie Technologien)
  14. Bietet es Möglichkeiten des Tauschs von Werten, die dem Kontext angemessen sind und nutzt es diese? (Kulturelle Relativität)
  15. Sind die Entscheidungverfahren transparent, demokratisch und partizipativ bzw. sind sie von den Betroffenen akzeptiert?(Selbstorganisation, Demokratie)
  16. Bietet es einen Hebel/ erleichtert es lokale ownership (kulturelle Aneignung) und wirtschaftliche Entwicklung? (Rückgebundenheit)
  17. Ist es auf andere Dimensionen übertragbar? (Skalierbarkeit)
  18. Folgt es den best-practices von Nutzer-generiertem Design? (Exzellenz)

Die Diskussion ist offen.

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Extensive Bienenhaltung

Könnte man sagen, dass eine wesentliche Wurzel des Übels, in welchem wir uns heute befinden, Intensivierung ist? Irgendwie liegt es in der Natur der Menschen, unsere Tätigkeiten durch Erfindungen und Innovation ständig zu verbessern. Aber Verbesserung nach welchen Massstäben? Häufig handelt es sich um die Maximierung des Outputs. Je mehr wir kriegen für den gleichen oder verminderten Aufwand, welchen wir reinstecken, desto besser.

Enger Horizont
Unser Problem ist, dass wir dabei einen so engen Betrachtungsrahmen haben, dass wir früher oder später jemandem oder etwas schaden. Wir sind - ohne ein entsprechendes Bewusstsein - nicht in der Lage, über einen kurzen zeitlichen Horizont und dem, was wir mit unseren Sinnen unmittelbar erfahren können, hinauszudenken. Und dem entsprechend zu handeln. Dazu haben wir auch - zumindest in den Industriegesellschaften - verlernt, Kreisläufen zu erkennen, diese zumindest nicht zu unterbrechen oder besser sogar zu fördern.

Cueva Arena
Quelle: Wikimedia Commons / Urheber: d'après / Lizenz: GPL

Dies ist zum Beispiel auch in der Bienenhaltung zu beobachten. Vom Jäger, welcher Honigwaben aus wilden Bienenstöcken geraubt hat, bis zur Intensiv-Haltung, welche wir heute haben, wundern wir uns, dass die Spezie Honigbiene immer weniger in der Lage ist, zu überleben. Natürlich sind auch das sich verändernde Klima und die Auswirkungen der Industrie-Landwirtschaft zu berücksichtigen (Pestizide, gebeiztes Saatgut und andere Nettigkeiten), aber dummerweise kommen zu diesen beide Faktoren noch Krankheiten dazu und die Bienen die vergangenen Winter völkerweise gestorben.

Immer die anderen
Für die Halter sind die Schuldigen klar (natürlich pauschalisiere ich hier in unzulässiger Weise, es gibt auch viele, welche sich Gedanken machen), nämlich die anderen, in diesem Fall also Pflanzenschutzmittel- und Saatgut-Hersteller wie auch im Übermass auftretende natürliche Feinde wie die Varroamilbe. Der Balke im eigenen Auge wird nicht erkannt, aber die Intensiv-Haltung in Kombination mit der Unkenntnis der artgerechten, d.h. möglichst natürlichen Haltung, trägt genauso zur Krise in der Imkerei bei.

Auch ohne Einstein wieder zu bemühen, ist klar, dass Bienen eine essentielle, ja unersetzliche(?) Funktion sowohl in den naturbelassenen Kreisläufen als auch in einem für Menschen entscheidenden Bereich erfüllen: der Gewinnung von Nahrung. Dass es Unternehmen gibt, welche daran arbeiten, Bestäubung überflüssig zu machen, möchte ich an dieser Stelle mal offen lassen (wobei die Praxis mit dem genmanipulierten Saatgut genau in diese Richtung geht).

Bei der herkömmlichen Imkerei werden Bienenvölker in genormten Kästen gehalten und man setzt ihnen Holzrähmchen mit vorgefertigten Wachsmittelwänden vor, um den Wabenbau zu ordnen und zu beschleunigen. Dazu kontrolliert man jedes Volk saisonabhängig mehr oder weniger häufig und öffnet dafür den Stock. Im Schnitte zweimal im Jahr wird der Honig entnommen, dafür erhalten die Bienen Zuckersirup.

Es wird also an mehreren Stellen in das natürliche Verhalten eingegriffen, um den Nutzen zu optimieren respektive die Haltung für den Imker zu vereinfachen. Die Tiere können Waben nicht bauen, wie sie möchten und für sie am optimalsten wäre, das Klima im Stock wird immer wieder gestört und der wertvolle Futtervorrat, welchen wir als Nahrungs- und Heilmittel schätzen, wird ihnen nahezu komplett weggenommen. Aber das kann ja keinen Zusammenhang mit den Bienenkrankheiten und dem Völkersterben haben, oder?

Extensivierung
Das Ausmass und die Geschwindigkeit, mit der uns die Bienen wegsterben, machen rat- und hilflos. Bestimmte Dinge können wir  nicht ändern (Klimawandel), andere können nur auf staatlicher oder globaler Ebene (Saatgut) gelöst werden. Auf individueller Basis haben wir, d.h. die Imker, die Verantwortung, den schmalen Grat von Nutzung und Übernutzung, von Ausbeutung und Erhaltung zu finden. Ein Schritt in diese Richtung ist die Deintensivierung der Bienenhaltung.

Warré-Beuten auf Stelzen
Quelle: Bienenhaltung für alle / Urheber: Bernhard Heuvel / Lizenz: ifrOSS

Wenn der Honigbiene die Möglichkeit gelassen wird, zu bauen, wie sie will, das Volk möglichst wenig gestört wird und genügend grosse Honig-Vorräte im Stock belassen werden, dann unterstützt dies natürliche Verhaltensweisen und Kreisläufe soweit als möglich intakt gehalten.

Zwei seit Jahrzehnten bewährte Methoden zur einfachen und bienengerechten, aber auch extensiven Bienenhaltung sind bekannt: sogenannte Top Bar Hives, also Oberträgerbeuten, und Warré-Beuten. Da wir - d.h. meine Frau in der aktiven Rolle, sie ist die Imkerin - wieder Bienen halten möchten, haben wir uns aus verschiedenen Gründen für die Haltung nach Emile Warré entschieden. Von Bernhard Heuvel gibt es eine tolle Einführung, welche als PDF zur Verfügung steht.

Nicht zuletzt, weil sich die Beuten, also die Kästen, in denen die Bienen gehalten werden, hervorragend dazu eignen, um mit der Manufaktur in Gründungen einen Schritt weiter zu gehen. Dazu später mehr.

[Update]

10.11.2009: Es gibt auch Imker, welche auf individueller Ebene etwas gegen gentechnisch veränderte Anbauflächen tun, weil sie die Bio-Imkerei bedrohen: der Feldbefreier Michael Grolm (via CommonsBlog).

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Wir sind wirklich nicht blöd

Die Hoffnung, mit einem Wirtschaftssystem, das kollabiert, wenn es nicht wachsen kann, nachhaltige Lebensweisen auf einem endlichen Planeten herzustellen, ist gleich null.
                                                           P.M. in der neusten Ausgabe von Energie & Umwelt (PDF)

Irgendwie habe ich das Gefühl, es ist alles gesagt (ja, so hiess auch mal ein Buchtitel). Schreiben hat für mich - zumindest hier - keine Priorität. Desto wichtiger ist mir, meinen "süssen Punkt" zu finden: der Ort, an welchem Bestimmung, Passion und Talent zusammenfliesst. Und Lebensgrundlage entsteht. Für andere. Für mich und meine Familie.

Nebst der Manufaktur in Gründung, taste ich mich auch mit dem Hybriden Konzern und Neustart Schweiz voran. Wer in Kontakt bleiben möchte: E-Mails beantworte ich immer, ab und an mikroblogge (Identica, wird an Twitter weitergeleitet) ich auch.

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Optionen für den Übergang in eine post-fossile Zivilisation

Das Ende des Zeitalters billiger Energie (von welchem nur eine Minderheit auf diesem Planeten profitiert hat) ist in Sicht, dazu kommen - sehr wahrscheinlich - klimatische Veränderungen, welche weltweit unsere heutigen Lebensgrundlagen in Frage stellen. Heute sind wir in immer stärkerem Mass damit beschäftigt, "grünen" Ersatz zu finden: biologischer Landbau statt konventioneller, biologische Lebensmittel statt Industrienahrung, erneurbare Energiequellen statt Kohle- und Atomkraftwerke, biologische Textilien usw.

Steve Ford Elliott, "Bursting the banks", Some rights reserved.
Quelle: www.piqs.de

Wir leben immer noch in der Illusion, dass wir unseren Lebensstandard werden halten können. Dabei hat gerade begonnen, was als der "lange Ernstfall" (The Long Emergency. Auch ein Buch von James Howard Kunstler.) bezeichnet wird: keine Alternative wird das Erdöl komplett ersetzen können. Landwirtschaftlicher Anbau, Transport und Energie-/Stromproduktion werden immer teurer, was letzlich zu Nahrungsmittel-Knappheit führt. Was wiederum massive Verwerfungen in den westlichen Gesellschaften zur Folge haben wird, weil sie grösstenenteils strukturell unfähig sind, in angemessener Weise auf diese Veränderungen zu reagieren.

Aber wir können uns bereits heute auf diese Veränderungen einstellen. Nicht nur in den einzelnen Haushalten, sondern vor allem auch auf Ebene lokale Gemeinschaften - Dörfern, Kommunen, Gemeinden, Städten - und überregionalen Verbänden von diesen. Dafür brauchen wir ganzheitliche Ansätze, wie sie zum Beispiel Permakultur beinhaltet (wobei Permakultur ein Imageproblem hat). Ein anderer Ansatz, welcher gerade massiv Momentum gewinnt, ist die Transition-"Bewegung", welche Gemeinde und Städte auf die  postfossile, relokalisierte Wirtschaft vorbereiten möchte. Neustart Schweiz dagegen ist eine Diskussionsbasis für notwendige neue Formen des Wohnens und der Art, wie wir uns als menschliche Gemeinschaften organisieren.

Die Frage ist, ob wir genug Zeit haben, um uns soweit vorzubereiten, dass wir nicht im Choas versinken. Aber diesbezüglich halte ich es mit Sharon Astyk:

All that matters is that the work gets done, as well as possible, that the floods are as small as we can make them, and that the suffering is as little as possible.

Ob Permakultur und Transition die momentan einzigen Optionen sind, wird gerade intensiv bei ihr (Permaculture Future? Part I und Part II) sowie Rob Hopkins, dem Gründer der Transition Towns-Bewegung, diskutiert. Diskussionen und Auseinandersetzungen übrigens, welche ich - überhaupt und auf diesem Niveau - in der deutschen Blogszene komplett vermisse ... und noch eine Leseempfehlung (aus dem englischsprachigen Raum) nebst den beiden erwähnten Blogs von Shanon (Casaubon’s Book) und Rob (Transition Culture): The Archdruid Report sowie Cluborlov mit der fantastischen Präsentation "Definancialisation, Deglobalisation, Relocalisation".

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